Für Überlingen gab's Schulnote „ausreichend“

Aufbruchstimmung beim Jugendforum – Umfrageergebnisse präsentiert

Überlingen (wak) „Du bist gefragt“ – so hieß das Motto bei einer Frageaktion an Überlinger Schulen. 4700 Fragebögen haben Schüler an Schüler verteilt. 2701 Fragebogen kamen ausgefüllt zurück. Die Mehrheit der Befragten war der Meinung, dass in Überlingen gerade noch ausreichend viel (Schulnote 4,09) für die Jugend geboten wird. Zu spüren war im Überlinger Kursaal bei der „Bürgerversammlung“, an der knapp 150 Schüler teilnahmen, ansonsten aber vor allem Aufbruchstimmung.

Schüler machten fast alles selbst

Zwei Stunden Zeit nahmen sich die jungen Überlinger. Als Moderatoren dabei waren Stephan Führhauptner und Robert Pakleppa von der Synergie Soziale Bildung Lindau, die Jugendreferentin Daniela Joos (Foto) bei der Begleitung der Aktion unterstützten. Den Rest machten die Schüler selbst – alle, die das Jugendforum mit vorbereitet hatten, trugen weiße T-Shirts mit dem Logo des Jugendforums. Insgesamt 13 Fragen hatten die Fragesteller formuliert und die Schülerinnen und Schüler beantwortet. Josef Sandkühler von der Politik AG der Constantin-Vanotti-Schule präsentierte im Kursaal die Ergebnisse, die er zusammen mit anderen Schülern ausgewertet und mit Sascha Jungnitz aufbereitet hatte. Etwa ein halbes Jahr Arbeit hatten die Beteiligten – unter ihnen Schulsprecher und Mitglieder jugendpolitischer Organisationen – investiert.

Oberbürgermeisterin früh entschwunden

Oberbürgermeisterin Sabine Becker sagte zu Beginn des Jugendforums, dass sie positiv überrascht sei, wie viele Jugendliche sich engagiert hätten und dass Bewegung in die Überlinger Jugend gekommen sei. Weiter sagte die Oberbürgermeisterin: „Ich erwarte, dass ihr euch aktiv einbringt.“ Enttäuscht waren die Jugendlichen allerdings, als Sabine Becker direkt nach ihrer kurzen Ansprache das Jugendforum verließ, nachdem sie zuvor angekündigt hatte, nach hinten „zu den Erwachsenen“ zu gehen. Unter den Zuhörern waren – bis zum Schluss – einige Mitglieder des Gemeinderats, die beim Jugendforum ausnahmsweise striktes Redeverbot hatten.

Vor allem über 16- und 17-Jährige machten mit

Nur 800 der Schüler, die einen ausgefüllten Fragebogen abgaben, wohnen direkt in Überlingen. Mehr als die Hälfte der Befragten gehen lediglich in Überlingen zur Schule und verbringen ihre Freizeit in der Stadt. Der Rücklauf war bei Schülern, die 17 Jahre oder älter sind, am höchsten. Groß war er aber auch schon bei den 16- bis 17-Jährigen. Die 12- bis 13-Jährigen beteiligten sich dagegen weniger häufig an der Frageaktion. Auffällig fand es Josef Sandkühler, dass 152 der in Überlingen Wohnenden angaben, ihre Freizeit nicht in der Stadt zu verbringen, was für ein nicht ausreichendes Freizeitangebot sprechen könnte.

Sogar „Sechser“ für Überlingen

Auf die Frage, „Welche Orte nutzt ihr?“ antwortete die Mehrheit mit Landungsplatz und Kneipen. Weit abgeschlagen folgten die Rampe, der Bad-Garten und der Waldspielplatz. Überlingen bewertet haben die meisten Schüler eher weniger gut. Während es bei den 12- bis 15-Jährigen noch Noten zwischen drei und vier gab und es zu einem knappen „ausreichend“ reichte, benoteten die 16- bis 17-Jährigen und ältere Schüler die Stadt noch schlechter. In dieser Altersgruppe reichte es für Überlingen noch nicht einmal für die Schulnote vier. „Es gab auch oft die Note sechs“, so Josef Sandkühler.

Weitere Veralterung der Stadt droht bei Wegzug

Auch auf die Frage „Wollt ihr später in Überlingen leben?“ antworteten mehr Schüler mit nein als mit ja. Einziger Trost: Die Jugendlichen, die in Überlingen wohnen, könnten sich noch eher vorstellen, in der Stadt zu leben. Es gibt aber eine Tendenz, die Stadt zu verlassen, so Josef Sandkühler. Die Gefahr, dass Überlingen noch älter werde, drohe.

Mehr Partys und ÖPNV im Fokus

Auf die Frage „Was wollt ihr mehr?“ gab es eine sehr eindeutige Antwort: Die große Mehrheit nannte Partys. Es folgten U18 Veranstaltungen sowie Kultur und Konzerte. Auf Rang vier kam bereits der ÖPNV noch vor Sport und Jugendhausangeboten. Bildungsangebote, Vereine, Infos, Beratung und Gottesdienste vermissten die Befragten dagegen so gut wie gar nicht. Bedeuten könnte das, dass es bereits ausreichend viele Angebote von Vereinen gibt – oder aber dass sich Schüler für Gottesdienste nicht sonderlich interessieren.

Mehrheit bereit sich zu engagieren

Auf die Frage, „Würdet Ihr mitmachen?“, antworteten knapp 400 mit ja, 1500 mit vielleicht und etwa 800 mit nein. Die Mehrheit sei unschlüssig, sagte Josef Sandkühler. Aufschlussreicher seien aber die Antworten auf die folgende Frage: „Das wollt ihr machen!“. Zwar kreuzte die Mehrheit (knapp über 800) „gar nichts“ an. Groß waren aber auch die Balken für „Vereine“ (etwa 700), „Projekte“ (etwa 620) und „Sonstiges“ (knapp 600). Angekreuzt hatten die Schüler außerdem neue konkrete Projekte wie „Jugendhomepage“, „Jugendforum“, „Jugendgemeinderat“ (193) und an letzter Stelle „Parteien“ (180).

Erreichbarkeit spielt größte Rolle

Mitmachen würden die Jugendlichen vor allem unter einer Bedingung: Der Treffpunkt muss erreichbar sein. Ein weiterer entscheidender Punkt sind Finanzen. Weniger wichtig ist den Jugendlichen dagegen „Betreuung“. Das spreche für das Selbstvertrauen der Überlinger Schüler. Auf Wandzeitungen stand zum Beispiel zu lesen: „Wir wollen unsere Meinung sagen können.“

Zehn Inseln – zehn Projekte

Nach der Präsentation der Ergebnisse setzten sich die Jugendlichen zusammen. Auf zehn Inseln machten sie den Anfang und sammelten Ideen für konkrete Projekte. „Man kann nichts falsch machen“, so ein Moderator. Klar ist bereits, dass der Start geglückt ist und die Projektgruppen wieder zusammenkommen werden. Ein Termin ist am 21. Mai ab 16 Uhr in der Rampe. Ein Teil der Gruppen hat aber auch andere Termine festgelegt. Grundsätzlich sind alle Gruppen offen für alle Interessierten. Auch ein Wechsel der Gruppe ist jederzeit möglich.

Homepage, Partys, Public Viewing & more

Beim dritten Teil des Jugendforums hatten alle „Inseln“ oder Projektgruppe noch einmal etwa zwei bis drei Minuten Zeit, um dem Plenum im Schnelldurchlauf die ersten Ergebnisse ihrer Ideensammlungen vorzustellen. Weiter arbeiten wollen die Jugendlichen konkret an folgenden Projekten: 1. Homepage, Plattform, Web 2.0; 2. Vereinsangebote, mögliche öffentliche Hallennutzung und Öffnung der Sporthallen an einem Tag; 3. U16 Partys – oder gemischt U+Ü 16 Partys; 4. Jugendbeteiligung, Mitsprache, Jugendbüro, Sprecher wählen; 5. Jugendräume/Orte in Überlingen, Raum selbst verwalten, zentrale Lage, Erreichbarkeit mit ÖPNV, mittags chillen, abends Party; 6. Busfahrer, zu wenig Nachtbusse ins Hinterland, Nachfrage nach AST-Taxis schaffen und Angebot nutzen, rent a bike, mit Rad in die Stadt fahren und es stehen lassen, Mitfahrgelegenheiten über Hompage; 7. offenes Sportangebot, Public Viewing bei der WM (nächstes Treffen der Orga-Gruppe 12. Mai, 18 Uhr, Jugendcafé); 8. Jugendbörse, Kontakte, Vernetzung, Nachhilfe, „ich fahre nur nicht Kanu, weil ich keinen kenne, der Kanu fährt“; 9. Jugendveranstaltungen 16 bis 18 Jahre, Raum für Partys finden, Regelmäßigkeit, mehr draußen; 10. Party Ü18, mit 16-Jährigen, Disco, Raum, Vorschläge Kapuzinerkirche, Kramerhalle, Kursaal, Treffpunkt am See, eine Stelle für Musik, grillen, chillen, baden gehen.

Mehr Infos und demnächst voraussichtlich auch die Ergebnisse der Befragung unter http://www.jugend-ueberlingen.de.

Fotos: wak

Ein Kommentar to “Für Überlingen gab's Schulnote „ausreichend“”

  1. der motzer
    6. Mai 2010 at 12:25 #

    „Ich erwarte, dass ihr euch aktiv einbringt!“
    Was für ein schöner Satz – nur kommt der aus dem falschen Mund!
    Arbeiten lassen ist besser als selbst zu arbeiten! Wo bringt sich die Oberbürgermeisterin mit ein? Nach einer kurzen Ansprache sich einfach „verdrücken“ und die Jugendlichen ihrem Schicksal selbst zu überlassen! Meine Verachtung Frau Becker! Hier zeigt sich mal wieder, wie Sie mit dem Wort Verantwortung umgehen. Sie wollen keine übernehmen!
    Meine Hochachtung und meinen Respekt an die Jugendlichen und Moderatoren, die hart für diesen Abend kostenlos gearbeitet haben!
    Wenn ich den Namen Oberbürgermeisterin Sabine Becker höre, schleicht sich bei mir der Gedanke ein, dass sie ihr Gehalt im
    Geschenkpapier überreicht bekommt!

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