Gegendemo für den (Pech)vogel 2010

Fischer demonstrieren gegen Kormoran – 1587 Freunde für ihn

Kormoran - NABU_K_Karkow kleinRadolfzell (wak) Fischer und Angler haben heute am Rande der Naturschutztage in Radolfzell gegen den Kormoran, „Vogel des Jahres 2010“, demonstriert. Vor allem die Berufsfischer sehen in dem Vogel eine Gefahr für die Fischbestände im Bodensee. Zur Demonstration aufgerufen hatte der Landesfischereiverband Baden. Der (Pech)vogel des Jahres hat aber trotzdem nicht etwa nur Feinde: Immerhin 1587 Fans, darunter viele Promis, haben sich auf der Homepage des Naturschutzbunds Deutschland (Nabu) als Kormoran Freunde eingetragen.

Der Kormoran-Krieg

In der Vergangenheit hatte es bereits immer wieder heftige Auseinandersetzungen zwischen den Fischern am Bodensee, deren Fänge Jahre lang immer weniger wurden, und Naturschutzverbänden gegeben. Die Fischer verteidigten ihre wirtschaftlichen Interessen und wollten erreichen, dass die Zahl der Kormorane am Bodensee kleiner wird. Naturschützer waren wegen Kormoran-Tötungen und der Zerstörung der Kormoran-Brut am Untersee empört. Vogelschützer sprachen sogar von „Massakern“ an dem „Vogel des Jahres 2010“, die aber nicht etwa nur am Bodensee, sondern auch in anderen Bundesländern stattfanden. Auch Gerichte mussten sich schon mit Aktionen gegen Kormorane beschäftigen.

Gegendemo der Kormoran-Freunde im Internet

Die Gegendemonstration zum Protest des Fischer, die in Radolfzell auf die Straße gingen, findet heute zeitgleich im Internet statt. Immerhin 1587 Kormoran-Freunde bekennen sich mit kurzen Statements zum Pechvogel des Jahres 2010. Kormoran-Freund eäußern sich zum Beispiel so: Leif Miller, NABU-Bundesgeschäftsführer: „Deutschland braucht den Kormoran!“; Christian Grzimek,Tierfotograf: „Gönnen wir den Kormoranen ihre Beute. An der Überfischung unserer Gewässer ist er mit Sicherheit nicht schuld. Erfreuen wir uns an ihrer Gegenwart!“ Freiherr Enoch von und zu Guttenberg, Dirigent, BUND-Mitbegründer, Vater des CSU-Verteidigungsministers: „Lebewesen dieser Schöpfung haben ein Existenzrecht, und der Schöpfungsauftrag an uns Menschen heißt eben nicht nur ,Untertan machen‘, schon gleich nicht ,Ausrotten‘, Fred Fuchs, Cartoonist: „Wir brauchen das neue Fernsehformat „Deutschland sucht den Super-Kormoran!“ Gerhard Polt, Kabarettist: „Ich bin Kormoranfreund, weil ich schon genug Feinde habe.“ Sebastian Bezzel, Kommissar im „Bodenseetatort“, Schauspieler: „Der ,Kormorankrieg‘, in dem man gegen einen Vogel Hass predigt und einen rücksichtslosen Kampf führt, ist eine Schande für uns alle. Daher mische ich mich ein – ich bin ein Kormoranfreund!“ Senta Berger, Schauspielerin: „Die Rückkehr des Kormorans ist ein Erfolg für den Artenschutz. Ich möchte, dass das so bleibt und setze mich für einen vorurteilsfreien Umgang mit diesem schönen Vogel ein.“

Die Futter-Lüge

Die Nahrung der Kormorane besteht hauptsächlich aus kleinen bis mittelgroßen Fischen. „Der tägliche Nahrungsbedarf eines Kormorans wird gerne direkt mit erlittenen Ertragseinbußen für Berufsfischer gleichgesetzt – das ist Unfug“, so NABU-Vogelschutzexperte Markus Nipkow. Kormorane fangen – so der Vogelschützer – stets die Fische, die sie am leichtesten erbeuten können. „Das sind auch viele fischereiwirtschaftlich uninteressante, also nicht marktfähige Weißfische wie Kaulbarsch oder Plötze, die in großer Zahl vor allem in nährstoffreichen Seen und Flüssen leben“, sagte Nipkow. Das hätten Nahrungsrestanalysen bei Kormoranen inzwischen mehrfach bewiesen. (Foto: Nabu/Karkow)

Kormoran-Freunde werden geht unter: http://www.nabu.de/aktionenundprojekte/vogeldesjahres/2010-kormoran/kormoranfreunde/index.html

Ein Kommentar to “Gegendemo für den (Pech)vogel 2010”

  1. Maximilian Fischer
    13. Juli 2012 at 22:42 #

    Wenn der Dr. Nipkow von „nährstoffreichen Seen und Flüssen“, redet kann er nicht ernsthaft den Bodensee meinen denn der ist ja das Gegenteil – nährstoffarm!

    Zur dortigen Kormorannahrung gibt es Untersuchungen, so schrieb der Südkurier:
    „Der Naturschutzbund (Nabu) versucht die Vögel in seiner neuen Ausstellung zu entlasten. Er stellt im Naturschutzzentrum am Reichenauer Bahnhof Forschungsdaten vor, nach denen sich Kormorane nur zu rund sechs Prozent von den auch für den Menschen interessanten „Edelfischen“ ernähren.
    Dabei erwischten Kormorane meist wirtschaftlich unbedeutende „Weißfische“ wie Rotaugen. Der Nabu bezieht sich bei diesen Aussagen auf wissenschaftliche Analysen von Speiballen (Ausscheidungen aus dem Magen) von Kormoranen am Untersee.“
    In der Untersuchung Ergebnisse gibt es hier:
    http://www.nabu-lahr.de/2010-01-04_BUND_NABU_Kormoranposition.pdf

    List man dann:
    Karpfen: 12%
    Schleie 1,9%
    Hecht 15%
    Flussbarsch 12,7%
    Salmoniden 4,4%
    Felchen 4,4%
    Äsche 1,6%

    Allein der Barsch (Egli, Kretzer) macht aber mehr als 2x die genannten „sechs Prozent“ aus.

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