Geld für Aggressionsforscher an der Uni Konstanz

Professor Thomas Elbert erhält Koselleck-Projekt zur Erforschung der menschlichen Aggressionsbereitschaft

Konstanz (red) Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) bewilligte Dr. Thomas Elbert, Professor für klinische Psychologie und Neuropsychologie an der Universität Konstanz, ein Reinhart Koselleck-Projekt zum Thema „Psychobiologie menschlicher Gewalt- und Tötungsbereitschaft“. Die DFG fördert das Projekt zur Aggressionsforschung in Höhe von 1 Million Euro zuzüglich einer Programmpauschale von 200.000 Euro. Die Reinhart Koselleck-Projekte sind ein renommiertes Programm der DFG für wissenschaftliche Pionierarbeit. Herausragenden Wissenschaftlern sollen darin Freiräume gegeben werden, um besonders innovative und in positiver Hinsicht risikobehaftete Projekte durchzuführen.

Thomas Elbert ist damit der bereits dritte Wissenschaftler an der Universität Konstanz, der mit einem Reinhart Koselleck-Projekt ausgezeichnet wurde. Der Konstanzer Geschichtswissenschaftler Professor Dr. Rudolf Schlögl erhielt im Dezember 2009 die Zusage für das Reinhart Koselleck-Projekt „Vergesellschaftung unter Anwesenden und ihre Transformation. Eine Gesellschaftsgeschichte und Theorie der europäischen Frühneuzeit“. Im Februar 2010 bewilligte die DFG das Projekt „Algorithmik sozialer Netzwerke“ von Professor Dr. Ulrik Brandes, Professor für Algorithmik am Fachbereich Informatik und Informationswissenschaft der Universität Konstanz.

Das Ziel des Forschungsprojekts, das Thomas Elbert gemeinsam mit Dr. Roland Weierstall vom Fachbereich Psychologie der Universität Konstanz durchführt, ist die Erforschung von Entstehung und Kontrollierbarkeit der menschlichen und insbesondere der männlichen Gewaltbereitschaft. Im Unterschied zur bisherigen Aggressionsforschung nehmen Elbert und Weierstall eine stärkere Unterscheidung zwischen zwei Arten der Aggression vor: Einerseits definieren sie eine „reaktive Aggression“; Beispiel dafür ist die Verteidigung des Heims gegen Eindringlinge. Dieser defensiv geprägten Aggressivität steht die aktive und vorsätzliche Gewalt gegenüber, die sich in geplanten Überfällen auf andere äußert. Die Veranlagung zu dieser instrumentellen Gewaltausübung ist aus psychobiologischer Sicht insbesondere bei Männern festzustellen. Elbert und Weierstall führen diese Veranlagung auf die evolutionäre Herausbildung des Jagdtriebs beim Menschen zurück, dessen Vorfahren vor zwei Millionen Jahren noch ausschließlich Vegetarier waren.

Elbert und Weierstall untersuchen die psychobiologischen Entwicklungsstadien des Menschen, in denen er zur Gewaltbereitschaft geprägt oder gegen sie konditioniert werden kann. Ein Standbein der Untersuchungen ist die Gehirnforschung im Labor und widmet sich unter anderem der Frage, welche Gehirnzentren appetitive Aggression regulieren, Lust an Gewalt kontrollieren. Das zweite Standbein ist die Feldforschung in Gefängnissen und insbesondere in Kriegsgebieten wie Ostafrika. Ein besonderes Augenmerk von Elbert und Weierstall gilt den Zusammenhängen zwischen Gewaltsozialisierung und der Empfänglichkeit für psychische Erkrankungen aus Gewalterfahrungen. Aus den Forschungen zum menschlichen Aggressionsverhalten erhoffen sich die Forscher auch Rückschlüsse, wie psychische Erkrankungen durch Kriegserfahrungen verhindert werden können und Gewaltbereitschaft reguliert werden kann.

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