Grüner Abgeordneter kämpft für Frühchen-Versorgung am Bodensee

Frühchen-Eltern müssen sonst bald nach Freiburg oder Tübingen fahren

Konstanz. Der Konstanzer Landtagsabgeordente Siegfried Lehmann hat die Landesregierung in einem Antrag vergeblich dazu aufgefordert, Kooperationsgespräche mit den Krankenhäusern in Baden-Württemberg aufzunehmen, um durch die Einrichtung von Frühchen-Verbundzentren wie in Bayern ein flächendeckendes Versorgungsangebot von Frühgeborenen unter 1.250g zu sichern. Die Landesregierung lehnte in ihrer Stellungnahme eine Positionierung in dieser Frage ab. Das teilte Lehmann jetzt mit.

Mindestmengen-Regelung heftig umstritten

Die Vorgabe des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), wonach Krankenhäuser Frühgeborene unter 1.250g nur noch versorgen dürfen, wenn sie eine jährliche „Mindestmenge“ von 30 Frühchen vorweisen, stößt bundesweit auf Kritik. Nachdem nun 14 Kinderkliniken aus Baden-Württemberg, Berlin und Bayern Klage gegen diesen Beschluss eingereicht haben, wurde der Vollzug des G-BA – Beschlusses vorerst bis Ende Februar ausgesetzt. „Das Aussetzen dieses Beschlusses ist ein erster Erfolg für die betroffenen Krankenhäuser“, wertet der Grüne Landtagsabgeordnete Siegfried Lehmann die Reaktion des G-BA auf die Einschätzung des Landessozialgerichts Berlin-Brandenburg, welches den Eilantrag der Kinderkliniken als „nicht offensichtlich ohne Erfolgsaussicht“ bewertete. Lehmann fordert nun die Landesregierung wiederholt auf, diese Fristverlängerung dazu zu nutzen, eine flächendeckende Versorgung durch die Einrichtung von Verbundzentren zu nutzen, wie diese bereits in Bayern eingeführt wurden.

Bei Frühchen Vorbild Bayern

Bereits Ende des vergangenen Jahres hatte der Konstanzer Landtagsabgeordnete Siegfried Lehmann einen Antrag an die Landesregierung eingereicht um zu bewirken, dass sich das Sozialministerium in Baden-Württemberg für eine flächendeckende Versorgung extrem früh geborener Kinder unter 1.250g einsetzt. „Die Bayerische Landesregierung hat gezeigt, dass es möglich ist, trotz der Vorgabe einer Mindestmenge von jährlich 30 Frühgeborenen des Gemeinsamen Bundesausschusses, ein flächendeckendes Netz an versorgenden Krankenhäusern aufrecht zu erhalten“, berichtet der Grüne Landtagsabgeordnete. „In Bayern wurden Verbundzentren gegründet, welche ermöglichen, dass mehrere Häuser gemeinsam die Mindestmenge von 30 früh geborenen Kindern vorweisen und die Versorgung an unterschiedlichen Orten nicht gefährdet ist. So ein Modell wäre selbstverständlich auch in Baden-Württemberg möglich, wenn die Landesregierung ein solches anstreben würde“, so Lehmann.

Frist läuft nur noch bis Ende Februar

Dem Antrag des Grünen Landtagsabgeordneten wollte die Landesregierung jedoch nicht nachkommen. „Die Regierung verweist darauf, dass der Vollzug des Beschlusses vorerst bis Ende Februar diesen Jahres ausgesetzt wurde und wartet nun einfach ab, was weiterhin passieren wird, anstatt selbst initiativ zu werden oder sich zumindest deutlich zu positionieren“, zeigt sich Lehmann enttäuscht. „Wenn wir warten, bis der Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses in Kraft tritt, ist das Kind sozusagen bereits in den Brunnen gefallen – dann ist es schlicht zu spät.“

Lehmann fordert Fristverlängerung

Um eine flächendeckende Versorgung von Frühgeborenen unter 1.250 g auch weiterhin zu sichern, fordert Lehmann daher von der Landesregierung, die Fristverlängerung für Kooperationsgespräche mit den Kliniken zu nutzen und zu eruieren, wo Verbundzentren machbar und sinnvoll sein können. „Es darf einfach nicht sein, dass Familien, welche in der Bodenseeregion wohnen, künftig über Wochen oder gar Monaten hinweg täglich nach Freiburg oder Tübingen fahren müssen, weil nur dort das Frühgeborene versorgt werden kann. Dies ist in keiner Weise zumutbar oder gar familienfreundlich.“

Keine Frühchen-Versorgung am Bodensee

Ein Vollzug des G-BA – Beschlusses würde für Baden-Württemberg bedeuten, dass künftig lediglich in den Perinatalzentren in Heidelberg, Ulm, Tübingen, Stuttgart, Mannheim, Freiburg UK, Karlsruhe, Böblingen sowie Ludwigsburg eine Versorgung von Frühgeborenen unter 1.250 g ermöglicht würde – und damit nur noch an lediglich zehn Standorten, wobei sich davon fünf im Großraum Stuttgart befinden.

Mehr Babys im Konstanzer Klinikum

Dabei sind zuletzt auch in Konstanz wieder mehr Kinder geboren. Wie bundesweit war zuletzt auch in Konstanz ein leichter Anstieg der Geburten zu verzeichnen. Am Klinikum Konstanz erblickten im vergangenen Jahr 685 Kinder das Licht der Welt und damit 15 mehr als im Vorjahr. Wie viele Frühchen darunter waren, teilte das Konstanzer Klinikum nicht mit.

Foto: Lisa Schwarz PIXELIO www.pixelio.de

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