Grüner: Bodenseewasser durch Erdgas-Bohrungen gefährdet?

Landtagsabgeordneter Lehmann fordert Information der Bevölkerung zur Lizenzvergabe für Erdgas-Erkundung

Siegfried LehmannKonstanz. Der Grüne Landtagsabgeordnete Siegfried Lehmann schlägt Alarm. Bereits im Jahr 2009 sind an das britische Unternehmen „3Legs Resources plc. Company“ zwei Lizenzen zur Erkundung von unkonventionellem Erdgas in Baden-Württemberg vergeben worden. Beide Erkundungsgebiete befinden sich direkt in der Bodenseeregion und beanspruchen eine Fläche von ca. 2500 km2. Solche Bohrungen könnten schwerwiegende Auswirkungen auf die Umwelt haben. Das berichtet der Grüne Lehmann.

Land soll Öffentlichkeit informieren

Der Grüne Landtagsabgeordnete Siegfried Lehmann fordert nun, die Öffentlichkeit sowie die betroffenen Kommunen umgehend über das geplante Erkundungsverfahren zu informieren: „Es kann nicht sein, dass seit beinahe zwei Jahren die Lizenzen zur Erkundung der Bodenschätze in der Bodenseeregion vergeben sind und weder die Gemeinden noch die Öffentlichkeit über die Planungen informiert wurden.“

Regionalpläne nicht berücksichtigt

Die Vergabe von Lizenzen für die Erkundung von Bodenschätzen werde grundsätzlich über das Bergrecht geregelt. Nur in Einzelfällen würden Regional- und Bebauungspläne bei Erkundungs- oder Gewinnungsverfahren berücksichtigt. „Aufgrund der Nähe zum Bodensee ist es zwingend erforderlich, dass ein transparentes Genehmigungsverfahren stattfindet, welches eine Umweltverträglichkeitsprüfung vorsieht“, fordert Siegfried Lehmann die Landesregierung in einem Schreiben auf.

Gasrückstände in Trinkwasser

Die „Fracing“ genannte Bohrmethode werde benutzt, um an das schwer zugängliche Erdgas zu kommen. Dabei wede ein Gemisch aus Sand, Wasser und Chemikalien mit hohem Druck in den Boden gepresst, um die Gesteins- und Kohleschichten aufzubrechen und das Gas freizusetzen. In den USA hätten Konzerne wie ExxonMobil oder Halliburton bereits zehntausende Bohrungen mit teilweise schwerwiegenden Folgen durchgeführt. Die Erfahrungen mit diesem Verfahren in den USA hätten gezeigt, dass es zu gravierenden Auswirkungen auf die Umwelt, insbesondere zu einer Gefährdung des Grundwassers kommen kann. Medienberichten zufolge würden Gasrückstände im Trinkwasser nachgewiesen und Chemikalien hätten Millionen Kubikmeter Wasser verschmutzt. In den US-Bundesstaaten New York und Pennsylvania wurden darauf hin die Bohrungen vorerst gestoppt.

Gefahrenpotenzial der Fracing-Technik

Lehmann verweist in diesem Zusammenhang auch auf eine aktuelle Studie des Tyndall Centre der Universität Manchester, das als erste europäische Untersuchung das mögliche Gefahrenpotenzial der Fracing-Technik bewertet. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass 58 der 260 Chemikalien, die in den USA bei den Bohrungen verwendet wurden, für die Umwelt bedenklich, teilweise giftig und krebserregend sind. Die Autoren weisen zudem darauf hin, dass die Entsorgung des zurückströmenden Bohrwassers von größter Wichtigkeit sei. Neben Chemikalien würden auch Schwermetalle und radioaktive Stoffe aus mehreren tausend Metern Tiefe an die Oberfläche gespült. „Wie realistisch die Gefahr ist, zeigten zwei Pannen bei Exxon-Bohrungen in der Lüneburger Heide. Durch ein Rohrleitungsleck im Erdgasfeld Söhlingen gelangten giftiges Quecksilber und krebserregendes Benzol in Erdreich und Grundwasser.“, gibt Lehmann zu bedenken.

Besonderes Risiko am Bodensee

„Gerade in unmittelbarer Nähe zum Bodensee, einem der größten Trinkwasservorratsspeicher, birgt dieses Verfahren eine besondere Gefahr für das Trinkwasser und bedarf einer besonderen Prüfung. Neben einer Umweltverträglichkeitsprüfung mit Öffentlichkeitsbeteiligung im Vorfeld, der Offenlegung der Chemikalien und Quantifizierung der Mengen ist eine Offenlage der zu erwartenden Emissionen (Lärm, Luft, Gewässer, Abwässer) und sonstiger Umwelteinwirkungen in einem transparenten Verfahren zwingend geboten.“, so Lehmann weiter.

Empörung über Heimlichtuerei

Über die mangelnde Information der Öffentlichkeit zeigt sich der Konstanzer Abgeordnete Lehmann entrüstet. „Die Lizenzvergabe zur Erkundung ist nun bereits vor fast zwei Jahren erfolgt und noch immer sind weder Kommunen noch Bürgerinnen und Bürger darüber informiert, was in unserer Region geplant ist. Öffentlichkeitsbeteiligung darf nicht erst stattfinden, wenn bereits erste Bohrungen vorgesehen sind.“

Appell an Landesregierung

Lehmann fordert daher die Landesregierung auf, darzustellen, wie der Ablauf des Erkundungsverfahrens vorgesehen ist und welche Auflagen von Seiten des Landes vorgegeben wurden. „Ich sehe die Landesregierung in der Pflicht, die Kommunen darüber rechtzeitig zu informieren, wo genau erkundet werden soll, wo im Falle positiver Erkundungsergebnisse Bohrungen vorgesehen sind und welche Mitsprachemöglichkeiten den Kommunen zustehen.“

4 Kommentare to “Grüner: Bodenseewasser durch Erdgas-Bohrungen gefährdet?”

  1. Efraim Langstrumpf
    4. März 2011 at 11:32 #

    Jawollo! Ein weiterer Sketch in der grünen Dauerverblödungshow: „Der tägliche Ökohorror“. Der Dagegenaktivist Lehmann ist ja schließlich Experte in Sachen Explorationsbohrungen.

  2. wak
    4. März 2011 at 11:45 #

    @Langstrumpf Dazu wäre noch Folgendes zu sagen: http://www.badische-zeitung.de/suedwest-1/land-gegen-erdgassuche-am-bodensee–41809515.html

  3. Efraim Langstrumpf
    4. März 2011 at 11:59 #

    „politisch“ nicht gewollt …

  4. Charles Sommer
    14. April 2012 at 01:49 #

    Ganz überrscht habe ich diesen Artikel gefunden! Was ist inzwischen draus geworden? Ich kann dazu nur sagen, dass sich besonders amerikanische Konzerne nicht leicht reinreden lassen und sehr schnell mit übelsten Methoden unter der Gürtellinie kämpfen, wie es sich vielfach in den letzten Jahrzehnten gezeigt hat. Es ist deshalb wichtig möglichst vorsichtig vorzugehen und vor allem zweckmässig, übergeordnete Instanzen zu belehren, damit der ev. schmutzige Teil erst gar nicht aufkommt. Dass bei ev. Unfällen grossen Teilen Süddeutschlands das Trinkwasser beschädigt würde, ist ein leicht verständliches Argument, besonders weil viele „Executives“ Worte wie Mercedes, Porsche und Siemens sehr schätzen.
    MfG
    C.Sommer

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