Grüne Konstanzer OB-Kandidatin: Nicht miefig, dunkelgrün und provinziell

Sabine Seeliger wehrt sich gegen Unterstellungen – Konzepte diskutieren, statt Lagerwahlkampf

Konstanz. Klare Worte hat Sabine Seeliger, Oberbürgermeisterkandidatin für die Grünen in Konstanz, gefunden. Ihre Botschaft lautet: Grüne Politik ist nicht miefig, dunkelgrün und provinziell. Sie sagt, einen „Lagerwahlkampf“ brauche die Stadt nicht, sondern eine Debatte über Konzepte. Auch Sabine Reiser (CDU), die wie auch bei einer Mitgliederversammlung der CDU im Konstanzer Quartierszentrum am Freitagabend selbst viele grüne Ideen hat, will wie Seeliger einen Wettstreit der Ideen. Damit unterscheiden sich beide Kandidatinnen klar von dem Vielleicht-Kandidaten Meinhard Schmidt-Degenhard. Außer Polemik und heißer Luft sei von ihm auch am Freitagabend wieder nichts gekommen, so ein Konstanzer CDU-Mitglied.

Stadt im Wahlkampf nicht spalten

Lagerwahlkampf sei eine Strategie für „Glücksritter“ von außerhalb der Stadt, teilte Sabine Seeliger am Freitagnachmittag in einer Medienmitteilung mit. Sie sagte: „OB-Bewerber tauchen auf, starten einen Versuch und sind bei Misslingen wieder weg.“ Mit dieser Perspektive mache es nichts aus, im Wahlkampf die Stadt in Lager zu spalten. Seeliger: „Ich wohne hier und bleibe auch nach der Wahl hier – egal wie sie ausgeht.“ Die Kandidatin weiter: „Ich erwarte daher von allen Kandidatinnen und Kandidaten, dass sie sich mit der Situation vor Ort vertraut machen und dann anhand von Daten und Fakten ihre Vorschläge zur Diskussion stellen.“

Schnittmengen zwischen Seeliger und Reiser

Seeliger erklärte: Bei den Themen Verkehr in der Stadt, ausreichend bezahlbarem Wohnraum, Umweltschutz und Zusammenleben von Jung und Alt gebe es wichtige Fragen zu diskutieren. „Vernetzte Verkehrssysteme mit leichtem Umstieg zwischen Auto, Bus, Fahrrad und anderen Zubringern in die Stadt, Car-Sharing und Förderung des Radverkehrs sind meine Vorschläge für die Verkehrspolitik“ so Seeliger. So denkt nicht nur sie: Hier sind die Schnittmengen zwischen  Sabine Seeliger und Sabine Reiser besonders groß. Reiser sagte am Freitagabend im Quartierszentrum zwar, eine Zwangsabgabe wie die City-Maut passe nicht zu Konstanz und sie würde als Oberbürgermeisterin für den vierspurigen Ausbau der B 33 kämpfen. Eine intelligente Verkehrsleitung, Parkflächen außerhalb der Altstadt, Radstrecken und dezentrale Fahrradabstellplätze mir Anschließmöglichkeiten sowie E-Bike-Ladestationen hat auch Sabine Reiser auf der Agenda. Statt von Vernetzung redet sie von einer Mobilitätskette, was aber wohl dasselbe meint.

Grün ist nicht nur eine Partei

Auch beim Thema Wohnungspolitik dürfte es Überschneidungen zwischen Seeliger und Reiser geben. Im Quartierszentrum sagte Reiser, die Nachverdichtung stoße an Grenzen und sie könne sich vorstellen ein neues Wohnbaugebiet in Konstanz zu entwickeln, was mit der Versiegelung von Landschaft verbunden wäre. Die Bewerberin warf aber ausgerechnet das Quartier Freiburger Quartier Vauban in die Diskussion, sprach von klimaneutralem Bauen und davon, dass sie die Bürger bei der Entwicklung eines Neubaugebiet beteiligen möchte und die Konstanzer ihre Vorschläge machen sollen, wie sie sich urbanes Wohnen vorstellen. Wohnraum müsse auch für Normalverdiener und Studenten bezahlbar sein, meinte Sabine Reiser. Bei Sabine Seelinger hören sich Lösungsvorschläge für studentisches Wohnen so an: „Zur Lösung der kommenden studentischen Wohnungsnot brauchen wir dringend gute Vorschläge – von der Ausweitung des Studitickets auf den VHB, damit sich Studierende auch in Radolfzell oder Singen eine Wohnung suchen können, bis zur befristeten Nutzung von leerstehenden Gewerbeimmobilien.“ Mit letzterem hat die Juristin Reiser, wenn sie durch die rechtliche Brille blickt, allerdings so ihre Probleme.

Seeliger und Reiser denken nicht in Lagern

Lagerdenken steht für Seeliger für ein „Politikverständnis von gestern“. Der Politikstil heutzutage orientiert sich an Bürgerbeteiligung, Meinungsbildung und Konsensfindung. Seeliger erklärte: „Große Projekte brauchen große Mehrheiten. Für mich zählt das beste Argument.“ Auch Sabine Reiser, die sich selbst als „unabhängige Kandidatin“ bezeichnet, nicht von der CDU nominiert ist und auch am Freitag im Quartierszentrum kein Signal bekam, dass die CDU sie unterstützen will, redet viel von Bürgerbeteiligung und findet das Links-Rechts-Schema sei überholt. Reiser hatte ihre Vorstellung am Freitagabend übrigens in drei Punkte gegliedert: persönliche Vorstellung, Politikstil und Inhalte, die aber nicht etwa ausformuliert waren, weil sie zuerst noch möglichst vielen Bürgern zuhören will.

Regionalität nicht Provinzialismus

Sabine Seeliger erklärte über ihre Idee vom Konsens bei großen Themen: „Diesen konsensorientierten Politikstil kann man als miefig, dunkelgrün und provinziell bezeichnen. Man kann es aber auch als Stärke der Region sehen.“ Seeliger weiter: „Regionalität als Provinzialismus zu verunglimpfen, lehne ich ab. Gerade in den regionalen Besonderheiten liegen unsere Chancen.“ Vereine wie zum Beispiel „Gutes vom See“ hätten diese Chance erkannt. Hier setzen regionale Produzenten, Einzelhändler und Gastronomen auf heimische Produkte, so Seeliger

Konzeptlos wäre für Konstanz zu wenig

Das Kulturamt organisiere am 12. Mai ein Fest unter dem Titel „Heimat“ und bietet Gelegenheit, unverkrampft über die Bedeutung von Heimat nachzudenken. Seeliger: „Beim Kulturfest geht es um Besonderheiten, die unsere Heimat auszeichnen. Dazu gehören Bodensee und Streuobstwiesen, genauso wie die Offenheit für andere Kulturen, die hier heimisch werden. Das ist ein Heimatbegriff dem ich zustimme, der nicht provinziell, sondern selbstbewusst ist.“ Es sei richtig, dass Konstanz statt auf angestrengt weltläufige Austauschbarkeit auf Besonderes und Authentizität setzt. Seeliger: „Wer einen Lagerwahlkampf ausruft, zeigt, dass er sich nicht zutraut, mit Konzepten zu überzeugen. Das ist zu wenig für ernsthafte OB-Kandidaten.“ Die Botschaft von Seeliger ist unmissverständlich. Meinhard Schmidt-Degenhard, der Mann der viele Worthülsen in die Debatte wirft und wenig Inhalt zu bieten hat,  wird die Worte der OB-Kandidatin der Grünen wohl vernommen haben und muss sich am heutigen Samstag fragen, ob er nicht selbst der Provinzielle ist, wenn Provinz nicht eine Region, sondern vielleicht eher ein Zustand und altes Denken meint. Mit Sabine Reiser dürfte es Sabine Seeliger in den kommenden Wochen da schon ein bisschen schwerer haben.

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