Grüner Horst Frank tritt 2012 bei Konstanzer OB-Wahl nicht mehr an

16 Jahre Oberbürgermeister in seiner Heimatstadt reichen dem Grünen

Konstanz. Der Konstanzer OB Horst Frank hat am Montagabend in Wollmatingen angekündigt, dass er nicht noch einmal für das Amt der Oberbürgermeisters kandidiert. Konstanz wählt 2012. Nach 16 Jahren sei es Zeit aufzuhören, sagte Horst Frank in der Berchenschule in Wollmatingen. Als er seinen Rückzug erklärte, wirkte er mit sich im Reinen und auch ein bisschen befreit.

OB mit weißem Schal

Der Konstanzer OB trat entspannt und aufgeräumt vor seine Bürger. Als er seinen Rückzug ankündigte, trug der OB einen weißen Schal. Der Schal war während seiner Amtszeit sein Erkennungszeichen geworden. „Ich habe mir die Entscheidung nicht leicht gemacht“, sagte Horst Frank. Vor 15 Jahren war er zum ersten grünen Oberbürgermeister Deutschlands gewählt worden. Franks Wahl war damals eine Sensation. Erst viel später folgten die grünen OB’s Dieter Salomon und Boris Palmer in den Universitätsstädten Freiburg und Tübingen.

Entscheidung für das Privatleben

Frank hatte erst noch ein bisschen gescherzt. Denn zum Bürgergespräch nach Wollmatingen gekommen waren am Montagabend mehr Medienvertreter als sonst. Er hätte auch zuerst über die Verkehrssituation in Wollmatingen sprechen können. Er tat es nicht. Gegen 18.10 Uhr hatte er sein Statement abgegeben. Mit seiner Familie habe er seine Entscheidung besprochen – der OB entschied sich nach 15 Jahren ohne viel Freizeit und Privatleben für seine Familie und dafür, mehr Zeit mit seiner Frau zu verbringen. Das war die Entscheidung gegen eine erneute Kandidatur bei der Oberbürgermeisterwahl 2012. Die vergangenen 15 Jahre hätten ihm Freude gemacht, sagte der 62-Jährige. Es habe Höhen und Tiefen gegeben. „Jetzt wird es Zeit“, sagte Frank und vielleicht sei das auch für die Stadt einmal gut.

Konstanz wählt grün

Gut für Konstanz ist, dass sich Horst Frank frühzeitig erklärte. Klar ist jetzt, dass der Amtsinhaber nicht wieder kandidiert und es einen neuen Oberbürgermeister oder eine Oberbürgermeisterin 2012 in Konstanz geben wird. Die Parteien haben jetzt noch ausreichend Zeit, geeignete Bewerber zu einer Kandidatur zu ermuntern. Vor allem auch die Grünen dürften jetzt nach einem aussichtsreichen Bewerber für das seit 15 Jahren grüne Konstanzer Rathaus suchen. Spätestens nach der Landtagswahl im März diesen Jahres, bei der der Grüne Siegfried Lehmann direkt gewählt worden ist, war klar, dass es in Konstanz eine strukturelle grüne Mehrheit gibt. Auch im Gemeinderat ist die Fraktion der Freien Grünen Liste stark mit zehn Sitzen vertreten. Sie stellt immerhin drei Räte mehr als zum Beispiel die SPD.

Oberbürgermeister nicht lustlos

Amtsmüde zeigte sich der Konstanzer OB nicht. Lustlos gewirkt hatte er nur  nach dem Bürgerentscheid im vergangenen Jahr, als die Konstanzer mit großer Mehrheit den Bau eines Konzert- und Kongresshauses abgelehnt hatten. Damals galt Frank als angeschlagen. Spätestens nach dem Wahlsieg von Grün-Rot in Stuttgart startete aber auch der Konstanzer OB noch einmal durch. Ein Problem hat Horst Frank allerdings noch nicht gelöst: Die Konstanzer Altstadt erstickt im Verkehr. Bang denken viele schon im Oktober wieder an die Adventssamstage. Die Emissionen in der Stadt haben bereits heute Grenzwerte überschritten.

Kandidaten-Karussell dreht sich

In den vergangenen Wochen sind immer wieder die Namen möglicher OB-Kandidaten genannt worden. Bisher gibt es aber nur Spekulationen. Manche glauben, der parteilose promovierte Historiker Tobias Engelsing, früher Leiter der Konstanzer Südkurier-Redaktion und heute erfolgreicher Leiter der Städtischen Museen, könnte antreten. Für viele wäre der Bildungsbürger und Lokalpatriot, der nebenbei schon einmal anmahnte, dass in Konstanz eine Ausstellungshalle fehle, eine gute Wahl. Andere spekulierten darüber, ob der Singener Ex-OB und Ex-Minister Andreas Renner für die CDU ins Rennen gehen könnte. Outen dürfte sich in den kommenden Monaten aber noch kein aussichtsreicher Kandidat – bis zum Juni 2012 wäre er sonst verbrannt.

Foto: wak

3 Kommentare to “Grüner Horst Frank tritt 2012 bei Konstanzer OB-Wahl nicht mehr an”

  1. JEDI
    18. Oktober 2011 at 07:24 #

    Eine gute Entscheidung für die Stadt und für das Privatleben. Nach 16 Jahren tut der Stadt ein frischer Wind von Oben sicher gut und ich bin gespannt, wen die Parteien ins Rennen schicken. Angesichts diverser ungelöster Probleme und strittiger Themen dürfte es ein interessanter Wahlkampf werden.

  2. alma
    18. Oktober 2011 at 16:32 #

    nach einem Woilmatinger als nachstes einer aus dem Paradies? Nein, danke. Engelsing, der noch nie auch nur die Nasenspitze aus Konstanz hinausgestreckt hat, der in dieser Stadt tief verfilzt ist und schon deshalb keine klare Linie hat? Er soll bleiben, wo er ist, da passt er hin und schadet niemandem. Was Konstanz jetzt braucht, ist frischer Wind, und der kommt nur von außen.

  3. dk
    18. Oktober 2011 at 20:42 #

    alma … Was Konstanz jetzt braucht, ist frischer Wind, und der kommt nur von außen….

    Eine merkwürdige Beurteilung der ansässigen Bevölkerung, gerade weil die Stadt zwei Hochschulen hat (davon mit Vorsilbe Elite). Einsicht oder Fehleinschätzung?

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