Günther Schäfer hakt wegen Verklappung von Deponieabwasser nach

Konstanzer Initiative „Nein-zu-Klein-Venedig“ fragt bei Baudezernat an

Konstanz (wak) Die Bürgerinitiative „Nein-zu-Klein-Venedig“ sorgt sich wegen einer möglichen Verschmutzung des Bodensees durch die undichte ehemalige Deponie Klein-Venedig. Es geht um Polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffen PAK, die krebserregend sein können. Deswegen hat Günther Schäfer, Sprecher der Initiative, einen Brief an den Konstanzer Baubürgermeister Kurt Werner geschrieben.

Deponiewasser durch PAK belastet

Das Deponiewasser werde zum Teil mit mehr als 50 Prozent Seewasser vermischt, bevor es in die Kläranlage geleitet wird und zurück in den See fließen kann, so Günther Schäfer, Sprecher der Bürgerinitiative. Das lasse auf einen PAK-Gehalt von mehr als 10 bis 20 Mikrogramm pro Liter im Deponiewasser schließen. Bei Niedrigwasser sickern nach Angaben der Bürgerinitiative täglich sogar mehr als 1,5 Kubikmeter ungeklärtes Deponiewasser direkt in den See. Die Bürgerinitiative beruft sich auf Gutachten. Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe PAK können Krebs erzeugen.

PAK können krebserregend sein

Die Wirkung von Polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffen PAK auf den Menschen hängt stark von der Zusammensetzung der PAK ab. Das Einatmen, die Aufnahme durch den Mund oder die Haut kann zu Gesundheitsschäden führen. PAK entfetten die Haut, führen zu Hautentzündungen, können Hornhautschädigungen hervorrufen, die Atemwege, Augen und den Verdauungstrakt reizen. Beim Zigarettenrauchen, beim Autofahren oder sogar beim Grillien, können polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe PAK entstehen. Aber auch bei der Erdölfraktionierung fallen PAK als unerwünschte Nebenprodukte an und gelangen schließlich in die Umwelt. PAK-Kontaminationen sind in Gummi sowie auch in verschiedenen Kunststoffarten nachgewiesen worden. Es gelten Grenz- und Richtwerte.

Bürgerinitiative fragt nach Gesundheitsgefahren

Die Bürgerinitiative fragt, ob angesichts der Deponie-Altlasten nicht eine Sanierung des Geländes, das als Festgelände und Hundefreilaufplatz genutzt wird, nötig wäre. Weiter sorgt sich die Initiative um die Gesundheit von Kindern, die auf der Freifläche, auf der sich nahe des Sealife auch der Spielplatz Sand, Steine, Wasser befindet, spielen. Aufgrund der Topografie fließt zusätzlich auch Deponieabwasser aus Kreuzlingen nach Konstanz. Über eine Notwendigkeit, das Gelände sanieren zu müssen, wurde in Konstanz bisher nicht gesprochen – auch nicht in Zusammenhang mit dem geplanten Bau eines Konzert- und Kongresshauses. Aufgrund unterschiedlicher Rechtslagen hätte es in Konstanz ausgereicht, die Fläche zu versiegeln, während in Kreuzlingen bei einer Überplanung das Abtragen der Altlasten nötig wäre. Darauf hatten zuletzt bei einer Versammlung der Initiative „Nein-zu-Klein-Venedig“ der frühere Konstanzer Baubürgermeister Volker Fouquet sowie sein früherer Amtskollege, der ehemalige Kreuzlinger Stadtrat Reiner Bodmer, hingewiesen.

Der Brief der Initiative „Nein-zu-Klein-Venedig“ an Bürgermeister Kurt Werner im Wortlaut:

„Sehr geehrter Herr Bürgermeister Werner,

nach dem erfolgreichen Bürgerentscheid, der die Bebauung der Fläche auf

Klein-Venedig verhinderte, befasst sich die Initiative „Nein zu Klein-Venedig“

mit der Entwicklung künftiger Nutzungsmöglichkeiten und dem Umgang mit

den auf Klein-Venedig vorhandenen Altlasten.

Nach einer intensiven Durcharbeitung der von der Stadt in Auftrag gegebenen

Gutachten zum Baugrund und zu den Altlasten, ergeben sich aus unserer

Sicht schwerwiegende Fragen bezüglich des Ausmaßes der Verschmutzung

mit Auswirkungen auf aktuelle und potentielle Nutzungen des Geländes auf

Klein-Venedig.

Bei unseren Anfragen stützen wir uns auf das Umweltinformationsgesetz und

das Informationsfreiheitsgesetz.

Ausmaß der Verschmutzung des Bodensees durch undichte

Deponie Klein-Venedig

Aus einem Schreiben von Herrn Kronenthaler entnehmen wir, dass das der

Kläranlage zugeleitete Deponieabwasser von Klein-Venedig mit 5 – 10

Mikrogramm/l PAK belastet ist.

Aus der hydrogeologischen Untersuchung (Altablagerungen Seite 7ff) geht

hervor, dass das der Kläranlage zugeleitete Deponiewasser zum Teil mit mehr

als 50 % Seewasser vermischt ist.

Das lässt auf einen PAK-Gehalt von mehr als 10 –20 Mikrogramm/l im

Deponiewasser schließen.

Dieses Deponiewasser sickert laut Gutachten an allen Tagen mit

Niedrigwasser in einer Menge von mehr als 1,5 m³ pro Tag in den Bodensee.

Das Gutachten zu Altablagerungen, Seite 9, hat festgestellt, dass ein

Austausch der Deponieabwässer von deutscher und Schweizer Seite besteht.

1.) Bitte leiten Sie uns die Daten über die Analyseergebnisse des

Deponiewassers der letzten 5 Jahre an den Kontroll- und

Pumpschächten auf Klein-Venedig zu.

2.) An wie vielen Tagen im Jahr hatten wir in den letzten 5 Jahren ein

entsprechendes Niedrigwasser bei dem das Deponiewasser in den See

sickerte? Welche Mengen an Deponiewasser mit welchen

Konzentrationen an PAK und Schwermetallen gelangte dadurch real in

das Bodenseewasser?

3.) Besteht eine Vereinbarung zwischen Kreuzlingen und Konstanz zum

koordinierten Umgang mit dem kontaminierten Deponieabwasser bzw.

wurde nach Vorlage des Gutachtens ein koordinierter Umgang initiiert?

Mögliche Nutzungseinschränkungen des Geländes Klein-Venedig

unter den gegebenen Verschmutzungsbedingungen

Auf Seite 16 des Gutachtens zu Altablagerungen wird deutlich, dass die PAK

Gehalte auf dem Gelände mit Höchstwerten von 173,36 mg/kg TS und

Durchschnittswerten von 9,14 mg/kg, die Vergleichswerte für „empfindliche

Nutzungen von 5 mg/kg Trockensubstanz“ um das 2- bis 34fache übersteigen.

Laut Verwaltungsdefinition gelten als Orte mit empfindlicher Nutzung:

a. Räume in Gebäuden, in denen sich Personen regelmäßig während längerer

Zeit aufhalten;

b. öffentliche oder private, raumplanungsrechtlich festgesetzte

Kinderspielplätze;

c. diejenigen Flächen von unüberbauten Grundstücken, auf denen Nutzungen

nach den Buchstaben a und b zugelassen sind.

Des weiteren entnehmen wir dem Altablagerungsgutachten die Aussage, dass

„kleinräumig noch ein Potential für eine Gefährdung durch Deponiegase

gegeben“ ist. (S. 21) Ebenfalls nach Aussage des Gutachtens kann dieses

Deponiegas (S.12) toxisches bzw. krebserregendes Potential besitzen. (Im

Vorfeld des Bürgerentscheids wurden wir davon in Kenntnis gesetzt, dass

Hundehalter, die mit ihren Tieren Klein-Venedig aufsuchten bei diesen

wiederholt Augenentzündungen feststellten.)

1.) Wir hätten von Ihnen hierzu gerne die Auskunft, ob auf dem Hintergrund

dieser Altlastenanalyse die Bebauung mit KKH, Hotel und Parkhaus

überhaupt zulässig gewesen wäre, und inwieweit die Nutzung des

Geländes mit Kinderspielplatz und Sea Life (regelmäßige Anwesenheit

des Personals) zulässig ist.

2.) Wir bitten Sie auch um eine Stellungnahme, warum Sie nach diesen

Gutachten keine Einwände gegen die aktuelle wie auch die einst

geplante Nutzung erhoben haben und warum Sie trotz vorliegenden

Gutachten keine Sanierung oder Nutzungsbeschränkungen für Klein-

Venedig einleiten?“

Ein Kommentar to “Günther Schäfer hakt wegen Verklappung von Deponieabwasser nach”

  1. Fenedig
    8. Juni 2010 at 10:08 #

    Herrn Schäfers Anti-KKH Gruppe mutiert im Nachhinein lesbar zur einer Art privater, grüner „Bürgerwehr“. Es wimmelt nur so von: „sorgt sich“, „könnte“, „kann“, „nötig wäre“, usw. Wenn die „Sorgen“ plötzlich so bedeutend sind, ist zu fragen, warum das örtliche Kümmern, dem grundsätzlich nichts entgegen steht, nicht bereits vor vielen Jahren massiv eingesetzt hat. Nach „einschlägiger chemischer Analyse“ müssten sich eigentlich alle Oktoberfestler, Hunde und Hündeler, Zirküssler, GEWA-ler, Spielkinder, deren Eltern, Grosseltern usw. schleunigst einem medizinischen Test unterziehen. Oder wird da etwas aufgeplustert, was zu einem ordnungsgemässen, täglich normalen Vorgang gehört? – Bodenbegutachtung und Baugrundsanierung nach aktueller Gesetzeslage, wenn auf relevanten Böden „etwas im Entstehen begriffen ist“. Vorerst entsteht nach „Volkswillen“ auf Klein-Venedig bekanntlich gar nichts! Die vorgesehene – immerhin! – Teilsanierung nach Bebauungsplan fand explizit keine Gnade. Das Gnadenlose betraf allerdings mehr kulturelle Belange……..

Schreibe einen Kommentar

Hinterlassen Sie hier Ihren Kommentar. Bleiben Sie bitte nett. Ihre E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.