Guten Morgen Bodensee!

Von Waltraud Kässer

Heute starten wir leider in einen bewölkten Tag. Vielleicht möchten Sie das lieber aber gar nicht lesen. Wir hätten ja alternativ erzählen können, dass wir uns gestern im Eiscafé auf der Konstanzer Marktstätte in der Sonne sitzenden noch einen Eiskaffee gegönnt und ein bisschen geplaudert haben. Das ist richtig nett und noch einmal ein bisschen Müßiggang am Ende des Sommers gewesen. Apropos: Grundsätzlich wäre es natürlich möglich, Sie an dieser Stelle ausschließlich mit solch guten Nachrichten zu versorgen.

Beim Blogcamp in Zürich haben wir erfahren, dass es Portale gibt, die genau das tun. Sie verbreiten nur gute Nachrichten. Uns fällt es angesichts der Nachrichtenlage allerdings schwer, genau das zu tun. So sehen wir uns heute gezwungen, zum Beispiel darauf hinzuweisen, dass die Lkw-Maut wohl noch nicht einmal wie geplant zum 1. Januar 2011 zumindest auf vierspurige Bundesstraßen eingeführt werden dürfte. Die Befürworter der Lkw-Maut auch auf Bundesstraßen müssten sich von ihren Plänen verabschieden, berichteten Medien gestern. Offenbar seien die rechtlichen, technischen und organisatorischen Voraussetzungen noch gänzlich ungeklärt. Was das für die sowieso nur zweispurige Bundesstraße 31 im Bodenseekreis bedeutet, können wir uns an fünf Fingern abzählen. Erst in der vergangenen Woche hatte die Überlinger Oberbürgermeisterin Sabine Becker wegen der Mautumfahrer wohl vergeblich eine Maut auf der B 31 gefordert und damit bei Winfried Hermann (Bündnis 90/Die Grünen), dem Vorsitzenden des Ausschusses für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung im Deutschen Bundestag, offene Türen eingerannt.

Wir selbst ziehen zumindest im Konstanzer Stadtverkehr das Fahrrad vor. Im Moment müssen wir uns allerdings mit unserem Zweitfahrrad begnügen. Das andere ist in der Fahrrad-Werkstatt. Sagen wir es einmal so: Die Vorderbremse schliff, die Gummis mit denen die Schutzbleche festgezurrt sein sollten, waren ausgeleiert, weshalb die Bleche am Reifen streiften, und die Klingel funktionierte auch nicht mehr. Der Spaßfaktor beim Radfahren ging schon seit mehreren Wochen gegen null. Als wir nachts von neuen schwarzen Steckblechen träumten, war der Zeitpunkt zu handeln, gekommen. Wer sein Rad allerdings in einem Fahrrad-Lagerverkauf erstanden hat, ist vor allem im Sommer bei der Reparaturannahme auf ein bisschen Goodwill des Fahrradfachhandels angewiesen. Es kann schon passieren, dass die Aushilfe beim Fachhändler mit angeschlossener Fahrradwerkstatt erst einmal kurz rückfragt, ob sie das Rad überhaupt annehmen kann: „Das Fahrrad ist nicht von uns. Es sieht aber auch nicht ganz heruntergekommen aus“, rief der Jobber in Richtung Werkstatt. Es reichte. Wir durften es dann da lassen.

Da wir nun ganz grundsätzlich beim Thema Verkehr angekommen sind, möchten wir noch darauf hinweisen, dass Gegner des Bahnprojekts Stuttgart 21 auch online den so genannten Stuttgarter Appell unterzeichnen können.  Es ist ja so: Auch wer nicht direkt in Stuttgart, sondern zum Beispiel in der Bodensee Region lebt, dürfte leicht ein paar Gründe finden, um gegen Stuttgart 21 zu sein. Winfried Hermann (Bündnis 90/Die Grünen) sagte erst vor wenigen Tagen bei einem Besuch am Bodensee, dass er zwei Bahnprojekte in der Region für dringend nötig halte. Er meinte die Elektrifizierung der Südbahn im Bodenseekreis und den zweigleisigen Ausbau der Gäubahn im Kreis Konstanz. Für beide Projekte kämpfen auch die lokalen Abgeordneten. Die Kosten lägen laut Hermann bei 120 und 140 Millionen Euro. „Eine lächerliche Summe im Vergleich zu Stuttgart 21“, so der Politiker. Das Bahnprojekt Stuttgart 21 habe bereits jetzt 300 Millionen Euro verschlungen.

Wer nicht mit dem Zug fährt und weder einen Kopfbahnhof noch einen unterirdischen braucht, könnte übrigens trotzdem unterschreiben. So wie es aussieht, geht es bei dem Protest nämlich nicht etwa nur um Stuttgart 21, sondern um ein grundsätzliches Unbehagen. Die unzufriedene Gesellschaft steht auf und protestiert. Der Unmut manifestiert sich in diesen Wochen in Stuttgart. Wäre zum Beispiel der Sommer nicht so bescheiden gewesen, hätten sich vielleicht ein paar Zehntausend Demonstranten in den vergangenen Wochen lieber ins Freibad gelegt anstatt zu demonstrieren…

Kommen Sie gut durch den Dienstag!

Ein Kommentar to “Guten Morgen Bodensee!”

  1. dk
    7. September 2010 at 15:05 #

    @ Die unzufriedene Gesellschaft steht auf und protestiert. …

    … woraus Ungebildete schliessen würden, dass „wer nicht protestiert, zufrieden ist“.
    Der Umkehrschluss dürfte nur am Bodensee stimmen und müsste eigentlich statistisch mit anderer Fragestellung neu nachgewiesen werden. Beim Studium bitte auf das Nebenfach Statistik achten.

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