Guten Morgen Bodensee!

Von Waltraud Kässer

Heute morgen sind wir noch ein bisschen unausgeschlafen, was möglicherweise zwei Ursachen haben könnte. Gestern Abend waren wir noch auf ein Bier, exakt zwei Biere, außer Haus und anschließend mussten wir auch noch die neue Glotze, den LCD Digital Colour TV, ausprobieren. Trotzdem möchten wir Sie aber nicht ganz ohne ein paar Bemerkungen zu wichtigeren Themen wie Litera-Tour und den Hype um kleine Regionalbrauereien in den Dienstag entlassen.

Zuerst aber zum neuen Flachbildfernseher, den wir übrigens nicht online, sondern im Media Markt gekauft haben. Der Kauf war zwingend erforderlich, da das alte Gerät sich, sofern es an der Steckdose hing, seit einigen Tagen selbständig auf Stand-by-Modus, sogar ganz ein- und ausschaltete. Schon das war uns nicht ganz geheuer. Am vergangenen Wochenende veränderte sich dann die Farbe des Bildschirms plötzlich in grelles Weiß, das Gerät verströmte gleichzeitig den Geruch von verbranntem Plastik und die Sicherung flog raus. Wir haben uns darauf hin zu einem schnellen Abschied entschlossen und das Gerät auf dem Wertstoffhof entsorgt.

Noch nicht geklärt wäre damit allerdings die Frage, ob es sinnvoll war das alte Gerät ruckzuck zu ersetzen. Beim Bier gestern Abend sagte eine Freundin, dass sie gern abends im Bett lese. Es sei in dieser temporeichen Zeit praktisch der einzige Ort, an dem das noch klappe. Wir haben in der Kneipe, die schon Decken an die Gäste verteilte, draußen gesessen und ein kleines bisschen über das atemberaubend hohe Tempo moderner Zeiten gejammert und uns gefragt, ob es wohl, wenn unsere Generation so zu sagen den Füllfederhalter abgegeben hat, noch Lesezirkel geben wird. Alle, die zwar wissen, was ein Touchscreen-Handy ist und sich ausschließlich elektronische Notizen machen, könnten den Begriff Füllfederhalter notfalls ja googeln.

Apropos Bücherlesen und Verlangsamung. Wunderbar wäre in diesem Zusammenhang die Vorstellung, einen Nachmittag lang ungestört und offline über den See zu schippern und dabei Autoren bei ihren Lesungen zuzuhören. Vollkommen unwirklich ist die Vorstellung nicht. Am Samstag, 25. September, könnte so ein Büchernachmittag sein. Dann startet die „Graf Zeppelin“ zu einer mehrstündigen Leseschiffsreise. An Bord sind Eveline Hasler, Arnold Stadler, Robert Menasse und Björn Kern.

Unser Hauptthema aber sollen heute Morgen regionale Brauereien sein. So wie es aussieht sind regionale Biere nämlich wieder Kult. Sagen wir es so: Im Schwäbischen gibt es neuerdings kein Fest mehr, bei dem nicht Wulle Bier im Kühlschrank läge. Sogar beim Stuttgarter Barcamp war es zu haben. Dabei hatte es die Brauerei in früheren Zeiten gar nicht leicht,  in Württemberg musste sich Bier erst einmal gegen Württemberger Wein und Most behaupten. Den Werbespruch „Wir wollen Wulle!“kannte früher im Schwäbischen trotzdem noch jedes Schulkind, das im Deutschunterricht lernte, was ein Stabreim ist. 1971 schien dann das Ende der Brauerei Wulle besiegelt. Von diesem Tag firmierte Wulle unter dem Dach der Brauerei Dinkelacker. Der Schriftzug Wulle verschwand. Doch 2008 hat die Brauerei Dinkelacker-Schwaben-Bräu die Marke Wulle plötzlich wieder eingeführt. Momentan ist sie Kult.

Dasselbe gilt fürs badische Tannenzäpfle. Auch das Bier der Badischen Staatsbrauerei Rothaus AG, der Brauerei mit Sitz in Rothaus im Hochschwarzwald unweit des Schluchsees, ist äußerst beliebt. Seit ihrer Gründung 1922 befand sich die Brauerei im Besitz des badischen Staates. Heute gehört sie dem Land Baden-Württemberg. Im Trend liegt das Rothaus Bier schon seit den 1990-er Jahren, als der Hype begann. Noch immer verwenden die Bierbrauer dasselbe ein bisschen altertümlich wirkende Etikett: Auf allen Flaschen sind sieben Tannenzapfen und ein Schwarzwaldmädel in traditioneller Schwarzwälder Tracht abgebildet. Rothaustrinker haben ihr übrigens den Namen „Birgit Kraft“ gegeben. Der Name ist, was wir nachgelesen haben, aus dem Alemannischen abgeleitet „Bier giet Kraft“ oder auf Deutsch „Bier gibt Kraft“.

Auch die Menschen am Bodensee ziehen übrigens Getränke aus der Region vor. Wie sonst könnte eine Brauerei wie Ruppaner gegenüber Großbrauereien bestehen? Die Ravensburger bevorzugen Meckatzer oder Leibinger vom Bierbuckel. Womit sich der Kreis fast schließt und wir so gut wie wieder beim Most angekommen wären. Spontan fällt uns dazu noch die Stahringer Streuobstmosterei ein. Die Mosterei presst Streuobst vom Bodensee aus und füllt Saft, Most und das Modegetränk Brisanti in Flaschen ab, was beim Durststillen heimatliche Gefühle auslöst.

Kommen Sie gut durch den Dienstag!

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