Guten Morgen Bodensee!

Von Waltraud Kässer

Heute erwartet uns wettermäßig ein sonniger Tag mit Temperaturen bis 23 Grad. Gestern haben wir uns noch einmal ein Eis in der Tüte gegönnt und einem aus dem Konstanzer Hafen auslaufenden Schiff nachgeschaut. Heute Morgen sehen wir uns trotz unserer lässigen Stimmung gezwungen, mit einem Fehdehandschuh zu werfen, übers Bloggen von Wirtschaftsthemen zu plaudern und, wenn wir einen Wunsch frei hätten, würden wir auch gern noch mit einem Mitglied der Piratenpartei über gebührenfinanzierten Content im Netz diskutieren.

Fangen wir mit dem Fehdehandschuh an. Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) möchte, so haben wir es vernommen, offenbar den „Fehdehandschuh“ aufnehmen, den ihm angeblich Stuttgart 21 Gegner hingeworfen haben. Der Konstanzer Bundestagsabgeordnete und SPD-Generalsekretär Peter Friedrich, das Sensibelchen, fühlte sich prompt an „mittelalterliche Schlachtengemälde“ erinnert. Friedrich sagte sinngemäß, Mappus sollte wertschätzen, wenn sich so viele Menschen – auf der Straße ist in Stuttgart längst das Bürgertum – Sorgen um das Gemeinwesen machten, anstatt die Baden-Württemberger zu beschimpfen. Wir finden, das kann ja noch lustig werden. Immerhin sind es von heute an noch 185 Tage bis zur Landtagswahl.

Ansonsten sind wir ein bisschen verwirrt. Gestern haben wir eine Pressemitteilung des Konzerns ZF erhalten und darüber berichtet, dass der Konzernumsatz von Januar bis August 2010 gegenüber dem Vorjahr um über 40 Prozent gestiegen ist. Auch wer Wirtschaftsnachrichten in Zeitungen liest, hat den Eindruck, dass die Wirtschaft aus dem Gröbsten raus sein müsste. Bei Bloggern hingegen liest sich vieles anders: Gestern haben wir zum Beispiel einen Blogbeitrag von Frank Meyer, dem Börsenkommentator auf N-TV, gelesen. Der Blogger titelte: „Hurra! Die Rezession in den USA ist offiziell für beendet erklärt worden.“Hätte eigentlich bestens zur ZF Pressemitteilung gepasst. Weniger erfreulich war, was folgte. Frank Meyer schreibt mit Blick auf die US-Wirtschaft: „Das Einzige, was wirklich steigt, sind die Unternehmensgewinne, die im zweiten Quartal netto mit 1,4 Billionen US-Dollar ausgewiesen wurden, nachdem man Produktion ins Ausland verlagerte, Leute nach Hause schickte und die Kosten gesenkt hatte.“ Aha sagen wir. Frank Meyer fährt fort: „Einen echten Aufschwung gibt es beispielsweise bei den Beziehern von Lebensmittelmarken.“ Wer mehr lesen möchte, müsste auf Frank Meyers Blog klicken.

Jetzt aber zu einer Pressemitteilung der Piratenpartei, die wir zufällig in die Finger bekommen haben, weil wir wieder einmal arglos einen Link bei Twitter anklickten. Auf Druck der Verlegerverbände sei den öffentlich-rechtlichen Medien in Deutschland die Löschung von hunderttausenden Beiträgen im Internet aufgezwungen worden, jammern die Piraten. So sei beispielsweise tagesschau.de gezwungen gewesen, 270.000 Beiträge aus dem Netz zu entfernen, zu „depublizieren“, heißt es in der Mitteilung.

Und jetzt ein Piraten O-Ton: „Es ist ein Skandal“, erklärte Arne Ludwig, der stellvertretende Landesvorsitzende der Piratenpartei Niedersachsen, „dass die verantwortlichen Politiker den Bürger hier schutzlos den Klientelinteressen der Verleger ausliefern, anstatt den Übergang der öffentlich-rechtlichen Medien in das Informationszeitalter auf eine solide Grundlage zu stellen. Es sollen Inhalte erzeugt und dauerhaft verfügbar gemacht und nicht auf Kosten des Gebührenzahlers gelöscht werden.“ Das Depubliziergebot beschneide die Möglichkeiten, sich aus öffentlich zugänglichen Quellen frei zu informieren.

Ja, es ist ein Skandal, finden auch wir und räumen ein, dass auch wir uns gern ein Video in der Mediathek anschauen. Skandalös finden wir es aber, dass öffentlich-rechtlichen Medien, die Journalismus bequem über Gebühren finanzieren, kostenlosen Content ins Netz stellen können, während andere Medien wie see-online schauen müssen wie sie ihre journalistische Arbeit bezahlt bekommen. Es ist so: Wenn sich nicht bald etwas dreht, wird es eines Tages neben dem gebührenfinanzierten keinen Journalismus mehr im Netz geben. Wollen die Piraten etwa, dass der Journalismus stirbt? Sollen nur ARD und ZDF übrig bleiben? Am liebsten würden wir dieses Thema selbstverständlich sofort mit unserer persönlichen Lieblingspiratin diskutieren. Muss aber wirklich nicht sofort sein.

Das Allerletzte für heute Morgen: Studenten aufgepasst! Das Bürgeramt der Stadt Konstanz versteigert am Dienstag, 5. Oktober, im Hof des Verwaltungsgebäudes an der Laube etwa 30 Fundfahrräder. Los geht’s um 14 Uhr. Vorbesichtigung ist ab 13.30 Uhr möglich.

Kommen Sie gut durch den Mittwoch!

14 Kommentare to “Guten Morgen Bodensee!”

  1. @Wirtschaft
    22. September 2010 at 10:20 #

    USA-Wirtschaft

    Gestern wurde ein Nachbar sein fehlendes Auto angesprochen: nach dauerhaften teuren Motor-Problemen wurde es verkauft. Er hat einen dt. Kleinstwagen bestellt: Lieferfrist frühestens Januar 2011. Gerüchteweise soll es Staaten geben, bei denen Autos innerhalb 1 Woche lieferbar sind. Der Nachbar hat als häufiger USA-Besucher diesen Sachverhalt bestätigt.

    In EU-Medien wurde Deutschland nicht nur als „Export-Vizeweltmeister“ (seit kurzem nach China) gesehen, sondern auch die „Bescheidenheit“ der Arbeitnehmer betont, was die Politik als Wettbewerbsfähigkeit positiv hervorhebt, aber Verdruss und Handelsbilanz-Probleme bei den EU-Nachbarn verursacht.

    Eine ökologische Renaissance des Fahrrades dank „liberaler Wirtschaftspolitik“ kündigt sich langfristig an. Selbstbetrachtende Meinungen findet man eher bei ausländischen Beobachtern.

  2. Andreas Neugebauer
    22. September 2010 at 10:34 #

    Nein, wir treten nicht dafür ein, das der Journalismus nur noch gebührenfinanziert stattfinden kann. Natürlich soll jeder mit seiner Hände Arbeit auch seine Brötchen verdienen können. Aber, das was hier von den Verlegern gefordert wird ist keine Lösung für das Problem. So sollen ja z.B. Zitate schon ab drei Wörtern nicht mehr zulässig sein. Die Lösung kann doch nur darin liegen, Content zu erzeugen, für den der Benutzer bereit ist Geld zu bezahlen. Wenn jedoch die meisten Medien sowieso nur noch dpa oder ddp-Meldungen bringen, wo ist da der Nutzen? Warum sollte jemand dafür zahlen? Das aber gebührenfinanzierter Content, der ja qua Definition der Allgemeinheit gehört, da sie ja auch dafür bezahlt, das der nicht allen zur Verfügung steht, das ist nicht richtig.

  3. hinterwäldler
    22. September 2010 at 10:52 #

    Sehr geehrte Frau Kässer

    Ich bin kein Pirat und habe diesen Blog per RSS abonniert.

    Irgend etwas haben sie nicht verstanden. Sie und see-online werden über Einnahmen aus „Webdesign & Informatikdienstleistungen“ bezahlt. Darum versteh ich ihre Lanze für den Qualitätsjournalismus von Springer, Burda, Bertelsmann, RTL und Sat1/Pro7 nicht im mindesten. Das Problem ist für uns Informations-Konsumenten ein anderes. Nehmen wir an, sie kaufen sich am Konstanzer Bahnhofskiosk eine Zeitschrift und bezahlen sie so wie es das Gesetz von ihnen erwartet. Zuhause lesen sie diese. Einige Jahre später recherchieren sie als freie Journalistin zu einem Thema und erinnern sich, darüber mal in eben der bewussten Zeitschrift etwas gelesen zu haben. Sie greifen ins Regal, schlagen sie auf, alles ist geschwärzt und statt dessen lesen sie, das sie diese Zeitschrift bzw. den Artikel irgendwo im Netz erneut kaufen müssen. Ich möchte Ihr Gesicht sehen.

    Anders herum gesagt:
    Alles was man in ARD&ZDF sendet wurde über die GEZ bezahlt und ist damit öffentliches Eigentum. Auch das Ihre! Wenn sie nun zur nächsten Landtagswahl recherchieren wollen, was in den vergangenen 12 Jahren der eine oder andere Politiker aus der Region von sich gegeben hat und in welche Skandale er verwickelt war, so müssen sie auf depub.org zurückgreifen, denn die Öffentlich-Rechtlichen bieten diese Informationen nur noch gegen Bezahlung. Sie wollen ihr Geld bzw. das Geld aus den eng bemessenen Einnahme ihres Unternehmen. Eine Spirale ohne Ende! Bedenken sie diese Sachlage bis zum bitteren Ende!

    Möglicherweise haben sie auch alles Wesentliche in den vergangenen Jahren mittels Recorder mitgeschnitten und ist in ihrem Büro archiviert. Das ist ja gem. geltenden Urheberrecht auch nicht ganz legal, obwohl es genügend technische Konsumgüter gibt, die dieses Feature integriert haben. Was schreiben sie dann Ihren Lesern von See-Online für eine Quellenangabe? Müssen diese jetzt gleichfalls das Archiv von ARD&ZDF konsultieren und bezahlen, um sich von der Richtigkeit ihres Artikels zu überzeugen oder sollen sie ihnen blindlinks alles abkaufen? Das ist der Qualitätsjournalismus, den Friede Springer und Kai Dickmann uns aufdrängen möchten!

    http://www.heise.de/newsticker/meldung/NDR-Rundfunkrat-nennt-depub-org-Beispiel-fuer-kreative-Anarchie-im-Internet-1081505.html
    http://www.ndr.de/unternehmen/presse/pressemitteilungen/pressemeldungndr6729.html
    http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/zapp/internet/depublizieren101.html

    Wenn sich Friede Springer und Kai Diekmann um den Bestand ihres Konzerns sorgen, weil dessen Auflagen ständig zurückgehen und einige Kioskbesitzer sich jetzt sogar schon weigern dieses Machwerk für Analphabeten zu verkaufen, dann sollten beide über die Qualität ihrer Wurschtblätter nachdenken.

    http://www.taz.de/1/nord/hamburg/artikel/1/jetzt-ist-schluss/

  4. wak
    22. September 2010 at 11:29 #

    Hallo Hinterwäldler, sie verwechseln da etwas. Wir sind eine GBR und haben unsere Software bei einem Informatikdienstleister eingekauft. Wir sind Kunde und bezahlen. Wir versuchen unser Projekt see-online über Werbeeinnahmen zu finanzieren. Das ist allerdings schwer, da viele Entscheider in Unternehmen (noch) nicht Web affin sind. Den Content stellen wir kostenlos zur Verfügung. Wer mag kann uns allerdings eine freiwillige Spende über Flattr zu kommen lassen.

  5. @ Payment-Content
    22. September 2010 at 12:15 #

    In den USA soll inzwischen auch „teilweise Payment-Content“ bei Zeitungen angeboten werden: nach einer Einleitung wird man per Link auf ein Login weitergeleitet, was eine Zahlung voraussetzt. Vorstellbar wären eine Abo-Periode oder eine Benutzer-Karte für eine bestimmte Artikel-Zahl.
    Die WP-Plugins (wählbarer Artikel-Schutz + Bezahldienste) können bereits vorhanden sein oder wären noch zu programmieren.

  6. Hardrocker
    22. September 2010 at 12:48 #

    He Du Hinterwäldler – Du trägst Deinen Namen zu recht! Wer lesen kann, ist eindeutig im Vorteil. Schau mal ins Impressum – dort steht wer für was bezahlt wird. Hast Du was verstanden? Bleib in Deiner Höhle Alter!!!

  7. hinterwäldler
    22. September 2010 at 13:21 #

    Ich bestreite nicht was sie schreiben. Bedenken sie aber die Kostenexplosion, welche durch das Bezahlen von Informationen entstehen wird, nur weil sie genauer wissen wollen, was vor ein paar Jahren mal im TV gemeldet wurde. Es bliebe dann nur noch die Möglichkeit nicht mehr gründlich zu recherchieren, von Anderen abzuschreiben und sich auf die Richtigkeit deren Mitteilungen zu verlassen. Tritt das ein, werde ich Rentner entweder mein RSS-Abo bezahlen oder kündigen müssen. Wenn andere Leser sich ebenfalls so verhalten, wem wollen sie dann eigentlich noch ihre Kolumne schreiben?

    Untereinander abschreibende Volontäre gibt es zur Genüge. Dies ist auch der Grund meines Abos bei see-Online. Einige Presseerzeugnisse könnten schon allein aus diesem Grund glattweg eingespart werden. Bitte informieren sie sich kostenfrei bei http://www.wikio.de/top-news Man scheut nicht einmal davor zurück die Überschriften der Artikel unverändert zu übernehmen. Schon das macht der Bezahljournaile von http://www.bildblog.de/familie.php zu viel Arbeit.

    Anderseits nochmal zu Friede S., Kai D.&Co: Ich bitte sie sich zu erinnern, welchen Schaden dieses Wurschblatt (denn mehr ist es nicht) in den Köpfen mehrerer Kommunal- und Landespolitiker in Bezug auf das Päpstlein angerichtet hat und welcher finanzielle Schaden dadurch der Stadt Konstanz entstand. Das ist das Ergebnis der Argumentation des Qualitätsjournalismus. Von den aktuellen Meldungen in Bezug auf S21 will ich gar erst nicht schreiben.

    Welcher Müll allein an einem Tag veröffentlicht wird, können sie hier nachlesen: http://www.bildblog.de/22832/foto-wikipedia/ Über den Hintergrund CC3 solltet ihr übrigens auch mal nachdenken. Immerhin hätten dann Leser und bezugnehmende Blogger eine wesentlich höhere Rechtssicherheit.

  8. wak
    22. September 2010 at 13:35 #

    Die Kolumne schreibt die Redaktion – nicht die Kommentatoren. Aber egal, gerade bei regionalen Nachrichten gibt es Exklusivität. Sie sind nicht inflationär vorhanden und können nicht so einfach kopiert werden. Sie sind deswegen – wie Branchennachrichten – wertvoll.

  9. Ute
    22. September 2010 at 14:29 #

    wak schrieb:
    Ja, es ist ein Skandal, finden auch wir und räumen ein, dass auch wir uns gern ein Video in der Mediathek anschauen.
    Nun, genau darum geht es doch, das Video wurde von Gebühren bezahlt, warum darf es dann nicht auch öffentlich zugänglich bleiben?

    Skandalös finden wir es aber, dass öffentlich-
    rechtlichen Medien, die Journalismus bequem über Gebühren finanzieren, kostenlosen Content ins Netz stellen können, während andere Medien wie see-online
    schauen müssen wie sie ihre journalistische Arbeit bezahlt bekommen.

    Das ist kein kostenloser Content, sondern von den Gebühren aller bezahlter Inhalt, der deshalb auch allen unbegrenzt zur Verfügung stehen sollte, siehe auch:
    PM Piraten zur GEZ


    Es ist so: Wenn sich nicht bald etwas dreht, wird es eines Tages neben dem
    gebührenfinanzierten keinen Journalismus mehr im Netz geben. Wollen die Piraten etwa, dass der Journalismus stirbt?

    Nein, die Piraten wollen ganz sicher nicht, dass der Journalismus stirbt, aber sie wollen, dass von Bürgern bezahlte Inhalte jederzeit zugänglich sind.

    Die Piratenpartei fordert eine grundlegende Reform des momentan angewendeten Gebührenmodells. Dafür gibt es verschiedene Ideen, keine davon möchte den Journalismus abschaffen.

    Doch es geht auch darum, dass es Möglichkeiten gibt sich zu informieren von den Gebühren, die bereits bezahlt wurden. Es kann nicht sein, dass Information vom jeweiligen Inhalt des Geldbeutels abhängt.
    Sollen nur ARD und ZDF übrig bleiben?
    Nein, natürlich nicht. Aber private Sender finanzieren sich ja auch mit anderen Modellen, die einen mit Werbung, die anderen als Produkt, wie z.B. sky. Auch die Tageszeitung wurde nie kostenlos abgegeben, sondern musste bezahlt werden. Warum soll das auf Dauer bei Onlinezeitungen anders laufen?

    Ute Hauth (Direktkandidatin der Piratenpartei zur Landtagswahl Baden-Württemberg für den Wahlkreis Konstanz)

  10. wak
    22. September 2010 at 15:33 #

    Das Problem ist doch, wenn – um ein konkretes Beispiel zu machen – der SWR und see-online jeweils auf ihren Websites über ein Ereignis berichten, wird die Arbeit des öffentlich-rechtlichen Journalisten über Gebühren finanziert. Die Arbeit von see-online wird nicht finanziert – genauso wenig wie die Onlineangebote aller anderen Zeitungen und Blogs. Das ist kein fairer Wettbewerb. ich sehe bisher noch nicht, dass für Inhalte, die online verbreitet werden, bezahlt wird. Um ein schönes Beispiel, es stand, glaube ich im Journalisten, zu machen: Die Verlage versuchen Cola in Flaschen, also Printprodukte, zu verkaufen, während sie Cola in Dosen (Onlineberichte) verschenken. Das ist schon schlimm genug. Und jetzt kommen auch noch die Öffentlich-Rechtlichen, die Cola gleich kistenweise verschenken können, weil sei ja ihr Geld von uns allen über Gebühren bekommen.

  11. Klaus Störtebeker
    22. September 2010 at 17:23 #

    Die Inhalte der öffentlich-rechtlichen Medienanstalten sind erstens nicht kostenlos und zweitens ist die Gefahr bei Journalistinnen wie see-online groß, dass sie angesichts der finanziellen Abhängigkeiten Rücksichtnahmen üben. Gerade darin liegt ist der Sinn des gebührenfinanzierten ö-r Journalismus. Andererseits sollen Sie auch die Möglichkeit haben, sich um eine Anstellung bei den ö-r Anstalten zu bemühen. Für mich als freiberuflichen Autor bleiben immer noch ausreichende Nieschen, die nicht durch die _Grund_versorgung abgedeckt werden. Ich gebe Ihnen allerdings recht, dass es fragwürdig ist, Dinge wie Nachmittagsseifenopern oder teure Krimiproduktionen mit Gebühren zu subventionieren. Gerade die Inhalte, die auf Druck der Medienlobby durch den Staatsvertrag zu löschen sind, gehören allerdings nicht zu den für mich überflüssigen Beiträgen.

  12. SchoorleTrinker
    22. September 2010 at 20:38 #

    @ Cola gleich kistenweise verschenken

    Man sollte über die Qualitäts-Getränke-Wirtschaft schreiben: von der Herstellung über Handel bis zum Genuss (Hotel, Gastronomie, u.ä.), womit die Marketing-Zielgruppe für Werbe-Interessenten vorbestimmt wäre.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Diversifikation_%28Wirtschaft%29

  13. hinterwäldler
    23. September 2010 at 11:08 #

    Sehr geehrte Frau Kässer

    Das Problem ist nicht die Erörterung der Frage, aus welchem Topf Journalismus bezahlt wird. Im Fall von see-online ist es der Inserent/Auftraggeber und die Herausgabe ist als kostenlose Dienstleistung bzw. Eigenwerbung des Unternehmens (einer GbR) zu verstehen. Ich nehme diese Leistung gerne an, weil mir Alltags-Informationen aus der Region vermittelt werden.

    Print-Journalismus wird im Gegensatz dazu weitestgehend vom Zeitungsleser bezahlt. Decken die Einnahmen aus dem Verkauf nicht mehr die Aufwendungen zur Herstellung einer Zeitung, hat der Leser das so entschieden. Gründe dürfen analysiert werden.

    Worüber ich mich allerdings wundere ist viel mehr ihre Reaktion auf einen unerwarteten Gegenwind aus dem Leserkreis zu einem bestimmten und uns alle angehenden Thema. Und dann schreiben sie noch etwas, was flüssiger als Bodenseewasser ist: [zitat] Die Kolumne schreibt die Redaktion – nicht die Kommentatoren. [/zitat] Aber Hallo! Ich habe auch http://www.see-online.info/wir-uber-uns/ gelesen und gestehe sehr widersprüchliches zu ihrer Kolumne gelesen zu haben. Was wollen sie eigentlich?

    Nochmal, ich bin kein Pirat sondern ein stinknormaler Leser ihrer Online-Publikation. Darum ist es vermutlich auch etwas vermessen, wenn ich zu Paid-Content-Modellen im Netz schreibe. Es gibt Online-Redaktionen unterschiedlicher Verlage, darunter auch Bild-Online, die haben es versucht und sind wieder davon abgegangen, weil diese Art Onlinejournalismus kein wirklicher Mensch akzeptierte. Robots fanden zudem nur Fragmente des Beitrages. Die daraus entstandenen Einnahmen waren geringer als die Aufwendungen, welche zur Verwaltung der Einnahmen notwendig waren. Mit anderen Worten: Der Onlineleser bemühte eher die Nachrichtensuchmaschine http//:www.Wikio.de und fand zum gleichen Thema bessere Artikel im Web. Natürlich kann auch hier eine gut schmierende Lobby noch Veränderungen bewirken. Übrigens hindert sie niemand daran, sich auch bei wikio listen zu lassen.

    Falls ich allerdings eines Tages mal meinen ePerso in den Kartenleser stecken muß, um das Neueste aus der Flachwasserzone zu erfahren, werde ich wohl oder übel auf diese dann kostenpflichtige Dienstleistung verzichten und mich nach einem anderen aktuell berichtenden Anbieter umsehen.

    Dem Poster Klaus Störtebeker stimme ich im vollen Umfang zu. Seifenopern können auf BlueRay-Disks im DivX-Format zusammengefasst und dem Konsumenten als künstlerisches Gesamtwerk bei Amazon angeboten werden. Es gibt kein wichtiges Argument dafür, das dies über Jahrzehnte online verfügbar sein muss.

    Interessant in diesem Zusammenhang ist auch der heutige Artikel von Markus Beckedahl in http://www.netzpolitik.org/2010/zapp-der-kampf-der-netzaktivisten-gegen-das-depublizieren/ sein. Ich würde es mir an ihrer Stelle sehr genau durchlesen und ansehen, denn als freier Journalist (SZ, FAZ, etc) trifft er zu diesem Thema den Nagel auf den Kopf.

    Einen schönen Tag wünscht der hinterwäldler

  14. .depub.org
    23. September 2010 at 20:50 #

    NDR-Artikel: Der Kampf der Netzaktivisten gegen das Depublizieren
    http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/zapp/internet/depub107.html

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