Guten Morgen Bodensee!

Von Waltraud Kässer

Die Wetterprognose verspricht uns heute leider nicht mehr so sonniges Wetter wie wir es gestern noch hatten. Wettermäßig soll es aber wieder wärmer werden. Ansonsten bläst gelegentlich auch ein rauer Wind. So möchten Atheisten zum Beispiel die Gipfelkreuze auf Schweizer Bergen knicken. Schluss mit christlichen Symbolen in den Alpen, sagen sie.  Ganz so streng haben wir es zum Glück nicht. Heute beschäftigen wir uns lediglich mit dem Für und Wider zu Volksentscheiden und mit der Qualifikation von Tagesmüttern.

Den Stau am Limmataler Kreuz und vor dem Gubristtunnel ist gestern eigentlich nicht sonderlich schlimm gewesen. Eingekeilt zwischen Brummis und Geländewagen zuckelten wir dahin, im Radio lief  zur Beruhigung – gewünscht von anderen Staustehern – „Somewhere over the Rainbow“,  wir ließen die Gedanken schweifen und überlegten nebenher schon einmal, was wir heute Morgen unbedingt mitteilen möchten.

Anfangen möchten wir mit dem Appell, doch bitte die grässlichen Laubbläser in diesem Herbst nicht mehr zu benutzen. Naturschützer kritisierten, dass die dröhnenden Laubbläser nicht nur Presslufthammer lauten Lärm erzeugen, sondern auch „Käfer-Killer“ und „Igel-Töter“ sind. Straßenkehrer und Gärtner fegen sozusagen ganze Lebensgemeinschaften mit dem Laubstaubsauger weg. Im Sturm der Laubbläser spielen sich offenbar wahre Tragödien ab. Biotope werden so zu sagen vom Winde verweht.

Wir finden, in einer Stadt wie Konstanz wäre ein Zurück zum Reisigbesen angebracht. Andere Kommunen haben sich bereits vom verhassten Laubbläser verabschiedet und es damit sogar bis ins Fernsehen geschafft. Immerhin hat die Stadt Konstanz ja einen Grünen Oberbürgermeister, der dem Vernehmen nach demnächst sogar höchst persönlich die Arche Noah in Konstanz begrüßen möchte, die für eine gentechnikfreie Bodenseelandschaft über den See schippert. Es gehe um die Bewahrung der Schöpfung, ließ die Initiative Gentechnikfreie Bodenseeregion vorab wissen. Wir sagen, auch krabbelndes Kleingetier und Igel, die sich im raschelnden Laub verstecken, sind Teil der Schöpfung. Mit einem Reisigbesen ließen sich solche Lebensgemeinschaften sicher sanft bei Seite schieben.

Der Hype um Heiner Geißler, das Pro und Contra zu Stuttgart 21 und das Gezerre um einen Volksentscheid bewegen derzeit politisch interessierte Menschen all überall. Auch der FDP-Abgeordnete Hans-Peter Wetzel möchte Volksentscheide leichter machen. Der Überlinger FDP-Vorsitzende Andreas Schauer indes sieht Bürgerentscheide nicht ausschließlich positiv. Er sorgt sich darum, ob Großprojekte mit mehr direkter Demokratie überhaupt noch durchsetzbar wären. Der Liberale erinnerte an den Bürgerentscheid über die Überlinger Bodensee-Therme. Eine Mehrheit stimmte damals gegen das Bad. Die Therme konnte nur gebaut werden, weil das Quorum verfehlt worden ist. Überlingen ohne Therme möchte sich heute niemand mehr vorstellen.

Der FDP-Vorsitzende zog, was wir nicht unterschlagen wollen, auch gleich noch eine Parallele zwischen Stuttgart 21 und dem Bau des Eisenbahntunnels in Überlingen. Unvorstellbar wäre es, wenn es keinen Tunnel gebe und die Bahngleise Überlingen vom See trennen würden, sagte er. Ob das Großprojekt Tunnelbau im 21. Jahrhundert noch so ohne weiteres durchsetzbar wäre, darf tatsächlich bezweifelt werden. Wahrscheinlicher wäre es wohl, dass die Bürger heute nein zu so einem massiven Eingriff sagen würden.

Andererseits ist es ja nicht in jedem Fall verkehrt, wenn Bürger ihren Verwaltungen und Politikern bei Bürgerentscheiden die Rote Karte zeigen. Ohne das Nein der Bürger hätte sich die Stadt Konstanz in diesem Jahr zum Beispiel in das Abenteuer Konzert- und Kongresshaus gestürzt, was fatal gewesen wäre. Wenige Wochen nach dem Bürgerentscheid stellte die Stadt nämlich plötzlich fest, dass das Geld knapp ist und der Oberbürgermeister verhängte vorübergehend sogar eine Haushaltssperre. Die Stadt hätte das Projekt Konzert- und Kongresshaus gar nicht stemmen können. Die fetten Jahre sind in Konstanz, so heißt es, erst einmal vorbei. Die Weisheit der Vielen und die direkte Demokratie haben die Stadt also vor Schlimmerem bewahrt.

Das Allerletzte: Wussten Sie übrigens schon, dass sich Tagesmütter neuerdings in einem nur dreitägigen Crashkurs ausbilden lassen können? Das haben wir gestern gelesen. Liegen könnte das mit der Schnellausbildung auch daran, dass ab 2013 alle Kleinen einen Anspruch darauf haben, betreut zu werden. Viel mehr möchten wir zum Thema frühkindliche Förderung heute eigentlich gar nicht sagen.

Kommen Sie gut durch den Mittwoch!

3 Kommentare to “Guten Morgen Bodensee!”

  1. Bruno Neidhart
    27. Oktober 2010 at 10:01 #

    Ob es die „Weisheit der Vielen“ war, oder gar eine verpasste Gelegenheit, u.a. auch in die „musikalische Zukunft“ des Oberzentrums nachhaltig zu investieren, wird sich dann noch zeigen. Auch in Zeiten wirtschaftlicher Blüte war bekanntlich die Stadt und ihre Bürger nicht fähig, sich deutlicher auch als „Musikstadt“ zu definieren, zu präsentieren, zu profilieren. Sie markiert so einen einschneidenden Kulturverlust gegenüber anderen Städten im weiteren Umkreis. Diese Frage ist nun mal grundsätzlich mit entsprechenden Investitionen verbunden. In naher Zukunft steigt übrigens in Deutschland das Steueraufkommen, glaubt man den Auguren, auf geradezu schwindelnde Höhen…! Ob dann doch einmal auf die „Weisheit der Vielen“ vertraut werden kann? Dass Volksentscheide nicht immer positiv sein müssen, zeigen Beispiele aus der Vergangenheit. Da stimme ich dem zweifelnden Andreas Schauer aus Überlingen zu.

  2. carlo
    27. Oktober 2010 at 13:24 #

    Ja nee, is klar, die Chance haben die blöden Konstanzer echt vergeigt.
    Natürlich gilt es nun, die „Weisheit der Vielen“ anzuzweifeln. Geht sie doch logischerweise mit der „Dummheit der Wenigen“ einher. Also derjenigen, die für ein KKH gestimmt haben. Eine wahrhaft verpasste Gelegenheit, Konstanz noch schneller in den Ruin zu musizieren. Mit dem zu erwartenden erhöhten Steueraufkommen, gar Schwindel erregend, hat mein Vorredner natürlich Recht. Als Folge der ebenfalls Schwindel erregend hohen Staats-, Länder- und Kommunenverschuldung. Was sagen übrigens jene Auguren über die, logischerweise damit einher gehenden, Auswirkungen der immensen Steuerlast auf den ebendiese tragenden Bürger? Ach so, der Bürger ist ja der Staat. Na dann, dann investiert er also letztlich nachhaltig zu seinem eigenen Wohl. Wohl dem, der das begriffen hat. Dann steht den Zeiten der wirtschaftlichen Blüte ja nichts mehr im Wege. Blühende Landschaften, sozusagen. Um die musikalische Zukunft unseres Oberzentrums mache ich mir da gar keine Sorgen mehr. Nur, man stelle sich mal vor, es gibt ein KKH und keiner kann sich den Eintritt leisten. Oder ist es gar so, dass die „Vielen“ nicht bezahlen wollten, was sich eh nur die „Wenigen“ leisten konnten? Na, das wären ja wohl Schlingel…

  3. Sibylla Kleffner
    28. Oktober 2010 at 03:02 #

    Zur Therme in Überlingen:
    Es ist immer wieder das Gleiche, langsam ermüdend für die Beteiligten: Der Bürgerentscheid stellte nicht die Frage: „Therme ja oder nein“. Er stellte die Frage: „Standort Strandbad West ja oder nein“ Und dass das so war, wissen alle, auch wenn es manche Bürger immer wieder versuchen, anders darzustellen. Alle Überlinger Bürger wünschten sich eine Therme in Überlingen. Der Streitpunkt war der Standort! Es ging darum, das Bodenseeufer zuzubauen oder nicht; es ging darum, ob das Westbad um die Hälfte reduziert wird oder nicht; es ging darum, ob der Platz im Westbad ausreichend ist für eine Therme oder nicht (sogar der Architekt sagt heute, dass der Standort nicht genügend Platz geboten hat bzw. bietet). Die Mehrheit stimmte nicht gegen das Bad, sondern gegen den Standort . Und es gab Alternativstandorte: Das Grafsche Gelände und Südlich Härlen.

    Wie sieht es heute aus? Ein weiteres Bodensee-Ufergelände ist bebaut und damit für die Öffentlichkeot nicht mehr zugänglich. Das Westbad ist schön gerichtet, aber für den Bedarf zu klein geworden, die Therme braucht dringend Erweiterungsmöglichkeiten und wird dafür weiteren Uferbereich zubauen, der damit der Öffentlichkeit genommen wird.

    Gott sei Dank ist unsere Therme ein Erfolg für Überlingen geworden; aber das wäre sie auch an einem der Alternativstandorte mit den viel besseren Erweiterungsmöglichkeiten und ohne die genannten standortbezogenen Schwierigkeiten. Wann endlich können die damaligen Gegner endlich damit aufhören, immer wieder falsche Aussagen zu machen, nur um Emotionen anzuheitzen?!?

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