Guten Morgen Bodensee!

Von Waltraud Kässer

Willkommen an einem Montag, der ein perfekter Tag für alle werden könnte, die einen Indoor-Arbeitsplatz haben. Was wir damit sagen möchten: Der kurze Sommer im November neigt sich dem Ende zu. Befassen möchten wir uns heute Morgen ansonsten mit dem Ende einer Kaffeefahrt, der Mundart und der allerersten Podiumsdiskussion mit sechs Landtagskanidatinnen und Landtagskandidaten im Kreis Konstanz.

Beginnen wir mit den beiden letzten Themen. In unserer bayerischen Lieblinsgzeitung haben wir am vergangenen Samstag gelesen, dass Dialekte nicht etwa verschwinden, sondern sogar wieder aufleben. Besonders im Süden und im Südwesten, also auch bei uns im alemannischen und schwäbischen Sprachraum, ist  Dialekt kein Makel. Weil Globalisierung Regionalisierung bedeute, könnten Dialekte sogar eine neue Perspektive haben, behauptete unsere bayerische Zeitung. Und das ist gut so.

Bürger, die gegen Stuttgart 21 auf die Straße gehen und ihre Meinung sagen, tun das auch auf Schwäbisch oder wenigsten mit hörbar schwäbischem Akzent. Warum auch nicht? Dialekt ist, so wie es aussieht, ein Stück Heimat und Identität. Sprache macht uns einer Gruppe zugehörig. Sprachwissenschaftler haben längst herausgefunden, dass Dialekt Nähe schafft – und Standardsprache die Distanz vergrößert. Dialekt ist also offenbar die Sprache, in der Menschen reden, wenn es um Emotionen geht. Wer mit dialektaler Färbung spricht, kann das im Alemannischen Sprachraum getrost auch in öffentlicher Rede tun. Und auch das ist gut so.

Bernd Schlenkrich, Leiter des Jungen Theaters in Konstanz, sagte am vergangenen Freitagabend im Jugendpolitischen Nachtcafé, dass er erst sechs Wochen in Konstanz lebe, aber bereits gelernt habe, dass man Kon(sch)danz sage und nicht Kon(s)tanz. Ein bisschen befremdlich war es da freilich, dass im Nachtcafé ausgerechnet Irene Jun, langjährige Mitarbeiterin des Jugendamts und somit der Konstanzer Stadtverwaltung, ständig Kon(s)tanz sagte, was ihrem Chef, Oberbürgermeister Horst Frank, so nie über die Lippen käme. Auch er spricht Kon(sch)danzerisch.

Feststehen dürfte, dass ein alemannische Intonation auch im Landtagswahlkampf nicht falsch sein kann. Wenn Sprache Nähe schafft, könnten Kandidaten, die des Dialekts mächtig sind, sogar leicht im Vorteil sein. So gesehen dürfte es zum Beispiel der Landtagskandidatin der Piratenpartei, Ute Hauth, die des Konstanzerischen durchaus mächtig ist, weniger schwer fallen, Nähe zu schaffen als Mitbewerbern, die keinen Dialekt sprechen, wobei auch Andreas Hoffmann (CDU) hörbare badische Akzente in seiner Rede setzt.

Über eine Podiumsdiskussion im Radolfzeller Juze mit den sechs Landtagskandidaten Andreas Hoffmann (CDU), Zahide Sarikas (SPD), Siegfried Lehmann (Bündnis 90 Die Grünen), Tatjana Wolf (FDP), Bernhard Hanke (Die Linke) und Ute Hauth (Piratenpartei) möchten wir später noch ein bisschen ausführlicher sprechen. Vorab nur so viel: Dass sich junge Wähler mit einer langatmigen gut zweistündigen Podiumsdiskussion über das Thema Bildungspolitik für Politik begeistern lassen, glauben wir nicht. Der Sonntagnachmittag war aus Sicht der Zuhörer wohl eher ein Flop. Die zwei jungen Moderatoren schafften es zwei Stunden lang nicht, eine spannende Debatte zu provozieren. Unser Tipp: Das nächste Mal lieber einen erfahrenen Moderator holen, der Fragen sammelt und auch einmal unbequem nachfragt. Die Fragestellungen vorgeben könnten ja die Zuhörer. Nett wäre es übrigens auch gewesen, hinterher das Publikum zu fragen, welche Kandidatin oder welcher Kandidat die jungen Wähler am meisten überzeugt hat.

Wir haben genau das nach Veranstaltungsende vor dem Juze getan. Toll finden wir, dass die jungen Wähler dem Politiker-Sprech nicht auf den Leim gehen. Die meisten sagten, dass die Redezeit des Landtagsabgeordneten Andreas Hoffmann (CDU) eindeutig zu lang war. Hoffmann hatte sich in ein Zwiegespräch mit Siegfried Lehmann (Bündnis 90 Die Grünen) verstrickt. Bernhard Hanke (Die Linke) nahmen die Jugendlichen nicht ab, dass die Linke halten könnte, was der Kandidat versprochen hat. Er stand unter dem Verdacht, zu viel zu versprechen und zu wenig konkret zu sagen, wie die Linke ihr Programm finanzieren möchte. Ein bisschen mehr hätten einige Zuhörer auch gern von der Piratenpartei gehört. Wir selbstverständlich auch. Die Redezeit war aber leider sehr ungleich verteilt.

Das Allerletzte, dem wir uns heute am Montagmorgen widmen möchten, ist eine Polizeimeldung: In Friedrichshafen, so berichtete die Polizei, habe eine sogenannte Kaffeefahrt auf dem Bahnhofsvorplatz ein jähes Ende genommen, als der Busfahrer den Fahrgästen eröffnet habe, dass er nicht mehr weiterfahren könne, weil er seine Ruhezeiten einhalten müsse. In der Folge habe es eine hitzige Streiterei zwischen einer Mitfahrerin und dem Busfahrer gegeben, die in einer Rangelei endete und mit einer Anzeige wegen Körperverletzung gegen den Busfahrer kein gutes Ende nahm.

Diese Begebenheit erinnert uns so ein bisschen an den Fall des amerikanischen Flugbegleiters, der vor einiger Zeit seinen Flieger über eine Notrutsche verließ.

Wir empfehlen heute Morgen: Schnallen Sie sich an, verlieren Sie nicht die Nerven und bleiben Sie erst einmal noch an Bord!

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