Guten Morgen Bodensee!

Von Waltraud Kässer

Heute möchten wir uns explizit an Hundehalter wenden, Sie kurz darüber informieren, wonach unsere Schweizer Nachbarn googeln, und kommunizieren, was wir von den Pressemitteilungen der Piratenpartei so halten.

Zuerst aber zu den Vierbeinern. Selbstverständlich wissen wir, dass auch Hunde an Weihnachten wieder beschert werden. Ein befreundeter Schreibtäter, der wiederum mit einem Labrador-Dalmatiner-Mischling befreundet ist, hätte da so einen Tipp. Er teilte uns mit, dass es mittlerweile sogar Hörbücher für Hunde gibt. Sie sind eine klasse Sache, schrieb er uns. Und das auch noch mit Lerneffekt. „So können die befellten Vierbeiner rechtzeitig an den Lärm an Silvester gewöhnt werden“, mailte er. Er schlage vor, damit schon im Sommer zu beginnen. Falls einen die Nachbarn wegen der Geräuschkulisse („Made to play loud“ = Zitat „Tote Hosen“) dann etwas seltsam anschauen, sollte man sich selbst ein dickes Winterfell zulegen.

Sommer ist es nun tatsächlich nicht mehr aber, sich Geschichten erzählen zu lassen, ist schön. Es wäre so gesehen sicher eine tolle Idee, den Vierbeiner mit einem Wau-Wau-Hörbuch zu bescheren. Und auf Silvester kann man seine Tiere und sich selbst tatsächlich nicht früh genug mental vorbereiten…

Der Internetkonzern Google publiziert regelmäßig die meist gesuchten Begriffe, die zum Beispiel in der Schweiz gegoogelt werden. Die Auswertung der Suchabfragen 2010 habe gezeigt: Die Schweizer Google-Nutzer interessierten sich 2010 vor allem für soziale Netzwerke wie Youtube, Facebook und Chatroulette. Auch kulturelle Großveranstaltungen seien sehr häufig gegoogelt worden, berichtet der Tagesanzeiger.

Der meist gesuchte Prominente war der dieses Jahr verstorbene Rocksänger Steve Lee. Auch nach der neuen Miss Schweiz Kerstin Cook und den unter Anklage stehenden Jörg Kachelmann sei häufig gesucht worden.

Jetzt aber zu unserem heutigen Lieblingsthema, den Piraten, mit denen wir heute Morgen ein Hühnchen rupfen möchten. Sagen wir es so: Der Gestus der noch jungen Partei, um nicht zu sagen, ihre außerordentlich besserwisserische, überhebliche Haltung, nervt.

So ließen sie zu Beginn der Woche in einer Medienmitteilung wissen, dass auch in Baden-Württemberg die Grünen aus ,parlamentarischen Zwängen‘ heraus eine „Entscheidung gegen einen Volksentscheid“ und damit für „Stuttgart 21“ fällen könnten, um „mit der CDU regieren“ zu können – und dies, obwohl Stuttgart 21 für viele Wähler ein entscheidendes Argument für die Grünen sein werde, behaupten die Piraten.

Aha sagen wir. Die bösen Grünen. Sie sitzen nun tatsächlich in der Falle. Entweder sie protestieren auf der Straße weiter gegen Stuttgart 21 und fordern einen Volksentscheid oder sie akzeptieren Heiner Geißlers Schlichtspruch und freuen sich, dass es einen Stress-Test gibt, vielleicht ein paar Gleise mehr und dass alte Bäumen nicht gefällt, sondern umgepflanzt werden sollen, was in etwa aufs Gleiche hinaus läuft.

Doch noch einmal zurück zu den Piraten. Sie setzen in ihrer Pressemitteilung noch eins drauf: „Um solche Wortbrüchigkeit zu vermeiden und einen landesweiten Volksentscheid zu Stuttgart 21 durchzuführen, der nicht machtpolitischen Interessen geopfert wird, sind die Piraten in Baden-Württemberg die einzige Alternative zu den grün-gelb-roten Fähnlein im Wind.“ So lässt sich ein uns gänzlich unbekannter Tobias Zawisla, Direktkandidat der Piratenpartei im Wahlkreis Villingen-Schwenningen, zitieren. Haben wir es richtig verstanden? Die Piraten sind also die einzige Alternative zu allen anderen. Bloß, wer ist überhaupt Tobias Zawisla? Und hat er die Weisheit mit Löffeln gefressen?

Wir fassen zusammen: Eine junge Partei unterstellt den Grünen das aller Schlimmste, ohne selbst etwas zu sagen.

Wir fanden in der ganzen Mitteilung keinen einzigen Satz darüber, was die Piraten möchten. Würden Sie etwas besser machen? Die Aussage, alle anderen sind doof – deshalb unbedingt am 27. März Piraten wählen, ist uns viel zu wenig.

Das haben wir gestern so auch unserer persönlichen Lieblingspiratin gesagt, die wahrscheinlich jetzt keine Lieblingsjournalistin mehr hat. Sie antwortete sinngemäß, das Wichtigste sei, dass die Piraten überhaupt erwähnt würden. Für Inhalte der jungen Partei würden sich die Medien nicht interessieren, sagte sie. Wir können das kaum glauben.

Trotzdem bleiben wir dabei: Wer sich überheblich gibt und sich nur über andere beschwert, grantelt, mault und nölt, schafft’s 2011 niemals in den Landtag, also aufgepasst,  und den lassen wir mit solchen Pressemitteilungen auch nicht mehr auf unser Blog.

Ho, Ho, Ho…!

Kommen Sie gut ins Wochenende!

3 Kommentare to “Guten Morgen Bodensee!”

  1. Papuga
    3. Dezember 2010 at 09:32 #

    Der genannte Tobias Zawisla ist nicht Direktkandidat, sondern Ersatzkandidat.

  2. Ich (Pirat)
    3. Dezember 2010 at 11:09 #

    Hi,
    Ich gehe sehr stark davon aus (Ohne die PM gelesen zu haben), dass es vor allem darum geht das Desaster der Grünen zum JMStV in NRW zu unterstreichen (Sinngemäßes Zitat der Grünen: Wir sind weiterhin gegen den JMStV haben uns wegen Parlamentarischen Zwängen dafür entschieden).

    Wie man so etwas nun in Worte packt bedarf Fingerspitzengefühl, jedoch bin ich sehr der Meinung, dass es Wichtig ist seine Meinung zu solchem Vorgehen mitzuteilen.

    * Wir sind gegen den JMStV,
    * Wir sind gegen den Kosovo Krieg,
    … jedoch haben wir uns wegen parlamentarischen Zwängen dafür entschieden.

    Solch Vorgehen ist keinesfalls eine klare Linie, sondern ähnelt eher dem Wegeverlauf eines Hasen auf der Flucht.

    Die Frage ist eher was man für Alternativen hat (sein eigenes Befinden zu verbessern).
    Man stelle sich vor man würde den Grünen für solch ein Vorgehen auf die Schultern klopfen.
    Ich möchte mir nicht ausmalen was dann passieren könnte.

    Ich möchte nicht sagen, dass die Piraten alles richtig machen. Die Piraten sind naiv und unbedarft, jedoch bin ich persönlich der festen Überzeugung, dass die Ziele so viel positives Gewicht haben, dass ich meine politische Kraft vollständig den Piraten widme.

    Grüße

  3. Michael Gugel
    3. Dezember 2010 at 12:08 #

    @Papuga Tobias ist Kandidat für Villngen-Schwenningen und Ersatzbewerber für Tuttlingen

    Zur Verteidigung eurer Lieblingspiratin: Sie hat leider recht :( Es gibt nur ganz wenige Ausnahmen, die wirklich unsere Inhalte oder inhaltliche Pressemeldungen aufgreifen.
    Klar haben die Piraten die Weisheit auch nicht mit Löffeln gefressen, aber auch wir Piraten haben das Recht (und die Pflicht) uns zu beschweren, zu granteln, maulen und nölen, wenn es angebracht oder sogar wichtig ist.

    Was wir wollen (und das schon lange vor den großen Protesten rund um S21) ist auch in der PM klar:
    „Die Piratenpartei Baden-Württemberg setzt sich für eine stärkere Einbeziehung der Bürger in alle Teile einer Projektplanung ein. Zudem sollen Volksabstimmungen und -begehren vereinfacht und staatliche Transparenz gefördert werden.“

    Die Grünen sind ganz klar GEGEN S21. Eine Volksabstimmung o.ä. wollen sie nur, wenn diese ihren Forderungen entsprechen würde.

    Wir Piraten sagen schon seit zig Monaten: (Alle!) Fakten auf den Tisch und schließlich echte Bürgerbeteiligung! Bis dahin Baustopp. Das sollten auch alle PMs zu diesem Thema der letzten Monate klar dargestellt haben.

    Geißlers Schlichterspruch sagt: „Mehr Demokratie, aber bitte nicht jetzt“. Auch was dürfen und müssen wir kritisieren können.

    Und so leid es mir tut: Die Grünen haben gerade in letzter Zeit bewiesen, wie sehr zu ihren eigenen Inhalten und Überzeugungen stehen. Sobald man Macht schnuppert, ist man dann doch auch für Atomkraft (Hamburg) oder aufgrund „parlamentarischer Zwänge“ für Öffnungszeiten im Netz (JMStV).

    Ich finde, wir (und alle anderen) haben da auch ausreichend Grund zum Motzen, oder ;) ?

    Grüße aus Freiburg

    PS: die PM gibts hier – falls ich verlinken darf: http://www.piratenpartei-bw.de/2010/11/30/stuttgart-21-der-fade-nachgeschmack-einer-schlichtung/

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