Guten Morgen Bodensee!

Von Waltraud Kässer

Sprechen wir über Gänsebraten, Weihnachtseinkäufe im Internet, eine Seite, den Konstanzer Alt-OB Bruno Helme und das Wetter.

Winterlich kalt könnte es werden. Perfekte Tage für Vergnügungen auf den Weihnachtsmärkten in Konstanz und Friedrichshafen oder der Kunsteisbahn in Überlingen direkt am See.

Am Samstag trug es sich zu, dass wir zu einem Gänseessen eingeladen waren. Der Freund, ein begnadeter Koch, teilte mit uns sein Wissen. Er zieht, wie er sagte, tiefgefrorene Gänse frischen aus diversen Gründen vor. Alle Jahre wieder rät er auch vom Kauf einer „Hungergans“, wie es sie tituliert, ab und bevorzugt dicke, runde. Gefüllt hatte er den Vogel, der am Samstag im Backofen stundenlang vor sich hin briet, mit ein paar Teelöffeln Salz, Äpfeln, Beifuß und Majoran. Nach fünf dreiviertel Stunden hatte die Gans dann eine knusprige Haut und kaum noch Fett. Das war in die Fettpfanne unter dem Rost getropft. Die meisten Leute machten den Fehler, die Gans im Bräter zu braten, sagte der Freund.

Gans, ganz lecker und einfach, dachten wir. Fast wären wir versucht gewesen, das Rezept zu veröffentlichen. Wir haben es dann aber lieber gelassen. Denn, wer seinen Backofen nicht sehr gut kennt, die Gans mit Ober- und Unterhitze statt in Umluft zu braten versucht, werde scheitern, sagte der Freund. Mit Enten sei es ähnlich, aber mit einem Fasan wiederum ganz anders. Wir haben uns also entschlossen, doch Kochportalen besser keine Konkurrenz zu machen und uns lieber Dingen und Themen zuzuwenden, mit denen wir uns auskennen.

So haben wir gelesen, dass jeder dritte oder 22 Millionen Deutsche Weihnachtseinkäufe online tätigen. Solche Zahlen vermeldet der Verband Bitkom. Ein Konsum- und Hirnforscher teilte die Menschen mittlerweile in verschiedene Typen ein. Sie haben unterschiedliche Einstellungen und Gefühle und kaufen unterschiedlich gern online. Es gibt zum Beispiel die Abenteurer, die sehr viel im Internet unterwegs sind. Traditionalisten lehnen das Netz dagegen noch immer ab, während zum Beispiel Hedonisten alles lieben, was das Leben leichter macht, also auch das Web.

Wir selbst ordnen uns momentan keinem der sieben Typen zu. Wir stellen aber fest, wir sind keine Masochisten, weshalb wir uns an Adventssamstagen nur ungern und in der größten Not durch überfüllte Ladengeschäfte drängeln und vor Kassen Schlange stehen. Wir selbst werden also wohl den Online-Einkauf bevorzugen.

Am Wochenende haben wir spontan eine Website besucht. Stellen Sie sich vor, Sie wären auf die Idee gekommen, sich die Domain dereinfachsteweg.com zu sichern. Ein Privatmann hat das getan.

Er schreibt: „Die Idee hinter dieser Seite entstand durch einen guten Freund, der sich sein Leben immer sehr leicht gestaltet. Er hat immer seine Freunde um Hilfe gebeten, wenn er etwas wollte. Brauchte er ein Auto um in die Stadt zu fahren, fragte er einen Freund. Mußte er etwas am Computer erledigen oder kopieren, fragte er seine Freunde. Wenn er etwas brauchte, fragte er in seinem Bekanntenkreis, ob nicht jemand JEMAND kennt, der Ihm helfen kann. Bevor wir alle immer unsere Freunde fragen, haben wir diese Seite erstellt, damit die Freunde Ihre guten Ideen, Erfahrungen und Tipps hier einstellen können. Aus den Fehlern und Erfahrungen von unseren Freunden lernen!“ Die Idee des in Konstanz lebenden Kölners ist, wie wir meinen, so simpel wie genial.

Weiter heißt es: „Für alles auf der Welt gibt es einen einfachsten Weg, ich möchte mich auf folgendes festlegen: Der einfachste Weg Werbung zu schalten. Der einfachste Weg gefunden zu werden. Der einfachste Weg mehr Aufmerksamkeit zu bekommen. Der einfachste Weg seinen Umsatz zu steigern. Der einfachste Weg Geld zu sparen, da es kostenlos ist. Der einfachste Weg mit minimalem Aufwand bekannter zu werden. Der einfachste Weg durch den Bekanntenkreis zu profitieren. Der einfachste Weg durch die Meinung anderer eigene Vorteile zu ziehen.“ So wie es aussieht, gibt es  sogar Leute, die bereit sind pro Tag ein paar Cent zu bezahlen, um mit einem Werbebanner auf die Seite zu kommen. In den USA funktioniere es bereits, erzählte uns der Besitzer der Website dereinfachsteweg.com.

Das Allerletzte: In dieser Woche möchten wir in unserem Blog mit der Frage von Schuld und Verantwortung beschäftigen. Wir fragen: War der Konstanzer Alt-OB Bruno Helme in Zeiten der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft ein Nazi oder Mitläufer und welchen Unterschied würde das machen? 1970 erschoss der Arbeiter Hans O. mitten in Konstanz Martin K.. Das Verbrechen, das sich ins kollektive Gedächtnis der älteren Konstanzer eingebrannt hat, passierte, nachdem der ehemalige Konstanzer NPD-Kreisvorsitzende und Stadtrat Walter Eyermann angekündigt hatte, die Stadt von den Hippies säubern zu wollen. Wie hat sich Helme damals verhalten? Welches Geistes Kind war er? Noch können wir Zeitzeugen fragen – und hoffen auf Antworten.

Dass die Stadt Konstanz am vergangenen Freitag in einer Presseerklärung verbreitete, es sei unklar, ob Helmle ein Nazi war, da er vielleicht im Dritten Reich nur „pflichtgemäß“ Aufträge ausgeführt habe, hat für Empörung in der Stadt gesorgt. Darüber und über Helmles Verantwortung würden wir deshalb gern mit dem Historiker und Leiter der Städtischen Museen, Tobias Engelsing, sprechen, der mit seinen zeitgeschichtlichen Ausstellungen im Rosgartenmuseum in der Vergangenheit für Beachtung und Gesprächsstoff in Konstanz sorgte.

Sollten Sie lieber etwas über vorbildliches Verhalten in der Nazizeit in Konstanz lesen wollen, empfehlen wir unseren Beitrag über die Buchhandlung Neser.

Starten Sie gut in die neue Woche!

2 Kommentare to “Guten Morgen Bodensee!”

  1. Detlev
    13. Dezember 2010 at 08:50 #

    Bei dem von Ihnen veröffentlichten Dornroeschen-Weblink zum Thema hatte Hr. Gropper ein historisches Thema angesprochen, wonach es einen Streit gibt, ob Hitler das Volk verführt oder doch eher das gedemütigte „deutsch-preussische Volk“ (vermutlich nachtragend und rachsüchtig) wegen den Versailler Verträgen (1918) Hitler zu Hilfe gerufen habe („Nährboden“).

    Im Leistung-Kurs Geschichte (Ende der 70 Jahre) wurde eher das Thema „preussische Beamten- und Militär-Tradition“ als bedeutsam für die weitere Entwicklung eingestuft.
    Ihr Begriff „pflichtgemäß Aufträge“ im Artikel deutet dieses etwas an. Laut SK-Lebenslauf soll Hr. Helmle nur kurz in Berlin studiert haben und eher im Ländle seine Heimat gehabt haben.

    Heutzutage ist ein Adler zwar in den Wappen von S-Anhalt, M-Vorpommern und Brandenburg enthalten, aber in der Regel unscheinbar klein (Ausnahme: BB) und man spricht vom „Brandenburger oder Märkischen Adler“.
    Die politische Parteien-Landschaft und Lebensstandard ist ziemlich verschieden zum Ländle: Traditionspflege eher eher Mangelware – 20 Jahre sind etwas wenig.
    Die KNer Historiker dürften es schwer haben, dort sich dort dem Übel „Preussen“ zu nähern; Verstorbene sind nicht mehr verhörbar. Die „preussische Kulturstiftung“ in Berlin ist etwas ungeeignet für diese Fragen.

    Wenn man bedenkt, dass NS-Staat und DDR sich auf den Begriff „Preussen“ berufen haben sollen und längst nicht mehr existieren (ein Fluch?), wundert es sich, dass man diesen Begriff am Bodensee offen oder indirekt erwähnt und nicht ganz heimlich Strassen und Denkmäler umbenennt: halt ganz „unpreussisch“ ohne grossen Musik-Marsch. Sicher gibt es nicht nur für die Bundeswehr „demokratische Leitbilder“, sondern auch für städt. Beamte.

    PS.
    Die Aktion „moderne Demokratie“ finde ich gut, würde aber eher ein „mehr“ davor setzen, damit die erwartete politsche Streitkultur nicht zu proletarisch wird.
    Kurz- oder mittelfristig dürften problemlösende Mechanismen oder Regelungen eher Verbesserungen zu Problembereichen führen, sofern man nicht „preussische Reformen“ anstrebt.

  2. Detlev
    13. Dezember 2010 at 16:00 #

    zu PS: „damit die erwartete politsche Streitkultur nicht zu proletarisch wird.“

    Es ist ausschliesslich der „polarisierende (Lager-)Wahlkampf“ gemeint; eine andere weitergehende Deutung wäre fatal.

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