Guten Morgen Bodensee!

Aus der Flachwasserzone

Zum Start in die Woche möchten wir uns zwei Themen widmen: Dem Lollo Rosso und der 19. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks, die ermittelt hat, dass der Bildungsstatus der Eltern noch immer eine entscheidende Rolle spielt, wenn es darum geht, ob jemand in Deutschland studiert oder nicht.

Der Lollo Rosso stammt, wie man schon an seinem Namen erkennen kann, aus Italien. In Konstanz kann er auch aus dem Tägermoos kommen. Wer am Samstag oder Sonntag mit dem Fahrrad oder joggend im Thurgau unterwegs war, hat festgestellt, dass die Folien von den Gemüsefeldern verschwunden sind und der erste zarte Freilandsalat heranwächst. Ganze Gemüsefelder voll Lollo Rosso stehen im Tägermoos. Ein deutliches Indiz dafür, dass der Sommer naht, waren am Wochenende auch die Beregnungsanlagen auf den Felden, die Tatsache, dass die Schweizer im Strandbad Tägerwilen wieder Parkgebühren erhoben haben und der Bademeister seinen Platz vor dem Kühlschrank eingenommen hatte. Aber wenigstens hatten die Konstanzer am ersten Sommerwochenende freien Seezugang, egal ob in Tägerwilen, am Schänzle oder am Hörnle. Die Strandbäder in Überlingen zum Beispiel öffnen erst am Samstag, 1. Mai. So lange müssen die Überlinger noch draußen bleiben.

Das Ergebnis der 19. Studie des Deutschen Studentenwerks dagegen ist nicht ganz so schön. Arbeiterkinder schaffen es in Deutschland weiterhin nur selten an die Uni. Von 100 Akademiker-Kindern studieren 71, von 100 Kindern aus Familien ohne akademische Tradition sind es nur 24. Und Studiengebühren gibt es momentan in sechs Bundesländern. Bei mehr als der Hälfte der Studenten zahlen die Eltern die Studiengebühr. Im Schnitt bekommen Studenten von ihren Eltern 445 Euro im Monat. Wer aus einer ärmeren Familie stammt, muss öfter jobben. Dass Studenten jobben, ist natürlich nicht schimm. Im Gegenteil: Die Erfahrung, einmal in einer Fabrik oder in einer Zeitungsredaktion gejobbt zu haben, wollen wir nicht missen. Nur, damals gab es sogar für ein Praktikum noch richtig Geld. Andererseits fehlte aber immer die Zeit fürs Lernen, vor allem für Seminararbeiten, was wiederum ein Nachteil ist, wenn es darum geht, ein Studium erfolgreich abzuschließen. Letzteres ist nun nicht das Ergebnis der Studie, sondern eine sehr persönliche Erfahrung. Zum Glück kam es damals aber auf ein paar Semester mehr oder weniger nicht so sehr an. Wer lieber mehr über die Studie als über subjektive Erfahrungen wissen will, findet Infos unter http://www.studentenwerke.de/.

Kommen Sie gut durch den verregneten Montag!

Waltraud Kässer

Ein Kommentar to “Guten Morgen Bodensee!”

  1. bernd.sonneck
    26. April 2010 at 10:30 #

    Zum Thema „Bildungskongress tazlab“ ist in der heutigen taz ein interessantes Interview mit Ute Frevert, Honorarprofessorin an der FU, 1992 bis 1997 übrigens Professorin für Neuere Geschichte an der Universität Konstanz, abgedruckt – provokanter Titel: „Akademikerkinder sind oft faul“.

    Im Interview geht Ute Frevert auf das Problem „Jobben + Studieren“ ein, welches halt auch unmittelbar mit unseren Hochschulen zu tun hat: Es wäre besser, es gäbe hier wie in den USA mehr bezahlte Jobs direkt IN den Hochschulen, denn es ist keineswegs in Ordnung, hochschul-fern zu arbeiten, um Geld zu verdienen.

    Stimmt. Als Kind einer Nicht-Akademiker-Familie war ich nicht bereit, Bafög-Schulden aufzunehmen. Nachtschichten brachten das Geld, um zu leben – allein der Schlaf fehlte dann, das Studium abzuschließen, ein paar Semesterchen mehr hätten daran vermutlich wenig geändert. Insofern kann Jobben halt doch schlimm sein… 8-)

    In der FAZ war kürzlich zu lesen:
    „…trotz der enormen finanziellen Einschnitte kommt in der Ausstattung der amerikanischen Universitäten noch immer die hohe Wertschätzung der Bildung zum Ausdruck. Und noch immer lebt Berkeley im Vergleich zu deutschen Universitäten nicht nur wettermäßig auf der Sonnenseite. Im Jahr 2008 betrugen die Einnahmen der Universität Hamburg bei 32 668 Studenten (ohne Medizin) nur knapp 370 Millionen Euro im Vergleich zu knapp 1,8 Milliarden Dollar Einnahmen der Universität Berkeley mit 35 409 Studenten. Hamburg verfügte also bei einer etwas geringeren Studentenzahl über 28 Prozent der Einnahmen von Berkeley!“

    Es ist zuletzt das Geld, das Leidenschaft fürs Studium entfachen lässt, oder kürzer: Ohne Moos nix los!

    Das Interview „Akademikerkinder sind oft faul“:
    http://www.taz.de/1/archiv/print-archiv/printressorts/digi-artikel/?ressort=sw&dig=2010%2F04%2F26%2Fa0013&cHash=5edc957a38
    siehe auch http://www.taz.de/1/zukunft/schwerpunkt-uni/

    Die FAZ „Was wir von Berkeley lernen können“
    http://www.faz.net/s/RubC3FFBF288EDC421F93E22EFA74003C4D/Doc~E2D3BA8F81C8544EFAA519011248EB7B2~ATpl~Ecommon~Scontent.html

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