Guten Morgen Bodensee!

Von Waltraud Kässer

Heute beginnt Tag zwei der ersten echten Arbeitswoche diesen Jahres. Gestern hat sie ein bisschen holprig angefangen. Eine Recherche endete vorerst leider ergebnislos. Am Nachmittag lief dann plötzlich auch noch die Zeit davon. Heute ist der Tag dagegen klar strukturiert. Es gibt nur einen Pflichttermin. Am Konstanzer Landgericht beginnt um 9 Uhr der Taximord-Prozess.

Das öffentliche Interesse sei noch größer als er erwartet habe, sagte gestern Nachmittag der Konstanzer Strafverteidiger Klaus Frank. Der Pflichtverteidiger des Angeklagten ist aktuell ein sehr begehrter Gesprächspartner. Er sagte, sechs Fernsehteams hätten sich gemeldet und wollten über den Strafprozess berichten.

See-Online berichtet nur in Ausnahmefällen über Gerichtsverhandlungen. Den Taximord-Prozess möchten wir den Lesern unseres Blogs aber nicht vorenthalten. Er wird die Menschen bewegen. Denn kein Verbrechen dürfte die Bodensee-Region in den vergangenen Jahren so in Aufregung versetzt und so geschockt haben wie die beiden grausamen Taten, die sich an zwei aufeinanderfolgenden Tagen im Juni vergangenen Jahres im Kreis Konstanz und im Bodenseekreis ereigneten.

In der vergangenen Woche sagte eine Freundin, dass sie mit dem Tempo, mit dem Journalisten unterwegs sind, nicht klar komme. Deswegen zögerte sie, als es um eine Form der Zusammenarbeit ging. Sie sagte, sie könne nicht plötzlich alles liegen lassen, wenn es für See-Online etwas zu tun gebe. Ihr Job funktioniere anders. Sie machte ein Beispiel: Als in Konstanz die Altstadt brannte, sei es klar gewesen, dass an diesem Tag kein anderes Thema interessierte und die Journalisten hätten sich getrost nur um das eine Thema kümmern können oder sogar müssen.

Heute dürfte ein ähnlicher Tag sein. Der Taximord-Prozess wird das Thema sein, dem sich die Medien widmen. Während die gedruckte Zeitung sicherlich noch ein paar andere Beiträge auf ihre Seiten stellt, konzentriert sich See-Online, vorausgesetzt es ereignen sich heute keine weiteren dramatischen Geschehnisse, auf das eine Thema.

Gestern bei einer privaten Geburtstagsfeier haben wir übrigens erlebt, wie selbstverständlich heute schon Kinder im Grundschulalter mit modernen Kommunikationsmitteln umgehen. Sie schnappten sich abwechselnd ein iPhone und ein Android Handy und surfen einmal kurz durch Netz. Auf Youtube fanden sie schnell ein Video, das sie zeigen wollten, spielten auf dem iPhone ein anderes Video ab, auf dem sie selbst auf der Skipiste zu sehen waren, und klickten gleich noch mehrmals die Filme vom Konstanzer Altstadtbrand auf dem anderen Smartphone an. Gebrauchsanweisungen braucht diese Generation nicht mehr. Sie bedient die Geräte so intuitiv und traumwandlerisch sicher wie wir früher auf unseren Rollerblades auf steilen Straßen abwärts gerast sind. Demnächst werden sie sich vielleicht auf See-Online zwischendurch darüber informieren, was in ihrer Stadt passiert. Zeitung lesen sie wahrscheinlich auf dem iPad.

Das Allerletzte: Wer heute einen Rechtschreibfehler findet, darf ihn behalten. Eine Freundin sagte gestern, ich hätte doch versprochen, wieder mehr auf die Rechtschreibung zu achten. Sie war fast ein bisschen böse und erzählte, sie habe schon wieder einen Fehler in einem Titel entdeckt. Sie hat ja Recht und es gibt auch keine Entschuldigung. Nur, leider sehe ich meine eigenen Fehler eher nicht. Ich schaue auf einen Satz und überlege, ob er sich schön liest. Die einzelnen Worte nehme ich sozusagen gar nicht oder ganzheitlich wahr. Kennen  Sie das Problem eigentlich auch?

Kommen Sie gut durch den Dienstag!

3 Kommentare to “Guten Morgen Bodensee!”

  1. dk
    11. Januar 2011 at 08:52 #

    … Kinder im Grundschulalter mit modernen Kommunikationsmitteln …

    Vor einigen Tagen hatte mein Bruder u.a. auch mit seinem Patenkind den Geburtstag der Jugend-Freundinnen gefeiert: früher wurden eher Gesellschaftsspiele („Mensch-ärgere-dich-nicht“, usw.) gespielt; das heute 13-jährige Mädchen sass in der Ecke am PC und beschäftigte sich mit ihrem Facebook-Account. Heute ist er eher „ein Freund unter vielen virtuellen“.
    Ganz unglücklich waren die ausgiebig feiernden Erwachsenen nicht über die PC-Nutzung: man hatte sich auch viel zu erzählen – ohne Tastatur.

  2. Thomas Heidrich
    11. Januar 2011 at 12:53 #

    Das Problem mit der Rechtschreibung kenne ich auch. Besonders wenn ich in Eile bin, passiert es, dass ein Satz nicht völlig aufgeräumt ist. Ich baue Sätze ungefähr wie folgt.

    00 überlegen, welche Informationen übermittelt werden sollen;
    10 alles geordnet in viele Nebensätze schieben;
    20 kann den Satz jemand anders verstehen? goto 60;
    30 ein paar Informationen entfernen und alles neu sortieren;
    40 Semantik prüfen und korrigieren;
    50 goto 20;
    60 noch ausstehende Informationen? goto 10;
    70 fertig

    Besonders wenn ich in Eile bin, überspringe ich den Punkt 40, was meist zur Folge hat, dass übrig gebliebene Satzteile aus 30 noch irgendwo herumliegen.

    Es kann sein, dass mein Algorithmus zum Bauen von Sätzen nicht perfekt ist, aber für mich funktioniert er seit der Grundschule. (teilweise zum Ärger der Deutschlehrer) :-D

    // ————

    Kinder sollten imho geordnet an Medien und moderne Kommunikationsmittel herangeführt werden. Dabei spielen die Eltern eine entscheidende Rolle, indem sie ablaufende Prozesse erläutern und auf bestehende Gefahren hinweisen. Nur so kann man vermeiden, dass Kinder beispielsweise ihre gesamten Fotoalben und privaten Daten in irgendwelche Webportale laden, um sich anderen zur Schau zu stellen. Nur wenn man im Kindesalter bereits die Prinzipien dieser Medien verstanden hat, kann man sie später weise einsetzen und ist vor eventuellen Problemen geschützt. Wenn Eltern diese Aufgabe unzureichend erledigen, kann es leicht passieren, dass ihre Kinder später keine Ahnung haben, was sie da eigentlich tun und an jeder Ecke diesbezüglich übers Ohr gehauen werden können.
    Mein Arbeitgeber hat das Bild gefunden, auf dem ich besoffen am Rhein lag?
    Mein Konto ist leer, weil ich meine Zugangsdaten im Internetcafé eingegeben habe?
    Ich habe keine Freunde, auf die ich mich verlassen kann, weil ich mit ihnen ausschließlich übers Netz kommuniziere?
    Meine Daten der letzten Jahre sind verloren, weil meine Festplatte kaputt gegangen ist?
    Meine privaten Bilder sind jetzt auf irgendwelchen Tauschbörsen, weil ich sie im Netz gespeichert habe?

    Meine Befürchtung ist einfach, dass am Ende jeder nur noch naiv und planlos durch die Welt irrt, nichts hinterfragt und von irgendwelchen Medien, Konzernen, Staaten,… gesteuert wird.

  3. wak
    11. Januar 2011 at 21:46 #

    Du hast ja schreiberisches Talent, :) wir könnten uns bald mal abwechseln mit dem Guten Morgen!

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