Guten Morgen Bodensee!

Von Waltraud Kässer

Heute möchten wir darüber sprechen, wie Follower bei Twitter und Facebook Freunde auf Hilferufe reagieren, wir erzählen, weshalb wir die Aktion „Pfoten weg!“ unterstützen, und wir verraten, dass wir demnächst einen neuen Kuli von den Piratenpartei überreicht bekommen. Dafür gibt’s ein Extra-Lob!

Wer Google Mail und den Google Kalender benutzt, braucht ganz kein Outlook mehr. Gestern haben wir trotzdem  im Web um Hilfe gebeten. Die Frage lautete: Kennt jemand wen, der einen Outlook Posteingang wiederherstellen kann, der auch im gelöscht Ordner weg ist? Bei Facebook meldeten sich spontan zwei Freunde, der eine schickte seine Telefonnummer und der andere einen Link. Das war sehr nett. Morgen werden wir beim Outlook-Nutzer, dem sein Postfach abhanden kam, nachfragen, ob seine Daten gerettet sind. Eine ähnlich gute Erfahrung machten wir vor einigen Wochen übrigens in eigener Sache. Damals wollten wir wikileaksmäßig Originaldokumente auf das WordPress Blog stellen. Wir fragten bei Twitter, wie wir es machen könnten. Uns wurde geholfen. Seither vertrauen wir außer auf unsere Lieblingsinformatikerin immer öfter auch auf das Wissen der Vielen. Wir folgern daraus zudem: Offenbar funktioniert im Netz nicht nur Mundpropaganda, sondern auch Nachbarschaftshilfe.

„Kindesmissbrauch ist Mord an einer kleinen Seele“. Das sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete Siegfried Kauder, Mitglied des Geschäftsführenden Bundesvorstandes des Weißen Rings. Er hat die Schirmherrschaft für die Aktion „Pfoten weg!“ übernommen. Das ist gut so. „Pfoten weg!“ heißt ein Stück der Konstanzer Puppenbühne, mit dem Irmi Wette Kinder stark machen möchte. Sie sollen lernen, nein zu sagen und sich so gegen sexuellen Missbrauch wehren können.

Wir unterstützen die Aktion, weil wir wenigstens ein paar kleine Kinder persönlich kennen, sie sehr mögen und wir nicht möchten, dass sie eine schlimme Gewalterfahrung machen. Wir unterstützen die Aktion aber auch, weil wir Erwachsenen begegnet sind, die als Kinder Opfer sexuellen Missbrauchs geworden sind und manchmal Jahre brauchen, bis sie ein normales Leben führen können. „Kuscheln mag ich sehr, es ist ja auch gar nicht schwer, doch wenn ich mal nicht mag, ich das deutlich sag“, singt die Katzenfee im „Pfoten weg!“-Lied.

Es gibt Menschen, die gar nicht mehr kuscheln können, weil es andere Menschen gegeben hat, die ihre verletzlichen, kleinen  Seelen vor vielen Jahren getötet haben. Heute Abend treffen sich in Konstanz betroffene Frauen, um eine Selbsthilfegruppe Frauen nach sexuellem Missbrauch zu gründen. Los geht es um 19.30 Uhr im Büro für Bürgerschaftliches Engagement beim Landratsamt Konstanz. Wer sich anmelden möchte, kann das heute noch per E-Mail unter fragen@innifer.de tun.

Besonders viel Traffic hatten Beiträge über das Thema sexueller Missbrauch auf dem Blog bisher übrigens nicht. Viele Männer in unserem Bekanntenkreis sagten zuletzt, sie hätten den Beitrag gesehen, aber nicht gelesen. Einige Frauen dagegen bedankten sich. 24 von 100 Frauen hätten sexuelle Gewalt erlebt, haben wir in einem Blog gelesen. Wir wissen nicht, ob diese Zahl stimmt. Vor einiger Zeit ist uns öfter der Satz „Lasst uns mit eurem Krebs in Ruhe!“ begegnet. Vielleicht denken einige, wenn sie Berichte über Kindesmissbrauch sehen, „Lasst uns mit eurem Missbrauch in Ruhe!“ Gut, dass es die Aktion „Pfoten weg!“gibt.

Das Allerletzte: Gestern haben wir an dieser Stelle berichtet, dass wir einen Kugelschreiber der Piratenpartei im journalistischen Alltag getestet haben. Nach dem dritten Termin hatten wir bereits einen Totalschaden zu beklagen. Ein Freund, der Vorsitzender eines SPD-Ortsvereins ist, twitterte darauf hin: „Übrigens sind unsere Kulis recht robust.. ;)“.  Ein Konstanzer Pirat schickte einen Tweet mit folgendem Inhalt: Die Sache mit dem Give-away habe sogar in Berlin Beachtung gefunden. Er fragte, „brauchst Du nen neuen Kugelschreiber?“. Unsere persönliche Lieblingspiratin versicherte glaubhaft, die Berliner Piraten hätten sofort einen neuen Kuli eingetütet und nach Konstanz geschickt, wenn in Berlin gerade welche vorrätig gewesen wären. Waren sie aber nicht, so unsere Lieblingspiratin. Einen Ersatzkuli gibt’s jetzt  von den Konstanzer Piraten. Das hat die Landtagskandidatin persönlich versprochen. Wir werden dann auch den neuen Kugelschreiber im Dauereinsatz testen und planen einen Vergleichstest mit dem angeblichen so robusten SPD-Kuli und Kulis anderer Parteien.

Kommen Sie gut durch den Mittwoch!

2 Kommentare to “Guten Morgen Bodensee!”

  1. nurmalso
    19. Januar 2011 at 12:35 #

    In diesem Beitrag wird eine unterschwellig männerfeindliche Haltung offenbar. Woher die wohl kommen mag?
    Eine der allgemeinen Öffentlichkeit kaum bekannte Tatsache ist, dass bis zu einem Viertel der bekannten Missbrauchsfälle männliche Opfer sind. Diese haben so gut wie gar keine Lobby.
    Vielleicht sollte sich die Autorin außerdem einmal fragen, ob Männer und Frauen nicht einfach unterschiedlich mit Gefühlsäußerungen umgehen. Bloß weil Frauen mehr darüber reden, heisst dies nicht, dass Männer nichts empfinden würden.

  2. dk
    19. Januar 2011 at 13:56 #

    Sie haben mit ihrer Unterstützung der Aktion „Gegen Kindesmissbrauch“ sicher recht: wenn ein kleines Schaf auf grosse Schafe trifft und in diesen das Vorbildliche und Nachahmenswerte (als die deutlich besseren Schafe) sieht, aber später böse Wölfe erkennen muss, gibt es im harmlosesten Falle tiefe Enttäuschungen.

    Gestern abend ist mir eine neue Deutung von Bildung eingefallen „den Schwachsinn der Welt erkennen und einen entsprechenden (inneren) Abstand dazu wahren“.
    Gestern abend habe ich das Thema mit Rat- und Fassungslosigkeit aufgenommen; heute mischt sich eher auch tiefe Trauer darunter.

    Als Mann kann man Fremden nicht behilflich sein: auf den blauen runden Schildern zu Fussgängerwegen sind eindeutig eine Frau mit Kind (sich die Hände reichend) abgebildet, was man gestern bei einem Fahrrad-Platten als Verbot wahrgenommen hat.

    Das Gefühl des Versagens ist sicherlich vorhanden, verbunden mit dem Wunsch, dass es für die (nicht) betroffenen Kinder doch noch einen positiven Übergang gebe, um ein „besseres Schaf und kein Wolf“ zu werden.

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