Guten Morgen Bodensee!

Von Waltraud Kässer

Hurra wir leben noch. Sogar Konstanz ist nach sechs Tagen außer Rand und Band zur Normalität zurückgekehrt. Statt gruseligen Gesellen und bösen Hexen gehört die Innenstadt seit heute wieder den Espressotrinkern und Einkäufern. Konstanzer Nicht-Narren kehren zurück und nehmen ihre Stadt sozusagen wieder in Besitz. Alle, die unseren Blog in den vergangenen Tagen schwänzten, verzeihen wir. Wir begrüßen sie heute mit einem Facebook-Fake, der keiner war, ein letztes Mal mit dem Herumgeeiere des Singener „Wochenblatts“ und einem Skandälchen in Sibirien.

Die Hunderttausende Facebook-Unterstützer von Karl-Theordor zu Guttenberg sind echt. Das hat anscheinend ausgerechnet der Blogger Sascha Lobo herausgefunden. Die 587.678 Anhänger der Seite „Wir wollen Guttenberg zurück“ (Stand am Dienstagabend) seien kein Fake, heißt es jetzt. Offenbar gibt es mehrere Indizien, die die Echtheit der Fans belegen.

Kein Fake ist auch eine E-Mail, die Benjamin Hennes, der Landtagskandidat der NPD an See-Online schickte. Er äußerte sich zu den Vorkommnissen rund um den politischen Aschermittwoch in Singen. Hennes schrieb, es habe ihn überrascht, dass er überhaupt eine Einladung zur Podiumsdiskussion des Singener „Wochenblatts“ bekommen hatte. Mit dieser Reaktion war er nicht allein.

Wir möchten auf unserem Blog selbstverständlich keine Statements der NPD online stellen und verzichten darauf, den „Wählerbrief“ von Hennes zu veröffentlichen. Die Kommentare reichen uns längst.

Im Übrigen mutmaßen wir, dass das Singener „Wochenblatt“ seinerseits wohl überrascht war, dass nicht alle Kandidaten mit dem NPD-Kandidaten Hennes auf ein Podium sitzen wollten. Auch die Heftigkeit der öffentlichen Diskussion überraschte den Verlag mutmaßlich. Eine besonders schlechte Idee war es, das Podium zu splitten. Erst dann nämlich begann ein unsägliches, peinliches Herumgeeiere.

Eine schlechte Figur machten die Kandidaten von CDU, SPD, FDP und Grünen, die sich mit dem anscheinend überforderten Veranstalter am Ende klammheimlich auf zwei Podien geeinigt hatten. Nicht nur Ute Hauth, Landtagskandidatin der Piratenpartei in Konstanz, hatte die ausgemauschelte „rechts“- freie Runde der im Landtag vertretenen Parteien kritisiert. Die „Kleinen“ sollten am „Katzentisch“ sitzen. Der Linke Michael Krause hatte den „Katzentisch“ als erster empört verlassen.

Besonders schäbig war es, dass sich die „großen Parteien“ verdrücken wollten und es den „kleinen“ Parteien überlassen wollten, sich vor mehreren hundert Besuchern mit Nazi-Parolen auseinanderzusetzen.

Das Singener „Wochenblatt“ machte es sich derweil sehr einfach – es lud in höchster Not und unter Druck am Rosenmontag alle sogenannten „kleinen Parteien“ wieder aus und rettete so die Aschermittwochsveranstaltung insgesamt. Dass das „Wochenblatt“ nie öffentlich Position bezog und nie erklärte, weshalb es ursprünglich auch NPD und Republikaner eingeladen hatte, gehört leider ebenfalls zur miserablen Schmierenkomödie um Ein- und Ausladungen, Zu- und Absagen.

Der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg hatte, woran wir noch einmal erinnern möchten, am Montag vergangener Woche auf das „Recht auf Chancengleichheit“ ­– zumindest bei Podiumsdiskussionen an Schulen – hingewiesen. Das Gericht hatte „das verfassungsrechtlich verankerte Recht der politischen Parteien auf Chancengleichheit im Wahlkampf“ hervorgehoben.

Bei der Aschermittwochsveranstaltung des „Wochenblatts“ ist die Chancengleichheit kein Thema – oder nur, was die Chancengleichheit der im Landtag vertretenen Parteien angeht. Aber wundern muss es Wahlwatcher nicht. Auch das Quartierszentrum Berchen-Öhmdwiesen, das heute Abend ab 18 Uhr im Gemeindehaus der Evang. Johannesgemeinde in Konstanz Landtagskandidaten auf ein Podium setzt, nimmt es mit der Chancengleichheit nicht so ganz genau. Die Linken sind dort aber wenigstens dabei.

Die Biathlon-WM im sibirischen Chanty-Mansijsk hat gestern nicht nur sportlich für Schlagzeilen gesorgt: Beim traditionellen Presseempfang lagen dem Vernehmen nach als Deko auf Tischen anscheinend auch gleich noch zwei Nazi-Zeitungen aus, darunter eine Titelseite der NSDAP-Gauzeitung „Der Angriff“. Herausgeber der Parteizeitung war damals Reichspropagandaminister Joseph Goebbels. Das berichtet das Medienmagazin Meedia.

Vielleicht brauchen wir jetzt erst einmal einen Morgenkaffee und ein bisschen frische Luft. Nachher gibt es übrigens noch ein Weißwurstfrühstück bei Andreas Hoffmann und neue Plakate mit Köpfen. Schauen wir mal.

Kommen Sie gut durch den Aschermittwoch!

 

 

 

5 Kommentare to “Guten Morgen Bodensee!”

  1. Lothar Herzog
    9. März 2011 at 09:50 #

    Laut Südkurier findet amm 22. März in Steißlingen eine
    Kanditatenvorstellung statt.
    Anwesend ist die:
    CDU
    SPD
    FDP
    Grüne
    Linke
    Piraten
    Keinen Kommentar!

  2. Lothar Herzog
    9. März 2011 at 10:31 #

    Nehme ein „m“ zurück

  3. Ottobauer
    9. März 2011 at 13:31 #

    Nehmen Sie nicht nur das eine „m“, sondern allen Mist zurück, den Sie je geschrieben haben und dazu noch sich selbst!

  4. Lothar Herzog
    9. März 2011 at 13:37 #

    Bauer. Oder der ewige Lacherfolg. Das Ihnen demokratische
    Spielregeln ein Dorn im Auge sind ist nicht nur mir bekannt.
    Machen Sie sich nur weiter lächerlich.

  5. wak
    9. März 2011 at 21:26 #

    Ich habe soeben mehrere Kommentare in den Spam-Ordner verschoben oder sie erst gar nicht freigegeben. Hetze und Totalitarismus haben auf diesem Blog keinen Platz – genauso wenig wie infame Unterstellungen. Wer auf diesem Niveau weiter diskutieren möchte, sollte das bitte auf einem anderen Blog tun.

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