Guten Morgen Bodensee!

Von Waltraud Kässer

Draußen zwitschern die Vögel, und die Meteorologen fassen schon einmal zusammen: Der erste Frühlingsmonat brachte uns sehr viel Sonne und recht angenehme Temperaturen. Heute nähern sich aus Westen Wolken und Regen ist angesagt. Trotzdem gibt es auch erfreuliche Nachrichten.

In Singen wird sich keine Giftmüllfirma ansiedeln. Das Landratsamt Konstanz hatte im vergangenen Jahr den Antrag der Firma Montan Chemie GmbH nicht genehmigt. Das Unternehmen wollte in Singen gegen den Widerstand der Bevölkerung eine Anlage bauen, in der sie gefährliche und nicht gefährliche Abfälle lagern und umschlagen wollte.

Die Chemie GmbH, die im Kreis Konstanz nicht willkommen gewesen wäre, hat jetzt ihren Widerspruch gegen die Entscheidung des Landratsamtes zurückgenommen. Im Klartext heißt das: Die Firma Montan Chemie GmbH wird mit ihren giftigen Abfällen somit also nicht nach Singen kommen.

Noch einmal möchten wir heute Morgen auch auf das Konstanzer Konzilgespräch, zu dem die Stadt und der SWR2 am 8. April einladen, sprechen. Es ist so, dass das Thema gar nicht aktueller sein könnte. Im Konzil geht es um die „deutsche Angst“.

Fakt ist, keine Regierung hat auf die Katastrophe von Fukushima so schnell reagiert wie die Bundesregierung. Aus Angst vor möglichen Störfällen auch bei uns? Aus Angst vor der Angst vieler Wählerinnen und Wähler vor der Atomkraft?

Beim Konzilgespräch geht es auch um die Frage, ob die Deutschen ein besonders ängstliches Volk sind. Glaubt man den Meinungsumfragen, dann machen sich die Bürger in keinem europäischen Staat mehr Sorgen um ihre Zukunft als in Deutschland. Woran liegt das?

Das Thema des Abends heißt „Das ruinierte Vertrauen – Ist Deutschland eine Angst-Gesellschaft?“. Mit dabei ist neben anderen der Philosoph und Autor Richard David Precht. Das Konzilgespräch beginnt um 20 Uhr, Einlass ist um 18 Uhr.

Gestern Abend hat sich der Konstanzer Kreisverband von Bündnis90/Die Grünen zum ersten Mal nach der Landtagswahl zu einer Mitgliederversammlung getroffen. Siegfried Lehmann, den die Wähler im Kreis direkt in den Landtag wählten, sagte, es sei ein historisches Ereignis, dass es der Kandidat der CDU im Wahlkreis Konstanz nicht schaffte. Bisher war Lehmann „nur“ Abgeordneter einer Oppositionspartei. Als Wahlkreisabgeordneter fühlte sich Andreas Hoffmann (CDU). Jetzt sei er der direkt gewählte Abgeordnete der grün-roten Regierung. Daran müsse er sich erst einmal gewöhnen.

Bei Facebook hatte der nicht mehr wieder gewählte CDU-Landtagsabgeordnete Andreas Hoffmann in dieser Woche mahnend geschrieben: „ Ich wünsche dem neuen Direktmandatsträger Siegfried Lehmann alles Gute. Mit der neuen Rolle ist für ihn eine höhere Verantwortung für den Wahlkreis verbunden, als dies bisher in der Opposition der Fall war. Direktmandatsträger können viel bewegen.“

Apropos Verantwortung und bewegen. Siegfried Lehmann hat in der Vergangenheit mehrfach vor Gasbohrungen am Bodensee gewarnt. Thema sind solche Gasbohrungen übrigens auch in Nordrhein-Westfalen. Trotz Protests plant Exxon Gasvorkommen in NRW auszubeuten.

Wie am Bodensee liegt auch in Nordrhein-Westfalen das Erdgas in „unkonventionellen“ Lagerstätten, die von Gesteinsschichten umschlossen sind. Nur mit Hilfe von künstlichem Druck, mit der sogenannten „Fracking“-Technologie, kann das Gas entweichen. Millionen Liter Wasser werden bei dem Verfahren in die Erde gepumpt, damit das Gestein aufbricht. Es ist wie ein kleines Erdbeben. Gefährlich sind aber vor allem die vielen Tonnen Chemikalien, die in den Boden gepumpt werden, damit sich die Risse nicht wieder schließen.

Wem all das zu abstrakt ist, könnte sich den Oscar-nominierten Doku-Film „Gasland“ anschauen. Er erzählt davon, wie Bohrungen von Erdgasunternehmen im US-Bundesstaat Pennsylvania zur Kontamination des Trinkwassers geführt haben. Das scheinbar abstrakte Thema wird plötzlich sehr real.

Wir zeigen Ihnen den Trailer. Nehmen Sie sich 2 Minuten und 47 Sekunden Zeit – und Sie wissen Bescheid.

httpv://www.youtube.com/watch?v=dZe1AeH0Qz8

Starten Sie gut in den Donnerstag!

 

2 Kommentare to “Guten Morgen Bodensee!”

  1. Hinterwäldler
    31. März 2011 at 08:48 #

    Das muss ich erst einmal verkraften. Haben wir nicht grün gewählt?

  2. Lothar Herzog
    31. März 2011 at 14:16 #

    Auch als „Nichtgrüner“ kann man hier nicht Beifall klatschen.

    Aber eine kleine Mitteilung an die Grünen. Sie sind erst im Mai
    an der Regierung.

    bitte, üben Sie sich noch etwas in Geduld.

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