Guten Morgen Bodensee!

Von Waltraud Kässer

Heute möchten wir uns nur zwei Themen widmen: Ehec und dem Glasverbot, das so viele Konstanzer bewegt.

Die Spur des Ehece-Erreger führte zuerst angeblich nach Spanien. In Verdacht gerieten irrtümlich spanische Gurken. Noch nicht ausgeräumt scheint aktuell der Verdacht, dass Sprossen Ursache der Epidemie sein könnten. Die Verbraucher halten sich zurück. Auf der Gemüseinsel Reichenau vernichten die Bauern weiterhin jeden Tag Zehntausende Gurken. Der Landkreis will den finanziellen Schaden feststellen. Die Reichenau-Gemüse-Vertriebs eG fürchtet, dass das Geld, das die Europäische Union für Entschädigungszahlungen bereitstellen will, hinten und vorne nicht reicht. Die Situation mutet so ein bisschen an wie die nach Tschernobyl vor 25 Jahren. Der Unterschied: Damals war klar, dass das Gemüse radioaktiv belastet war. Der Ehec-Erreger dagegen ist (auf Reichenauer Gemüse) ein Phantom.

In Konstanz hat sich eine große Koalition, bestehend aus den politischen Jugendorganisationen aller Parteien, die in Konstanz aktiv sind, zusammengefunden und den „runden Tisch“ zum Glasverbot am Konstanzer Seerhein kritisiert. Der hatte sich am Montagabend getroffen. Auf Kritik stieß bei den politischen Jugendorganisationen, die das Glasverbot ablehnen, auch, dass der „runde Tisch“ unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattgefunden hat. Die Stadtverwaltung verteidigte das Treffen inzwischen in einer Medienmitteilung.

Die Situation ist bizarr. Menschen kommen auf öffentlichen Plätzen zusammen, unterhalten sich und feiern Partys. Anwohner fühlen sich gestört und sammeln Unterschriften. In der Stadt am Seerhein sorgt eine private von den Bewohnern bezahlte Security dafür, dass Besucher des Heroséparks nicht über die Stränge schlagen, Nachtwanderer patrouillieren und auch der Verein Betroffeneninitiative möchte für Ordnung sorgen. Ein ehrenamtlicher Streetworker mit Hund schlichtet nach eigenen Angaben Streits in der Seestraße. Gerufen werde er auch von Anwohnern, sagte er. Unter die Beteiligten mischen sich mittlerweile auch „Katastrophentouristen“, die nachts in kleinen Gruppen die Szenentreffpunkte besuchen, um sich selbst ein Bild zu machen. Die meisten fanden übrigens, dass es gar nicht so schlimm gewesen sei.

Wer in der Altstadt lebt, reibt sich tatsächlich verdutzt die Augen. Ein Kommentator verglich die Situation mit der an der Fasnacht. Wer da sechs schlaflose Nächte in Folge, Remmidemmi, Lärm, laute Musik, Trommeln, Geschrei und Scherben vor der Haustüre hat, versteht nicht ganz, worüber sich Anwohner der Seestraße und der Stadt am Seerhein aufregen. Wahrscheinlich ist es ganz einfach: Im Sommer feiern die Menschen aus der Altstadt und Petershausen am Rheinstrand und an der Fasnacht, während des Weihnachtsmarkts und während des Weinfests sind die Bewohner der Seestraße und der Schlossgärten eben zu Gast in der Altstadt und lassen die Sau raus. Und wir sind immer viele. Ach ja, einen großen Flohmarkt gibt es in Konstanz auch noch – und er findet zum Glück mitten in der Stadt und am linksrheinischen Ufer und nicht im Industriegebiet statt.

Der letzte Absatz ist nun sicher etwas gewagt, da zumindest die Fasnacht eine heilige Kuh in Konstanz ist. Ein echtes Problem sind am Seerhein tatsächlich nur die Scherben, die Parkbesucher und Badende gefährden. Die Konstanzer haben viele öffentliche Badestellen, an denen sie Zugang zum Wasser haben ohne Eintritt zahlen zu müssen. Das ist nicht überall am Bodensee so. Wieso können die Leute ihren Müll nicht einfach wieder mit nach Hause nehmen?

Die allerletzte Frage heute Morgen könnte nun noch sein, wo kommen eigentlich die abgeschlagenen Flaschenböden und Flaschenhälse her, die mutmaßlich senkrecht zwischen den Steinen am Ufer stecken? Ein böser Verdacht könnte da aufkommen, dass sie womöglich gar nicht von den Feiernden stammen.

Kommen Sie gut durch den Mittwoch!

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