Guten Morgen Bodensee!

Von Waltraud Kässer

Der Meteo verspricht uns einen wieder recht freundlichen, nicht zu heißen Tag. Die To-Do-Liste ist überschaubar. Wir sprechen heute Morgen mit Daniel Widmaier, der den ersten Konstanzer Openair-Bücherflohmarkt auf dem Konstanzer Münsterplatz mit organisiert, und wir widmen uns aus aktuellen Anlässen erneut dem Thema Web 2.0.

Beginnen möchten wir aber mit einer eher unerfreulichen Nachricht. 248 Menschen aus dem Kreis Konstanz sind im vergangenen Jahr wegen psychischer Störungen in Frührente gegangen, im Durchschnitt waren sie 49 Jahre alt. Das meldete die Techniker Krankenkasse (TK) in Konstanz und bezog sich dabei auf Zahlen der Deutschen Rentenversicherung.

Sind wir hier am See, wo oft die Sonne scheint und wir lässiger leben könnten, womöglich sogar unglücklicher als andere? Der Anteil psychisch bedingter Frühberentungen liege bei 48,1 Prozent und damit deutlich über dem Landesschnitt in Baden-Württemberg, so die Techniker Krankenkasse. Der liege er nämlich nur bei 39,5 Prozent. Bei Frauen ist es übrigens sogar besonders schlimm. Im Kreis Konstanz war sogar bei mehr als der Hälfte (51,8 Prozent) der Frührentnerinnen eine psychische Diagnose ausschlaggebend. Die Techniker Krankenkasse meint, Depressionen sind inzwischen eine Volkskrankheit in Deutschland.

Sprechen müssen wir heute auch über einen Beitrag in der taz. In dem Artikel hieß es, wenn Nutzer im Internet ihre Zustimmung zu politischen Konzepten durch einen Mausklick artikulieren, erhöhe das nicht das Maß an politischer Teilhabe, sondern nur die Frustration. Oft verbinde sich mit dem Anklicken einer Facebook-Seite der irrige Glaube, dieser Vorgang selbst sei partizipativ – und nicht nur Ausdruck bestimmter Überzeugungen und Sympathien. Das Schlagwort lautet: „One Click – No Vote“.

Dass im Internet und besonders in Sozialen Netzwerken oft nur Kommunikation simuliert wird, ahnen wir schon länger. Oft werden belanglose Botschaften ausgetauscht, die Menschen hinter Accounts, die sich persönlich oft noch nicht einmal kennen, sind nicht greifbar und, wer nicht mehr mag, entzieht sich.

Dass Klicks im Internet, wenn es um politische Meinungsäußerungen geht, vor allem frustrieren, glauben wir nun nicht. Zu oft ist auf Twitter zum Beispiel so sehr Stimmung gemacht worden, dass traditionelle Medien bestimmte Themen nicht mehr ignorieren konnten. Das war nicht nur das Simulieren von politischem Engagement – es zeitigte auch Wirkung.

Keineswegs ins Leere gelaufen ist auch unser See-Online Voting auf Facebook zum Thema Live-Stream aus dem Konstanzer Gemeinderat. Eine Mehrheit fand die Idee gut. Wir spielten den Ball weiter. Der Oberbürgermeister signalisierte Zustimmung und die SPD hat mittlerweile den Antrag gestellt, dass sich der Gemeinderat konkret mit dem Thema befasst.

Und noch einen Aufreger in der schönen neuen Welt gibt es. Google wird in Berlin ein neues, interdisziplinäres „Institut für Internet und Gesellschaft“ finanzieren. Was ist das nun, etwa ein Angriff auf die freie Forschung oder eine Chance für die Wissenschaft? Die entscheidende Finanzspritze in Höhe von 4,5 Millionen Euro für die ersten drei Jahre kommt vom Großkonzern Google. Zum Thema geäußert hat sich gestern übrigens auch die Piratenpartei. Die Internetpartei begrüßt Googles Engagement „Durch die Finanzspritzen eines der weltgrößten Internetkonzerne wird die eigentliche Herausforderung für das Projekt aber wohl sein, die dafür notwendige Unabhängigkeit zu gewährleisten“, erklärte der Bundesvorsitzende der Piratenpartei Sebastian Nerz. Er foderte: „Die Finanzierung des Instituts sollte deshalb schnellstmöglich auf mehrere Partner ausgedehnt werden.“

Das Allerletzte: Die Besucherzahl auf dem Konstanzer Bücherflohmarkt dürfte am kommenden Samstag je nach Zählweise gewaltig werden. Wenn wir es richtig verstanden haben, schlängelt sich die von Motorrädern angeführte Parade anlässlich des Christopher Street Days mitten durch das Antiquariat unter freiem Himmel. Wir sehen vor unseren Augen schon Motorräder, Comics, Wildschweinbraten, Bücher, Transvestiten, Science Fiction – und jede Menge nette Leute und gute Stimmung.

Kommen Sie gut durch den Donnerstag!

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