Guten Morgen Bodensee!

Kolumne – Aus der Flachwasserzone

Heute treiben uns erst einmal die abgesagte Kunstnacht in Überlingen, das klärende Gespräch zwischen dem Bildhauer Peter Lenk und dem Konstanzer Oberbürgermeister Horst Frank sowie die Aussicht auf einen Piratenlandesparteitag in Konstanz um…Was ist eigentlich  das Strahlende, Helle am Himmel?

Die Kunstnacht in Überlingen, die nur alle zwei Jahre stattfindet und die mit jeweils etwa 5000 Kunstbegeisterten ein riesiges Publikum hat, findet in diesem Jahr nicht statt. Nein, die klamme Stadt Überlingen ist nicht alleine schuld, obwohl sie den städtischen Zuschuss in Höhe von 2000 Euro komplett gestrichen hatte. Eine Stiftung sollte einspringen. Die Organisatorin habe es aber versäumt, den Antrag zu stellen. Man kann es nun drehen und wenden wie man will: Würde Oberbürgermeisterin Sabine Becker in Überlingen nicht mit dem Rotstift regieren, wäre der Zuschuss nicht gestrichen worden. Doch Städten und Gemeinden fehlen in diesem Jahr 15 Milliarden Euro in ihren Haushalten – und ein paar Millionen eben auch der Stadt Überlingen.

Vergleichsweise kostengünstig wegkommen könnten die Konstanzer. Peter Lenk hat ihnen bekanntlich eine Papstfigur als Leihgabe überlassen, die nun aber vom Konstanzer Bahnhof so schnell wie möglich wieder verschwinden soll. Oder doch nicht? Heute Nachmittag treffen sich Peter Lenk und Oberbürgermeister Horst Frank zu einer Elefantenrunde im Rathaus. Ein Feuilletonist habe seine Skulpturen einmal als „steinerne Theaterstücke“ beschrieben, erzählt Lenk. Das hat dem Bildhauer gefallen. Das Publikum amüsiert sich im Straßentheater und auf Plätzen und manche belächeln in Konstanz auch schon das Publikum, das sich entrüstet und empört ruft: Der Papst muss weg.

Auf Facebook haben wir gestern noch den Link zum Parteitag der Piratenpartei entdeckt und mal darauf geklickt. Die Szenen, die wir gesehen haben, erinnerten uns ein bisschen an eine studentische Vollversammlung zu Studentenzeiten an der Uni und nur sehr entfernt an einen Parteitag einer sogenannten etablierten Partei. Quo Vadis Piraten? Ob die Netz-Avantgarde doch noch eine richtig erwachsene Partei jenseits des Internets mit einem großen Programm wird? Eine Antwort gibt’s vielleicht schon am 12. und 13. Juni beim Landesparteitag in Konstanz. Fortsetzung folgt.

Starten Sie gut in die neue Woche!


Waltraud Kässer

Mehr zu den Piraten:

http://www.stern.de/politik/deutschland/parteitag-der-piraten-kentern-oder-entern-1566719.html

2 Kommentare to “Guten Morgen Bodensee!”

  1. der motzer
    17. Mai 2010 at 07:55 #

    Wir werden uns langsam daran gewöhnen müssen! Schöne Dinge die wir bisher als „selbstverständlich“ angesehen haben, finden mangels Sponsoren und Zuschüsse nicht mehr statt! Die Kunstnacht
    in Überlingen ist „nur“ ein erstes Opfer. Weitere werden folgen!

    Wie armselig und lächerlich müssen sich die Initatoren vorkommen, welche sich an der Lenkschen Papstfigur stören, die aber das gemeine Volk gerne sieht und liebt?
    Ob Kirche, Landesfürst oder Platzhirsch – habt ihr noch nicht gemerkt, dass wir im 21.Jahrhundert leben? Die Zeiten von Hexenverbrennungen und Ketzereien sind vorbei! Wir sind das Volk und wir sind wer – ihr ohne uns nix! Also lasst uns das „Päpslein“!!!
    Von Luc de Clapier Vauvenagues – Philosoph und Schriftsteller –
    (o6.08.1715 – 28.05.1747) – ist zum Thema Lächerlichkeit nachzulesen:
    „Alle Lächerlichkeiten der Menschen charakerisieren nur eine schlechte Eigenschaft, nämlich die Eitelkeit!“

  2. Fenedig
    17. Mai 2010 at 09:51 #

    „Piraten“ haben wohl keine Aspiration, „eine richtig erwachsene Partei“ zu werden. Sie versuchen eine – vorwiegend studentische/nachstudentische – Zielgruppe zu erreichen. Dürfen sie. Ihr Programm (?) bedient entsprechend genau so eine umrissene Klientenschaft, wie man es von der FDP oder den Linken gewohnt ist. Die Zersplitterung der Parteienlandschaft beruht auf dem populistischen Erfolg einfachster Antworten auf eine zunehmend komplexere Welt. Programmatisch breiter aufgestellte Parteien haben es da entsprechend schwerer. Deren Versuch, populistischer zu werden, endet bekanntlich bei der Stimmenthaltung potentieller Sympathisanten oder gar eigener Mitglieder.

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