Guten Morgen Bodensee!

Von Waltraud Kässer

Dieser Sommer ist doch noch ein schöner geworden. Die Wassertemperatur im Seerhein liegt weiterhin bei 19 Grad. Nur das Wasser wird immer weniger. Am Donnerstag und Freitag erwartet uns am Bodensee Bade- und Grillwetter. Erst am Wochenende könnte es dann nicht mehr ganz so schön sein.

Nicht auszuschließen ist es, dass Oberbürgermeister Horst Frank Dauerregen und niedrigere Temperaturen nur so herbei sehnt. Die letzten Würstchen wären dann nämlich gegrillt. Danach sieht es aber momentan weder an den Grillstellen noch in der Kommunalpolitik aus.

Die SPD möchte die Schließung des Grillplatzes auf Klein-Venedig denn auch nicht auf sich beruhen lassen. In einem ausführlichen Antwortbrief an Oberbürgermeister Horst Frank schilderten die Stadträtinnen Brigitte Leipold und Hanna Binder wie Horst Franks Stellungnahme bei ihnen angekommen ist. Sagen wir es so: Sie hat die Rätinnen nicht überzeugt.

Ins Spiel brachten sie auch gleich noch einmal jene fiktiven Zirkustiere, die angeblich Bürgeramtsleiter Hans-Rudi Fischer in die Manege geführt hatte und die womöglich ebenfalls eines Tages zu einer Sperrung des Grillplatzes führen könnten.

Vor unserem geistigen Auge sehen wir schon hungrig brüllende Löwen in Käfigen unruhig auf und ab schreiten, an den Gitterstäben rütteln und sich in der Manege weigern, durch Ringe zu springen, weil ihnen der Duft von Otto-Müller-Grillwürsten in die Nase steigt.

Nicht beteiligen möchte sich die SPD trotz aller Empörung an einer Grillaktion auf dem gesperrten Grillplatz, zu der Stadtrat Holger Reile für Freitag aufgerufen hat. Die Grillfete stellt sich der Stadtrat der Linken Liste Konstanz als Gegenveranstaltung zur Eröffnung des Oktoberfestes vor.

Sie wissen ja, am Freitagnachmittag bewegt sich der Oktoberfestumzug nach Klein-Venedig. Das Areal könnte am späten Nachmittag zu einem regelrechten Melting Space oder auch Kostümfest werden. Möglicherweise kommt es auf der Wiens zu einem Zusammentreffen zwischen unterschiedlich Kostümierten – wir denken da an uniformierte Ortspolizisten, in rote Fahnen gehüllte Linke, Dirndlträgerinnen und Lederhosenträger und vielleicht sogar ein paar punkige grillende  Jugendliche.

Die Linke Liste Konstanz hat gestern übrigens den Konstanzer Bürgermeister Claus Bodt zum Rücktritt aufgefordert. In der nichtöffentlichen Stiftungsratssitzung im April hatte eine Mehrheit des Gemeinderats beschlossen, den ehemaligen Leiter des Zentrums für Innere Medizin, Gert Müller-Esch, im Eilverfahren zu entlassen. Mehrere Räte, darunter auch die der Linken Liste, forderten damals, dass Müller-Esch die Möglichkeit eingeräumt werden solle, im Rat seine Sicht der Dinge darzulegen. Bürgermeister Claus Boldt ließ das nicht zu.

Die Stadträte Jürgen Wiedemann und Eberhard Roth haben beim Regierungspräsidium Boldts Verhalten überprüfen lassen. Die Antwort lasse nur zwei Schlussfolgerungen zu: Entweder kennen der Bürgermeister und seine Mitarbeiter die Gemeindeordnung nicht oder Boldt hätte  den Gemeinderat belogen, um den Rauswurf so schnell und geräuschlos wie möglich über die Bühne zu bringen, mutmaßt die Linke Liste. Das Regierungspräsidium stellte klar, dass die Gemeindeordnung durchaus die Möglichkeit geboten hätte, Müller-Esch als „betroffener Person“Gelegenheit zu geben, seine Auffassungen im Gemeinderat vorzutragen.

Claus Boldt sei für die kommunale Demokratie inakzeptabel. Er müsse abtreten, sagt die Linke. Am Rauswurf Müller-Eschs ändert das wohl aber nichts mehr. Die Parteien treffen sich vor dem Arbeitsgericht.

Das Blog dornröschen.nu, das den Fall begleitet hat und besonders intensiv über Müller-Eschs Entlassung berichtet hat, behauptet jetzt, dass Boldt eine Anhörung des Arztes verhindern musste, weil sonst eine fristlose Kündigung gar nicht mehr möglich gewesen wäre – die fristlose Kündigung musste aus rechtlichen Gründen innerhalb einer sehr kurzen Frist erfolgen.

Das Allerletzte: Das Café Restaurant und Bar „Droste“ in Meersburg kündigt jeden zweiten Freitag im Monat Live-Musik an. Zu Gast waren Anfang September Joe Cocker und Tina Turner. Ein Freund entdeckte den Hinweis auf das Live-Konzert in einer Anzeige, die im Magazin „Akzent“, dem Magazin für die Großstadt Bodensee, erschienen ist. Er sprach folgende Empfehlung aus: „Vielleicht solltest Du auch einen ,Hohl-Spiegel‘ einführen, nenn‘ es doch ,Stau-See’…“

Ein Kommentar to “Guten Morgen Bodensee!”

  1. Papuga
    14. September 2011 at 06:17 #

    Auch wenn es sich im Fall von Müller-Esch um eine Personalentscheidung handelte, aber transparente bürgernahe Politik sieht anders aus.

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