Guten Morgen Bodensee!

Von Waltraud Kässer

Sprechen wir heute am Tag After Tomorrow über Takeda, Ehrlichkeit und ein bisschen über Verkehr. Außerdem möchten wir sie mit folgender Nachricht überraschen: Axel Springer will die „Bild“ am 23. Juni kostenlos an jeden Haushalt in Deutschland ausliefern. Anlass sei der 60. Geburtstag des Bou­levard­blatts am 24. Juni, einem Sonntag. Rund 41 Mio Haushalte sollen betroffen sein. Das berichtete gestern der Mediendienst kress

Nein, unerwartet kam die Nachricht gestern nicht. Dass der Mittwoch mutmaßlich der Katastrophentag sein würde, an dem Takeda informieren würde, stand fest. Auch der Inhalt der Nachricht, den die Unternehmenskommunikation am gestrigen Vormittag verbreitete, vermochte nicht mehr zu überraschen. Auch, dass für kommenden Dienstag eine Demonstration in Konstanz geplant ist, war schon vor Tagen durchgesickert.

Weniger schlimm macht das Vorwissen die schlechte Nachricht aber nicht. 700 Menschen werden in Konstanz wohl ihren Arbeitsplatz verlieren. Helfen kann den Betroffenen niemand – trotz aller Solidaritätsdemonstrationen. Vielleicht könnte es am ehesten noch eine solide Transfergesellschaft tun. In einer Transfergesellschaft können Mitarbeiter, die einen neuen Job suchen ein Jahr lang „parken“ und sich weiter qualifizieren.

„Die Nycomed-Heuschrecken haben kassiert, die Mitarbeiter zahlen die Rechnung“, hatte die SPD gestern in einer Mitteilung geschrieben und forderte eine hohe Abfindung für die Betroffenen. Maßstab dürfe nicht nur die Betriebszugehörigkeit, sondern müsse auch die Höhe der Unternehmensgewinne in der Vergangenheit sein. Ein netter Gedanke. Immerhin ist in Konstanz der Bestseller Pantoprazol entwickelt worden. Die Forscher haben sich ihre Abfindungen selbst verdient.

Streng genommen haben die grün-roten Landtagsabgeordneten Siegfried Lehmann und Hans-Peter Storz natürlich Recht, wenn sie die „absolute soziale Verantwortungslosigkeit“ von Takeda rügen oder davon sprechen, dass sich das Unternehmen unanständig verhält. Sagen wir es so: Seit nicht mehr Unternehmerpersönlichkeiten, sondern auf Gewinnmaximierung fixierte Manager Entscheidungen treffen, spielen soziale Verantwortung und anständiges Verhalten sowieso keine Rolle mehr.

Das Allerletzte: Ein bisschen untergegangen ist gestern die Nachricht, dass die grün-rote Landesregierung einen Kassensturz gemacht hat und feststellte, dass geplante Straßenbauprojekte schlicht unbezahlbar sind. Die gelb-schwarze Regierung hatte Bürgern und Bürgermeistern hingegen Jahrzehnte lang vorgegaukelt, dass sie angeblich Straßen bauen wolle.

Einer, der das laut gesagt hat, war der Grüne Landtagsabgeordnete Martin Hahn aus dem Bodenseekreis. Vor und um Wahlen herum sei das Thema Verkehr missbraucht worden. Jahrzehnte lang seien Versprechen gemacht worden. „Nichts ist erreicht worden“, stellte der Abgeordnete fest. Der Landtagsabgeordnete sagte: „Straßenbau ist in den letzten Jahrzehnten nicht von den Grünen verhindert worden.“ Die Vorgängerregierung habe zu viele Straßen versprochen.

Hahn sprach sich für eine Priorisierung auch in der Region aus – und dafür, dass der Bodenseekreis vor allem den Bau der B 31 fordern sollte. Doch wie reagieren Bürgermeister oder der schwarze Landrat aus dem Bodenseekreis? Sie schauspielern, geben sich entsetzt und tun so, als ob sie weiter für Projekte wie neue Umgehungsstraßen kämpfen möchten, die laut Landesregierung doch gar nicht zu bezahlen und deswegen illusorisch sind. Winfried Kretschmann und Winfried Hermann haben sich sehr deutlich ausgedrückt. Wissen es der Herr Bürgermeister und der Herr Landrat nicht besser? Oder verkaufen sie Bürger für dumm?

So jetzt wird es aber Zeit für einen zweiten Kaffee. Kommen Sie gut durch den Donnerstag!

 

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