Guten Morgen Bodensee!

Kolumne – Aus der Flachwasserzone

Heute möchten wir uns Historischem, den Themen Mobilität und und noch einmal am Rande der Ausstellung „Die Welt im Topf – Kulturgeschichte der Bodenseeküche“ in Konstanz, widmen…

Der Konstanzer Flugplatz wird 100 Jahre alt. Die Flugzeuge hießen damals noch Rumpler Taube, Fokker und Junkers. Der Verkehrslandeplatz Konstanz ist anders als der Friedrichshafener Airport heute aber kein Landeplatz für Linienverkehr. In Konstanz heben nur leichtere Motor-, Ultraleicht- und Segelflieger ab. Während des Seenachtsfests und bei Rock-am-See mutiert der Grasplatz zu einem gigantischen Campingplatz. Der Heimatflughafen der Konstanzer liegt denn auch nicht an der B 33, sondern an der Schweizer Autobahn und heißt Kloten.

So wie es aussieht möchte die Stadtmarketing Konstanz GmbH den Geburtstag des Flugplatzes vom 18. bis 20 Juni aber ganz groß feiern. Darüber, ob es auch eine kleine Airshow und tollkühne Männer in fliegenden Kisten zu sehen gibt, wird das Stadtmarketing heute morgen informieren. Stadtmarketingchef Hilmar Woernle zumindest ist ein Oldtimerfan – wenigstens zu Lande. Die mittlerweile ebenfalls schon betagte Cocorde, jene Diva der Lüfte, die ihre besten Zeiten hinter sich hat aber angeblich vor einem Comeback stehen soll, wird den Verkehrslandeplatz aber wohl nicht anfliegen. Mehr zur Concorde unter: http://www.ftd.de/wissen/technik/:comeback-einer-diva-die-concorde-soll-wieder-fliegen/50120176.html

Während wir Dokumente heute vollkommen papierlos erstellen und sie – je nach persönlicher Vorliebe oder Anlass – in den Schriften Times New Roman, Arial, Modern oder Franklin Gothic Medium als Word Dokumente oder gleich als Google Text abspeichern, tun wir uns mit dem Lesen handschriftlicher Briefe eher schwer. Besonders hilflos sind wir, wenn wir Uromas altes Rezept- oder Backbüchlein finden oder eine Stapel alter Briefe. Die deutsche Sütterlinschrift, die ab 1915 in Preußen eingeführt und später von den Nazis verboten wurde, ist für viele von uns schlicht unlesbar. Der AWO-Ortsverein hat nun entschieden, demnächst eine Sütterlin-Schreibstube einzurichten. Menschen, die die Schrift noch schreiben und lesen können, werden Dokumente übersetzten.

Damit wären wir nun auch wieder bei der Sonderausstellung des Rosgartenmuseums „Die Welt im Topf“, die ab 6. Juni im Kulturzentrum gezeigt wird. Feierlich eröffnet wird sie am Sonntag um 11 Uhr im Festsaal des Steigenberger Inselhotels Konstanz. In der Ausstellung zu sehen ist den ganzen Sommer über die „Kulturgeschichte der Bodensee-Küche“. Präsentieren wird Museumsleiter Tobias Engelsing wieder Alltagsgeschichte, zu der auch 1914 in eine Glas eingeweckte Mirabellen und alte in Handschrift verfasste Rezepte gehören. Wer sich von der Spurensuche inspirieren lässt und auf dem Dachboden möglicherweise selbst noch alte Rezepte aufstöbert, könnte sie sich in der Schreibstube – demnächst unter http://www.suetterlin-schreibstube.de – übersetzen lassen und die Konstanzer Magerküche mit Entenbraten und Hecht selbst nachkochen.

Mehr über die Ausstellung „Welt im Topf“ gibt’s unter http://www.aktuelles-bodensee.de/2010/05/27/wie-kuchentraditionen-einzug-am-bodensee-hielten/.

Starten Sie gut in die neue Woche!

Waltraud Kässer

Ein Kommentar to “Guten Morgen Bodensee!”

  1. Fenedig
    31. Mai 2010 at 10:43 #

    Kaum zu glauben, dass man im den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts von Konstanz aus – der Flugplatz war bis 1965 noch östlich des jetzigen gelegen – linienmässig nach München, Stuttgart, Wien oder Zürich fliegen konnte. Um die fliegerische Tradition einigermassen aufrecht erhalten zu können – auch ohne Liniendienste! – wäre es angebracht, die „zurückhaltende Infrastruktur“ des Platzes etwas der Neuzeit anzupassen und ihn touristisch und gewerblich attraktiver zu präsentieren. Raum für eine befestigte Piste von 750×24 Meter ist vorhanden. Gleichzeitig wäre die Verlegung der Gebäude auf die Nordseite wohl sinnvoller, als sie auf Dauer an der viel befahrenen, jetzt vierspurigen B33 zu belassen. Doch, was wird Helmut Schmidt zugeschrieben: „Wer Visionen hat, sollte zum Arzt“. Das kann allerdings auch denkfaul machen. Wäre somit nicht nur für Konstanz ein schlechtes Rezept für die Zukunft.

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