Guten Morgen Bodensee!

Von Waltraud Kässer

Heute Morgen widmen wir uns erst einmal dem Thema Wissen

Sollten Ihnen am Wochenende der Sinn nach eher philosophischen Fragestellungen stehen, könnten Sie eine Website der Uni Konstanz besuchen. „Vom Wert des Nicht-Wissens“ handelt ein Gespräch mit Marcus Twellmann.

Falls Sie sich fragen, wer Marcus Twellmann ist und wieso Nicht-Wissen wertvoll sein könnte, möchten wir Ihnen sehr gern auf die Sprünge helfen.

„Nicht-Wissen“ lautet immerhin ein aktueller Forschungsschwerpunkt des Exzellenzclusters „Kulturelle Grundlagen von Integration“ wie auch das Jahrgangsthema des Kulturwissenschaftlichen Kollegs an der Universität Konstanz.

Marcus Twellmann studierte Literaturwissenschaft und Soziologie in Bielefeld, Paris, New York und Berlin. 2003 wurde er in Frankfurt/Oder mit einer Arbeit über „Das Drama der Souveränität. Hugo von Hofmannsthal und Carl Schmitt“ promoviert. Nach einer Gastprofessur an der Johns Hopkins University in Baltimore habilitierte er sich 2009 an der Universität Bonn mit seiner Arbeit „‚Ueber die Eide‘. Zucht und Kritik im Preußen der Aufklärung“. Seit 2009 koordiniert er an der Universität Konstanz die Forschungsstelle „Kulturtheorie und Theorie des politischen Imaginären“.

Wir zitieren an dieser Stelle den Wissenschaftler, der im Interview erklärt: „Historisch gesehen ist die Neuzeit beherrscht von einem Willen zum Wissen. Dass Wissen gegenüber Nicht-Wissen zu bevorzugen ist, scheint uns selbstverständlich und geradezu natürlich. Das war nicht immer so und muss nicht so bleiben.“

Marcus Twellmann nimmt Bezug auf die Genomanalyse und sagt: „Lange Zeit ging man im Bereich der genetischen Beratung davon aus, dass mehr Wissen immer gut ist. Heute ist man da vorsichtiger. Keinem Patienten dürfen unaufgefordert Informationen aufgezwungen werden.“ Außerdem hat er noch ein Beispiel aus der Soziologie parat und spricht über Paar-Beziehungen.

Das ganze Interview Marcus Twellmann, das insgesamt etwas kurz geraten ist, gibt es, wie versprochen einen Mausklick entfernt im Netz.

Vom Wissen handelt auch unser nächster Absatz. Die Bundestagsverwaltung stellt Arbeiten der Wissenschaftlichen Dienste nur Parlamentariern zur Verfügung und legt Berufung gegen ein Urteil zur Herausgabe einer Dissertation an einen Bürger ein. Das berichtet die Piratenpartei. Sie fordert für alle Bürger freien Zugang zu den Dokumenten.

„Für mich ist es selbstverständlich, dass wissenschaftliche Arbeiten, Gutachten und Analysen, die aus Steuermitteln finanziert werden, für den allgemeinen Gebrauch freizugeben sind“, so das Zitat eines Piraten. „Die Abgeordneten im Bundestag vertreten die Bürger. Wieso sollten Bürger nicht das gleiche Recht auf Informationen haben?“ Tja, wieso eigentlich nicht, fragen auch wir uns.

Vage erinnern wir uns an eine Arbeit, die auch uns sozusagen „zugänglich gemacht“ worden ist. Wir durften die Arbeit des Wissenschaftlichen Dienstes nicht weiter geben und auch nicht wörtlich aus ihr zitieren. es war ein bisschen heikel. Hätten wir uns nicht dazu verpflichtet, hätten wir sie gar nicht in die Finger bekommen. Das fanden wir damals auch irgendwie unverständlich.

Wissen lassen möchten wir Sie heute Morgen ansonsten noch wie es Thomas Nöken geht. Wer ist Thomas Nöken, mögen Sie sich vielleicht fragen, wenn Sie nicht zufällig in Überlingen oder Radolfzell wohnen. Wir erklären es gern. Thomas Nöken ist neuer Stadtbaudirektor in Radolfzell. Der 47-Jährigen Stadtplaner aus Uhldingen-Mühlhofen, der bisher das Überlinger Stadtplanungsamt leitete, findet – wie wir vernehmen – sehr lobende Worte für Radolfzell. Insbesondere die verkehrsberuhigte Altstadt mit viel frischer Luft und dem funktionierenden Verkehrskonzept sowie der hohe Erholungs- und Freizeitwert hätten es dem dreifachen Familienvater angetan, teilte die Stadt Radolfzell mit.

Na und, mögen Sie nun vielleicht denken. Wir erklären es ganz vorsichtig so: Jahre lang arbeitete Nöken an einem Verkehrskonzept für Überlingen mit. Auch der Stadtplaner hat sich daran die Zähne ausgebissen und auf eine Verkehrsberuhigung ihrer Altstadt warten die Überlinger immer noch. Oder sie warten vielleicht auch gar nicht.

Wenn wir so unsere Kommentarspalte anschauen, könnten wir allerdings auf die Idee kommen, dass einige Überlinger alles lassen wollen wie es ist und nur den Verkehr an wenigen neuralgischen Punkten, bevorzugt direkt vor ihre  Haustüren, weg haben möchten.

Ein schönes Wochenende!

 

Ein Kommentar to “Guten Morgen Bodensee!”

  1. dk
    27. Januar 2012 at 20:24 #

    Ein anderer (aber sehr erfolgreicher) Vertreter des Nicht-Wissens hat sich beim WEF in Davos vor der Welt-Elite Gehör verschafft; zumindest bei einer CH-Zeitung. Er will auch andere Studierende zum Nicht-Studium motivieren und fördert diese 2 Jahre duch eine Stipendium.
    In den Kommentaren zum Artikel wird über die „bessere Bildung“ und „Unternehmertum“ diskutiert: persönlich tendiere ich heute mehr für ein bescheidenes Unternehmertum nach dem Motto „jeder ist seines eigenen Glückes Schmied“. Heute wäre „Unglückes Schmied“ sicher richtiger.

    Das Thema „Nicht-Wissen vs. Wissen vs. fehlerhaftes Wissen“ (was zu Fehlentscheidungen führt) ist nicht nur für die Genetik, sondern auch Psychologie, Soziologie und Politik interessant und kann ganze Lebensläufe (ver-)formen.

    Der Uni-Verächter
    http://www.tagesanzeiger.ch/kultur/diverses/Der-UniVeraechter/story/27430306

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