Guten Morgen Bodensee!

Von Waltraud Kässer

Sprechen wir heute Morgen über die alten Gäule Printzeitungen und reden wir von den Juchtenkäfern, die in Kressbronn die Gestalt von Fledermäusen angenommen haben. 

Seit einiger Zeit sind wir auf Facebook mit Sigmar Gabriel, dem SPD Vorsitzenden, befreundet. Natürlich ahnen wir, dass Herr Gabriel nicht jeden Kommentar selbst verfasst. Schließlich sind auch wir – da ein Blog leider nicht ganz auskömmlich ist – unsererseits im Bereich PR und Kommunikation engagiert. Einige Posts aber dürften aber von Sigmar Gabriel persönlich stammen.

Am Samstag haben wir bei Facebook folgende Mitteilung von Gabriel gelesen: „Ich bin Realist. Ich glaube nicht, dass ich die Sozialen Netzwerke wirklich verstanden habe. Aber ich habe den Eindruck, dass auch manche Journalisten Schwierigkeiten damit haben. Jedenfalls habe ich in den letzten Wochen eine gewisse Gereiztheit bei Journalisten gegenüber meinen Facebook-Aktivitäten festgestellt. Das mag auch daran liegen, dass jeder jetzt im Original lesen kann, was der Zeitungsleser früher nur durch die Brille des Redakteurs wahrnehmen konnte. Das macht Journalismus keineswegs überflüssig, aber das verändert ihn. Das Schöne an Facebook ist ja: jeder kann nachlesen, was ich da so von mir gebe. Und das mit dem vergleichen, was darüber in der Zeitung steht.“

Wir finden, Sigmar Gabriel hat den Nagel auf den Kopf getroffen und eine sehr treffende Analyse im Stream hinterlassen. Direkte Kommunikation beraubt klassische Medien ihrer Torwächterfunktion. Das kommt einem Machtverlust gleich. Sie verlieren die Deutungshoheit und das ertragen sie nicht so leicht.

Im Bereich PR und politische Kommunikation rate ich Kunden fast immer zur direkten Kommunikation, das ist ein bisschen wie ein persönliches Gespräch. Die Erfolge, davon bin ich überzeugt, sprechen für die direkte Kommunikation.

Am Freitag haben auch wir auf dem Blog zum Beispiel auch kurz  darüber berichtet, dass es nun anscheinend doch keine grundsätzlichen Differenzen zwischen der Überlinger CDU und der Überlinger Oberbürgermeisterin Sabine Becker, ebenfalls CDU, gibt. Becker hatte sich, wie die Drei hinterher gemeinsam erklärten, mit Günter Hornstein, dem Fraktionsvorsitzenden im Gemeinderat, und dem Überlinger CDU Vorsitzenden Andreas Wissmann zu einem klärenden Gespräch getroffen.

Erwähnenswert finden wir nun auch noch den Kommentar, der dazu in der Lokalzeitung erschienen ist. Nein, die Zeitung habe gar nicht dazu beigetragen, dass der Eindruck von einem Auseinanderleben von Partei und Oberbürgermeisterin entstand. Aha.

Immerhin hatte die Zeitung eine fette Schlagzeile gedichtet und den Beitrag übers riesengroße Zerwürfnis just am 5. Januar, am Tag des traditionellen Dreikönigstrunks, ins Blatt gehoben, den die OB übrigens zugunsten eines Bürgerempfangs abschaffen wollte, was der CDU auch nicht gefallen hat. Das war ganz großes Kino.

Die Lokalzeitung brachte sich mit dem Aufmacher ins Gespräch – und das in Zeiten, in denen die Printzeitungen immer mehr Leser und ihre Torwächterfunktion verlieren. Da braucht es solche Geschichten zwingend. Uns kommen gleich die Krokodilstränen.

Tja, das ist heute im Journalismus so. Oft sind Geschichten auch noch schlecht recherchiert – und  es ist leider auch nicht nur in Überlingen so. Es schmeckt wie eine fade Tütensuppe.

Hinweisen möchten wir heute Morgen ansonsten noch darauf, dass es vielleicht doch noch Gerechtigkeit gibt. Mehrmals hatte auch dieses Blog über das Aus für die Bodan-Werft in Kressbronn berichtet. Die Arbeiter waren am Ende leider die Dummen. Die IG Metall, namentlich Lilo Rademacher, war fassungslos und zornig. Sie hatte den ehemaligen Werftbesitzer und den Kressbronner Bürgermeister heftigst kritisiert.

Jetzt erleben Gemeinde und jene, die aufs alte Werftgelände Häuser und eine Marina bauen wollen, aber sozusagen ihren persönlichen Juchtenkäfer. Im alten Gebäude sind nämlich Fledermäuse entdeckt worden. Aus Gründen des Artenschutzes darf altes Gemäuer in diesem Fall nicht ohne weiteres abgerissen werden. Das geht so oder so ähnlich  aus einer Antwort der Landesregierung auf eine kleine Anfrage des Grünen Landtagsabgeordneten Martin Hahn hervor.

Wir fassen zusammen: Außer Denkmalschutzgründen stehen dem Abriss der alten Werft nun also auch noch Fledermäuse entgegen. Der Besitzer habe bisher noch keine überzeugenden Vorschläge gemacht, wie er die Probleme lösen wolle, stand übrigens auch noch in der Antwort der Landesregierung zu lesen.

Wir bleiben ganz entspannt und sagen: Vielleicht gibt es sie doch, die Gerechtigkeit.

Starten Sie gut in die neue Winterwoche! 

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