Guten Morgen Bodensee!

Von Waltraud Kässer

Wie viel Kultur braucht das Land, fragte in der vergangenen Woche das Magazin „Der Spiegel“ und das fragen auch wir heute Morgen. Wir mögen uns nicht vorstellen, dass unser Theater oder unsere Museen geschlossen werden könnten.

Das Subventionssystem stehe vor dem Kollaps hieß es in der vergangenen Woche im „Spiegel“.

Aufgestellt haben diese These und noch einige andere vier – so nennt sie „Der Spiegel“ – Experten, Dieter Haselbach, Pius Knüsel, Armin Klein und Stephan Opitz. Sie forderten, wenn wir es richtig verstanden haben, dass die Hälfte der Theater, Museen und Bibliotheken geschlossen werden sollte.

Wer die Provokationen nachlesen möchte, kann das in der in Buchform erschienenen Streitschrift „Der Kulturinfarkt: Von Allem zu viel und überall das Gleiche. Eine Polemik über Kulturpolitik, Kulturstaat, Kultursubvention.“ tun.

Weder Theaterintendanten, noch Orchesterchefs oder Museumsleiter werden solche Aussagen gern hören.

Im Gegenteil: Erst in der vergangenen Woche hatte der Konstanzer Theaterintendant Christoph Nix beklagt, dass das Konstanzer Theater das von Stadt und Land am schlechtesten geförderte Theater in Baden-Württemberg sei und mehr Förderung, konkret eine höhere Förderquote, vom Land verlangt.

Der Leiter der Städtischen Museen in Konstanz Tobias Engelsing hatte in der vergangenen Woche bemängelt, dass zum Beispiel ein Audioguide fürs Museum nicht finanzierbar sei, weil die Stadt dafür bisher kein Geld ausgeben wollte.

Engelsing sorgte sich übrigens ganz unabhängig von der Streitschrift um die Zukunft der Museen. Er sagte, wenn es die Museen nicht schafften, die Digital Natives, also jene Generation, die mit dem Internet aufgewachsen ist, für das Museum zu begeistern, sei es in 20 oder 25 Jahren diese Generation, die die Museen aus Kostengründen schließen werde.

Eine Ausstellung wie „Chapeau“ koste rund 60.000 Euro, eine große Ausstellung wie „Die Welt im Topf“ sogar rund 120.000 Euro. Jedes Jahr holt Engelsing allein für das Rosgartenmuseum etwa 40.000 bis 50.000 Euro an Drittmitteln – inklusive Exponat- und Kunstspenden – herein. Ohne öffentliche Förderung wäre das Museum trotzdem nicht vorstellbar.

In Überlingen hat die Stadt angesichts der andauernd dramatisch schlechten Haushaltslage den Kulturetat mächtig geschrumpft und die Förderung in vielen Bereichen zurückgefahren. Das Sommertheater möchten die Überlinger unbedingt behalten, sparen dafür aber am Theater im Kursaal in den Wintermonaten.

Kulturreferent Michael Brunner ist derzeit am Wirbeln. Der Kunsthistoriker soll mithelfen, wenn es darum geht, eine Bürgerstiftung auf die Beine zu stellen.

So wie es aussieht, könnte uns das Thema Kulturförderung, die Zukunft unserer Kultureinrichtungen und die Frage, wie viel uns die Kultur wert ist, noch länger beschäftigen.

Kommen Sie gut durch den Dienstag!

Ein Kommentar to “Guten Morgen Bodensee!”

  1. dk
    20. März 2012 at 17:15 #

    Etwas kulturelles Wissen erscheint sinnvoll. Zufällig habe ich heute vormittag beim Shopping meine drei 1 Euro-Stücke genauer angesehen. Ergebnis: 2x der BRD-Adler, 1x eine komische füllige Gravur mit Buchstaben herum, die als „Liberty, Egalite, Fraternitee“ gelesen wurden.

    99 %

    Schon beim Thema „99 %“ hatte ich mich an einen dunkelhäutigen US-Austauschstudent in S-Anhalt erinnert, der sehr schnell aufgenommen wurde und tiefere Freundschaften fand; nach 2 Wochen hatte ich ihn in einer Gruppe wieder gesehen, wo er wie ein gebürtiger Deutscher gewirkt hat.

    Man muss allerdings berücksichtigen, dass sich Ossi-Studenten/Innen damals sehr für West-Austausch (insbes. die USA) interessiert haben (sicher auch heute noch). Der politische Slogan „Proletarier aller Länder vereinigt euch“ spielt dabei keine Rolle: eher etwas „Egalitee und Fraternitee“. Sicher verbindet das Bewusstsein der Zugehörigkeit zu 99% (bzw. eine gewisse Wahrscheinlich in der näheren oder fernen Zukunft) und macht manches einfache, so dass kulturelle und sprachliche Verschiedenheiten überbrückbar erscheinen.

    Der Unterschied zu Brechts Faschismus-Bezug zu heute ist eine weltweite Mobilität und das Internet, sowie das Fehlen eines Kriegszustandes (der damals „umfassend“ war). Man hat heute auf niedrigem Niveau sicherlich Auswahl-Möglichkeiten. Vielleicht ist neben Frankreich auch bei den Osteuropäern noch etwas „Egalitee und Fraternitee“ vorhanden; vielleicht sogar am Bodensee? Dabei denke ich nicht an den badischen Freiheitsheld Hecker, sondern eher an viele Ossis und Migranten aus östlichen Richtungen.

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