Guten Morgen Bodensee!

Von Waltraud Kässer

Heute morgen widmen wir uns Tiergeschichten und möchten am Rande darauf hinweisen, dass wir Sie am Sonntag nicht in den April schicken.

Wir hatten uns selbstverständlich schon einen Aprilscherz ausgedacht. Das Szenario sollte in etwa so aussehen: In den Resten der geheimnisumwitterten, von Menschen zerstörten Heidenhöhlen – denen das Städtische Museum Überlingen gerade eine Ausstellung widmet – entdecken Forscher Vogeleier.

Die Wissenschaftler können DNA isolieren, die sie in ein Hühnerei einpflanzen. Die Eier kommen in einen Brutkasten und es schlüpfen kleine Waldrappe.

Waldrappe, die früher auch in den Heidenhöhlen brüteten, sind bei uns seit ungefähr dem 17. Jahrhundert ausgestorben. Wir hätten gezeigt, wie die neu zum Leben erweckten Waldrappe auf dem Konstanzer Verkehrslandeplatz erste Flugversuche machen. Außerdem wollten wir den Leiter der Städtischen Museen in Konstanz, Tobias Engelsing, gern vor einem ausgestopften Waldrapp interviewen und ihn über die Bejagung und Ausrottung von Waldrappen sprechen lassen.

Zu diesem Zeitpunt kannten wir allerdings Dr. Matthias Reinschmidt, den zoologischen Direktor des „Loro Parque“ auf Teneriffa, noch nicht. Dann aber zappten wir zufällig in die Tier-Doku „Reinschmidts wilde Welt’“ auf VOX und sahen im Fernsehen ausgerechnet junge Waldrappe.

Im Salzburger Land lernten die von Menschen aufgezogenen Vögel, die in Mitteleuropa ausgestorben waren, gerade fliegen und ihre Pfleger machten  ihnen vor, wie es geht. Die Waldrapp-Jungen mussten einem Ultraleichtflugzeug hinterher fliegen. Die  Ziehmama rief dauernd in ein Megaphon „Waldrapp komm’“. Die elternlosen Vögel lernten, dass sie vor dem Winter über die Alpen nach Italien fliegen müssen.

Das Auswilderungsprojekt sei erfolgreich verlaufen, haben wir erfahren: 2007 kamen die ersten Waldrappe sogar selbstständig nach Österreich zurück, ein Jahr später flogen drei Waldrappe ohne menschliche Hilfe ins Überwinterungsgebiet in die Toskana. Damit steige die Chance, die Vögel, die in Europa in freier Wildbahn eigentlich ausgerottet waren, im Alpenraum wieder anzusiedeln, hieß es.

Sprechen wir deswegen lieber über Elche und Elchköpfe. Letztere hingen in früheren Zeiten als Deko im Konstanzer Konzil. Ein Exemplar war im vergangenen Jahr auch in der Ausstellung „Ewige Steine“ im Konstanzer Richentalsaal zu sehen, was uns irritierte. Wir fragten uns schon, ob es in Konstanz früher Elche gab. Der Leiter der Städtischen Museen klärte uns damals auf, dass es Mode gewesen sei, solche Trophäen an die Wand zu hängen.

Wir fragen uns nun, ob die Elche wohl zurückkehren? Der Konstanzer Gemeinderat befasste sich gestern nämlich unter anderem mit der Frage, ob im Konstanzer Konzil eine Wand aus einer Umbauphase des Konzils aus der Zeit von 1911/12 erhalten werden sollte.

Nehmen wir das Ergebnis vorweg. Ja, die Mehrheit im Rat möchte, dass die Kunststeinwand, die den unteren Konzilsaal vom Foyer trennt, stehen bleibt und verschmäht eine Glaswand. Wir gehen davon aus, dass konsequenterweise nun auch die Elchköpfe wieder an die Wände kommen.

Kein Wunder, dass sich unter solchen Bedingungen kein Oberbürgermeister für Konstanz findet.  „Eine Stadt findet keinen Oberbürgermeister“, titelte mittlerweile sogar schon die Welt online.

Wir fürchten, die Elche sind schuld. Der noch amtierende Oberbürgermeister stimmte übrigens gestern gegen die Wand und damit auch gegen Elche.

Starten Sie gut ins Wochenende!

4 Kommentare to “Guten Morgen Bodensee!”

  1. Franz Sauerstein
    31. März 2012 at 19:14 #

    Darf ich mich aufstellen lassen? Das macht sich bestimmt gut im Lebenslauf.

    • wak
      2. April 2012 at 14:21 #

      So wie ich es vernehme, haben die Hiobsbotschaften in den Zeitungen zu einer gesteigerten Nachfrage nach dem Job des OB geführt. Aber das KSP wäre sicher eine gute Referenz ;-)

  2. Winfried Kropp
    31. März 2012 at 23:42 #

    Die schärfsten Kritiker der Elche waren früher selber welche :-)

  3. dk
    1. April 2012 at 08:59 #

    Die Sehnsucht nach Skandinavien scheint trotz Alpennähe akut zu sein.

    Vor wenigen Tagen habe ich ein kleines Päckchen durch einen Paketdienst zugestellt bekommen: es handelte sich um 2 Mauspads (für die PC-Maus) aus Kunstleder mit gestepptem Rand gegen Ausfranzen. Das Päcken war superleicht und hätte mind. 20 Mauspads aufnehmen können; also sehr viel Luft.

    Komischerweise war der Auslieferer ein sehr dunkelhäutiger breitschultiger Hüne mit ca. 2 m Grösse, inkl. fast zarter kindlicher Stimme, der nur lächelte (wegen des Gewichtes?). Ich hatte es mit Deutsch versucht, vielleicht konnte er auch gar kein Englisch sprechen. Die Begegnung hatte mich sehr gefreut: keine Konfrontation mit Kultur, Tradition, Politik, usw.; eher von weltweitem Internet mit vielen Mrd. Menschen mit (etwas) einfacherer Kommunikation, Dialogen und Diskussionen. Laut einem Artikel soll es in den USA aber auch einen geringen Anteil geben, die das etwas anders sehen.

    Zumindest hatte ich gestern bei Youtube über ein Symbol eine weltweite Aktion entdeckt, die erklärte, weswegen der Hintergrund nicht mehr weiss, sondern schwarz gewesen ist. Am 31.03.2012 sollte für 1 Stunde weltweit das Licht ausgeschaltet werden. Nur nicht am Bodensee?

    http://www.youtube.com/user/earthhour/featured

Schreibe einen Kommentar

Hinterlassen Sie hier Ihren Kommentar. Bleiben Sie bitte nett. Ihre E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.