Guten Morgen Bodensee!

Von Waltraud Kässer

Heute ist kein guter Tag für das Internet. Die schwarz-gelbe Bundesregierung will das Leistungsschutzrecht beschließen. Leider könnten die schwarz-gelben Politiker, Menschen, die das Web anscheinend nicht verstanden haben, damit das Internet, so wie es heute funktioniert, aus der Balance bringen. Deswegen heute Morgen ein Guten Morgen in eigener Sache.

Das Web funktioniert, wenn es um die Verbreitung von Nachrichten geht, grob gesagt so: Zeitungsverlage stellen ihre Nachrichten auf ihren Portalen kostenfrei ins Web oder sie bieten, so wie die Konstanzer Heimatzeitung während des OB-Wahlkampfes versucht hat, Payed Content an. Leser haben grundsätzlich zwei oder drei Möglichkeiten, das Online-Angebot einer Zeitung im Web zu finden: Entweder sie geben eine URL ein und kommen auf direktem Weg oder sie folgen einem Link. Die dritte wäre eine App.

Die Suchmaschine Google übernimmt den Job eines Zeitungskioskes, der verschiedene Blätter anbietet. Der Zeitungskäufer im Real Life kommt an den Kiosk, sieht die Schlagzeilen, schaut Bilder an und liest vielleicht einen Lead an. Dann entscheidet er sich für eine Zeitung und kauft.

Ähnlich macht es Google im Web. Wer Google News anklickt oder einen Suchbegriff eingibt, findet einen  Titel und Anreißer, vielleicht auch ein Foto, und gelangt dann, wenn er auf ein Angebot klickt, über Google zum Online-Auftritt einer Verlages. Dieser verdient dann Geld, indem er Online-Werbung verkauft und Bezahlschranken aufbaut. Wer viele Besucher hat, verdient mehr. Viele Besucher kommen über Google.

Jetzt soll Google bezahlen, wenn es Textschnipsel veröffentlicht. Das wäre so, wie wenn der Kioskbesitzer dafür zahlen müsste, weil er Zeitungen gut sichtbar auslegt oder in Ständern zum Kauf anbietet. Das dies absurd wäre, dürfte unstrittig sein. Dasselbe im Web ist aber angeblich nicht absurd und heißt Leistungsschutzrecht.

Leistungsschutzrecht für Presseverleger bedeutet, dass es künftig nicht mehr kostenfrei sein wird  kleinste Nachrichten oder Textschnipsel zu veröffentlichen. Ob es das Angebot von Google News, so wie wir es heute kennen, in Zukunft noch geben wird, ist damit unsicher.

Was das Leistungsschutzrecht  für Blogs bedeutet, lässt sich genauso wenig sagen. Auch gewerbliche Blogs sollen zahlen. Und gewerblich sind Blogs, sobald sie auch nur ein Werbebanner oder einen Flattr Button integriert haben.

D 64 hat ein Plugin für WordPress bereit gestellt, das alle Links in Blogtexten zu Onlineangeboten von Presseverlagen zuerst an eine Landingpage weiterleitet. Die Page weist auf die möglichen Folgen des Leistungsschutzrechts hin.

Kommen Sie gut durch diesen schwarzen Mittwoch!

13 Kommentare to “Guten Morgen Bodensee!”

  1. wak
    29. August 2012 at 09:06 #

    Das wäre eine gute Nachricht, wenn es so stimmt. Blogger, Verbände, Vereine, Anwaltskanzleien und sonstige ehrenamtliche, private oder gewerbliche Nutzer sollen auch künftig nichts zahlen müssen, wenn sie auf ihren Homepages und in Blogs journalistische Texte benutzen, sie länglich zitieren oder auf sie verweisen. http://kress.de/tweet/tagesdienst/detail/beitrag/117757-neues-leistungsschutzrecht-am-mittwoch-im-kabinett-blogger-zahlen-nichts.html

  2. Hinterwäldler
    29. August 2012 at 10:20 #

    Um was sorgst du dich?

    Soll doch Google ernst machen. An deren Stelle würde ich mir nicht den schwarzen Peter durch die Internet-Versteher &-Reformer zuschieben lassen. Ich fände die Auszeit mal ganz lustig und sehe ihr gelassen entgegen. Nach einer Woche plärren die Presseverleger im Springerhaus mit ihrem Lobbyisten Christoph Keese und dem Bundestagsabgeordnete Krings an der Spitze um Hilfe vor dem pösen Gesetzgeber.

    Wir als Normalverbraucher können auch schon mal auf die Pagen der ausländischen Presse wie derStandard.at und NZZ.ch ausweichen, um uns dort über das deutsche Gezeder zum Leistungsschutzrecht und neueste Polit-Skandale zu amüsieren.

    Wer hat Krings zur letzten Bundestagswahl überhaupt gewählt? War er ein Ergebnis der Überhangmandate? Da gab es doch erst gestern so ein merkwürdiges Interview: http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/1851143/

    Wahlen zum Bundestag sind „spätestens“ in 13 Monaten. Wir können ja schon immer mal eine Liste zu den Kandidaten machen.

  3. dk
    29. August 2012 at 12:45 #

    zu Google bzw. Suchmaschinen

    Zum Thema „Internet-Marketing, Social-Media, SE0 (Search Engine Optimation = Suchmaschinen-Optimiierung) gibt es unzählige dünne und dicke Bücher, Zeitschriften, Veranstaltungen und Kongresse: jeder will ein hohes Ranking bei Google (Marktführer) haben und bekannt werden (als erste Marketing-Stufe).

    Jeder, der sich mit SEO etwas beschäftigt, sollte wissen, dass man beim Page-Code Metadaten setzen kann, die Suchmaschinen automatisch sagen, ob die Page „indiziert“ werden soll oder nicht und ob der „Crawler“ die verlinkten Seiten weiter berücksichtigen soll. Der Veröffentlicher hat es somit in eigener Hand, ob Suchmaschinen seine Website benutzen oder nicht, was in der Regel auch beachtet wird. Wie Google erkennen soll, welche Website dem „dt. Schutzrecht“ unterliegt, ist mir schleierhaft; es wird wohl mit dem Serverstandort zusammenhängen; Domains wie .com oder .net sind international und viele Websites benutzen nicht (nur) .de-Domains. Die Welt wird evtl. Dt. als „Schildbürger-Staat“ besser kennenlernen.

  4. Hinterwäldler
    30. August 2012 at 09:25 #

    Das sind die Aussagen der Journalisten der großen Bedruckten. Ich würde darauf keinen Pfifferling geben.

    Übrigens gibt es ein „Bekennervideo“ aus dem klar hervorgeht, wer es erfunden hat. Es ist der Blogger von Presseschauder.de. https://www.youtube.com/watch?v=ph3XfZvpIZo Sein Einkommen ist so hoch, das er keine Werbung auf seinem Blog benötigt. Aber viele Blogger und Foren sind ohne Werbung via Google-Adsense nicht zu finanzieren. Du hättest doch auch gern ein paar mehr oder irre ich mich?

    Ich denke das sich Google und die anderen Suchmaschinen nicht erpressen lassen.
    http://jensscholz.com/media/blogs/blog/pics/lsr_wonka.jpg

    Hier ist übrigens eine schöne Reaktion aus den USA: https://www.youtube.com/watch?v=S0nQUOLVz1M

    • wak
      30. August 2012 at 09:51 #

      @Hinterwäldler Die Stuttgarter Zeitung ist einer der Verlage. Gerade habe ich auf Facebook diese Antwort gegeben. „Ich halte das für totalen Unsinn. Ich sehe Google als Zeitungskiosk. Die Suchmaschine bringt Leser zu den Online-Ausgaben der Zeitungen, die dadurch mehr Besucher haben und aufgrund höherer Klickzahlen ihre Werbung teurer verkaufen können. Google bezahlen zu lassen, wäre, wie wenn ein Zeitungskiosk dafür zahlen müsste, dass er Zeitungen präsentiert. Da sich Print im freien Fall befindet, wird die Nervosität immer größer. Die Verlage reagieren panisch. Die Politik hat keine Ahnung und hört auf die Verlage. Das Problem, dass es Journalismus nur geben kann, wenn ihn jemand bezahlt, wird das Leistungsschutzrecht nicht lösen. Ich denke, in Zukunft werden Printprodukte Luxus sein, gut gemacht und die anderen, schlechte Lokalzeitungen, werden verschwinden. Nachrichten wird es im Web geben und sie werden überwiegend kostenlos sein. Ich denke, zum Beispiel Kommunen oder Veranstalter werden ihre Bürger in Zukunft vermehrt direkt informieren. Auch lokale Blogs wird es geben. Für die Zukunft des Journalismus, wie wir ihn kennen, sehe ich aber schwarz. Das ist natürlich ein Problem: Stichwort vierte Gewalt. Ohne Öffentlichkeit funktioniert unser politisches System nicht.“ Google-Adsense ist übrigens genauso wie Flattr ein Taschengeld. Einnahmen sind über eigenen Banner möglich. Das größte Problem ist aber, einen guten Verkäufer zu finden. Ich habe das Akquirieren von Werbung ziemlich vernachlässigt, weil ich mit PR-Arbeit unabhängig vom Blog mehr Geld verdienen kann.

  5. Hinterwäldler
    30. August 2012 at 10:45 #

    Im Prinzip sind wir einer Meinung. Zu
    [zitat] Ich habe das Akquirieren von Werbung ziemlich vernachlässigt, weil ich mit PR-Arbeit unabhängig vom Blog mehr Geld verdienen kann. [/zitat]
    sind ein paar Anmerkungen zu machen. Mein Lieblingsforum ist http://www.seniorentreff.de/. Es ist ein zu 100% privates Forum. Der Admin hat ein Angebot für Menschen meines Alters, das schwerlich noch zu übertreffen ist. Ich gaggere schon ständig: „Er will ein Web im Web schaffen.“ Dieses Angebot lässt sich aber nur über Werbeeinnahmen finanzieren. Hätte er diese nicht, würde es automatisch zu einem unter vielen verkommen, denn Space und Traffic kosten Geld.

    Wir haben schon oft über einen Opferstock diskutiert. Eine Lösung ist er aber auch nicht. Wie schnell könnte es also passieren, das dieses Forum als kommerziell eingestuft wird? Das wäre für den Seniorentreff eine Katastrophe.

    (Damit hätte ich auch mal eine kostenlose PR gemacht :-) Ich gehe davon aus, das du sie nicht rauswirfst.)

  6. dk
    30. August 2012 at 15:26 #

    Komisch nur, dass ich bei den Browsern Firefox, Internet Explorer, Google Chrome, Opera und Safari keinerlei Google Anzeigen bei der Website http://www.google.de gefunden habe. Der Streitwert dürfte zu gering gewesen sein, um als Angeklagter von Medien „vermarktet“ zu werden. Es ist bekannt, dass einige IT-Konzerne mehr oder weniger OpenSource mitgestalten bzw. fördern (durch Finanzen oder Kreativität von HumanResources) und eine ganze Menge von PR verstehen (nicht nur Internet-Marketing).

  7. dk
    30. August 2012 at 15:37 #

    Ergänzung:
    es wurde nach den Worten „Syrien“ und „Merkel“ gesucht und einige Zeitungen sowohl bei „News“ als auch „Web“ (allg) aufgeführt; meistens ein Einzeiler, der häufig als halber Satz abrupt endete. Selbst sog. Snippets sind vollständiger.
    Vielleicht finden sich heute abend bei den Tagesthemen doch noch Werbungs-würdigere Begriffe der Medien-Berichterstattung wieder, was das Testergebnis in Frage stellen würde.

  8. Hinterwäldler
    30. August 2012 at 15:55 #

    Ich wurde soeben von Vera Bunse in https://opalkatze.wordpress.com/2012/08/30/diese-seiten-unterstutzen-das-leistungsschutzrecht/ auf eine Initiative von Mario Sixtus auf http://leistungsschutzrecht-stoppen.d-64.org/ aufmerksam gemacht. Dort wird unter anderem ein Pranger über alle die Webseiten zusammengestellt, die das LSH unterstützen. Zudem bietet diese Page eine tolle Ergänzung für dein Blog, um dich eindeutig zu positionieren.

  9. dk
    30. August 2012 at 21:53 #

    ARD und Tagesschau dürften als sachlich und überparteilich gelten und beantworten eine interessante Frage wie folgt:
    Worum geht es beim Leistungsschutzrecht für Presseverlage?
    http://www.tagesschau.de/inland/leistungsschutzrechtfaq102.html

    „… Die News-Aggregatoren (Anm. Google), so argumentieren Verleger, verdienten Geld mit Werbung. Von diesem Geld wollen die Verlage einen Teil abhaben. Denn die Einnahmen der News-Aggregatoren basierten im Falle nicht auf selbsterbrachten Leistungen, sondern auf der Arbeit der Journalisten, die von den Verlagen bezahlt würden. …“

    Meine Fragen dazu:
    Werden Lizenzgebühren fällig, wenn man Fotos von der Bodensee-Landschaft macht und auf genügend Käufer-Interesse hofft, um durch Kalender bzw. Bildbände die Materialkosten und Zeitaufwand zu erwirtschaften? Im Ja-Falle: Sind diese an den regionalen Tourismusverband oder das Landratsamt zu entrichten? Können Fotos von Denkmälern, Kulturgütern und Landschaften genehmigungspflichtig werden?

  10. dk
    30. August 2012 at 22:49 #

    oder einfacher:

    Google stellt lediglich eine Webadresse mit Titel-Überschrift und häufig einen kurzen verwirrenden Text ohne Zusammenhang zur Verfügung. Der Suchende klickt dann auf den Link zur Website, um zu erfahren, was sich hinter dem Link verbirgt, der mit einem guten Ranking versehen ist; erst auf der gewählten Website werden Inhalte vollständig lesbar veröffentlicht und somit auch die Journalisten-Leistung (kostenlos) genutzt. Google verdient seine Werbeeinnahmen durch suchende Nutzer, wobei die gestellte Anfrage durch entsprechende Webadressen beantwortet wird. Wenn Google das Interesse für zielgerichtete Werbeeinnahmen ausnützt, ist dieses als Kostenminimierung für die technischen Dienstleistungen gegenüber dem Anfragenden wirtschaftlich allgemein üblich. Wenn Verlage kostenlos Content anbieten (es gibt auch Payment-Möglichkeiten), ist es nicht Googles juristische Schuld, wenn Surfer unwissend oder zufällig den Umweg über eine Suchanfrage wählen und nicht die Website direkt aussuchen.

    Alles klarer!

  11. vera
    4. September 2012 at 21:47 #

    Wie, hier ist noch nirgends ein IGEL zu sehen? Es wird Herbst, gewährt dem stacheligen Tierchen Obdach.

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