Handwerker finden das Päpstlein sympathisch

Geheimnisvolle Tourist-Information

Konstanz (gro) Die Tourist-Information (TIK) ist in diesen Tagen ein einziger Widerspruch. Obwohl sie eigens dafür geschaffen wurde, mit Informationen aufzuwarten, sind die Mitarbeiter wenig auskunftsfreudig. Jedenfalls dann, wenn es um das Schicksal des in Stein gegossenen Päpstleins geht, das immer noch neben dem Eingang auf der Nordseite im Bahnhofsgebäude aufgestellt ist. Handwerker sind dabei, die künftige Mobiltätszentrale vollends fertig zu stellen. Sie haben die Figur aus der Werkstatt von Bildhauer Peter Lenk bereits lieb gewonnen. Es wird von der Handwerkern nicht verstanden, warum die „sympathische Figur“ wieder entfernt werden muss.

Sondersitzung als „Betriebsgeheimnis“

Auch Peter Lenk bekam keine Auskunft, als er wissen wollte, wer vergangene Woche eine Sondersitzung des TIK-Aufsichtsrats einberufen hatte, in der die Entfernung der wenige Tage zuvor aufgestellten Skulptur beschlossen wurde. Dies sei „Betriebsgeheimnis“, hiess es aus der neuen Konstanzer Geheimdienstzentrale. Auch der Wunsch, man möge ihm dann doch wenigstens die Teilnehmer der Sondersitzung benennen, wurde Lenk nicht erfüllt. Der Künstler hätte zu gerne erfahren, womit die angebliche Entfernungsnotwendigkeit begründet wird.

„Bild“ entschuldigte sich bei Peter Lenk

Dass einigen Leuten die häufig satirisch ausgerichteten Arbeiten des Bildhauers nicht gefallen, ist nichts Neues. Neu aber ist, dass sich eine von der Stadt massgeblich beherrschte GmbH (die Stadt hält etwas über 50 Prozent der Gesellschaftsanteile von TIK) ohne erkennbare Not kunstfeindlichem Gezeter beugt, das auf Falschinformationen zurück zu führen ist. Lenk war gegen diese Falschinformationen der „Bild“-Zeitung vorgegangen und hatte eine sofortige Berichtigung durchgesetzt. Ziemlich einmalig dürfte überdies sein, dass sich ein Redakteur von „Bild“ telefonisch bei Peter Lenk entschuldigte.

Den Kunstgegnern wird die Referenz erwiesen

Die Tourist-information hat, wie der Auslandsspionagedienst eines örtlichen Kunstfördervereins ermittelte, eine Spezialfirma damit beauftragt, die über 600 Kilo schwere Figur abzubauen und nach Bodman zu Peter Lenk zurück zu transportieren. Beim Aufstellen vor einer Woche hatte Peter Lenk noch mitgeholfen. Er bat um Verständnis dafür, dass er für den Abbau nicht zur Verfügung stehen könne, mit dem die Tourist-Information seinen Gegnern die Referenz erweise und damit sogar die Anwürfe honoriere, für die sich die Autoren von „Bild“ Stuttgart bei ihm bereits entschuldigt hatten.

Wer hat Henneberger unter Druck gesetzt?

Lenk stellte die Papstfigur als Leihgabe zur Verfügung. Die Idee dazu hatte Norbert Henneberger, der Geschäftsführer der Tourist-Information. Und Henneberger war es auch, der nach der Aufstellung des Päpstleins überraschend dessen Entfernung anordnete. Laut GmbH-Vertrag, soviel war wenigstens zu ermitteln, hat nur der Oberbürgermeister das Recht, eine Sondersitzung des TIK-Aufsichtsrats einzuberufen. In Touristik-Kreisen wird davon ausgegangen, dass Henneberger die Abräumung der Figur nicht von sich betrieben hat. Dass der Geschäftsführer „unter Druck gesetzt“ worden sei, liege auf der Hand. Man wisse nur nicht, von wem der Druck ausgegangen sei.

3 Kommentare to “Handwerker finden das Päpstlein sympathisch”

  1. H.J.Faupel
    13. Mai 2010 at 11:22 #

    Hat Überlingen den Lenkbrunnen auf dem Landungsplatz abgebaut, der in Sichtweite der Tourismusinformation steht ?

    Hat Ludwigshafen die „Lenk-Wand “ am Zollhaus abgebaut ?

    Soll auch die Imperia fallen ?

    In welcher Welt leben wir, wenn die satirische Provokation zensiert werden muss.

    Zehntausende Fußgänger und Radfahre pilgern jährlich an die “ Gedenk“-Stätten , die uns Herr Lenk geschaffen hat.

    Ich denke über diese lieber nach als über das Konstanzer Konzil, das Den kritischen Gläubigen nicht nur mund-tot gemacht hat.

    Mehr Mut in einer Stadt im Dreiländereck , auf die machnmal die Welt schaut….

    H.J.Faupel,

    Überlingen

  2. sparring
    13. Mai 2010 at 11:45 #

    Wie wär’s denn zur Abwechslung mal mit einem süßen kleinen
    Lenk-Faupelchen zu Füßen des großen Martin Walser ? Wo ?Natürlich am Lenk-Brunnen Überlingen Landungsplatz.

    Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist der Schönste im
    ganzen Land ?

    Bitte lächeln ! Ihr Sparringspartner

  3. Fenedig
    14. Mai 2010 at 10:49 #

    Liebe (r) H.J.Faupel: Jetzt mutiert Lenk bei Ihnen schon zum Erschaffer von „Pilgerorten“. Es ist wohl eher touristischer Zeitvertreib, was Ihre „Zehntausende“ antreibt – so zwischen Mainau und Affenberg. Zwei, drei sehen sich dann ja vielleicht auch mal den Marienalter von Zürn (1607-10) im St. Niklausmünster zu Überlingen an. Es handelt sich da allerdings um „Kunst“, und nicht um eine „satyrische Provokation“ zu touristischen Zwecken.

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