Hatte Maurer in Oberschwaben Partnerin zu Sex gezwungen?

Landgericht Ravensburg verhandelt wegen Vorwurfs der Vergewaltigung

Ravensburg/Aulendorf . Wegen des Vorwurfs der mehrfachen Vergewaltigung seiner früheren Partnerin unter anderem in Aulendorf und Weissenau muss sich seit gestern ein 42-Jähriger ehemaliger Maurer vor dem Landgericht Ravensburg verantworten. Der Mann bestreitet die Taten.

Mutmaßliches Opfer angeblich zum Sex gezwungen

Acht Zeugen hat die 1. Große Strafkammer unter dem Vorsitz von Richter Jürgen Hutterer geladen, darunter das vermutliche Opfer, die 54jährige zeitweise Lebenspartnerin des Beschuldigten. Ihre sich wegen Erinnerungslücken schleppende Vernehmung wurde gestern abgebrochen. Sie soll am 28. September fortgesetzt werden.

Der 42-Jährige, geschieden und Vater zweier Kinder im Alter von 13 und 14 Jahren, war bereits zu Zeiten seiner Ehe von seiner damaligen Frau beschuldigt worden, sie vergewaltigt zu haben. Auch das bestreitet er.

Seit gestern muss sich der Mann gegen Vorwürfe äußern, er sei nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis im Juli 2007 eine lose Partnerschaft mit einer Frau eingegangen, in deren Verlauf es nicht nur zu beiderseits gewolltem Sex kam, sondern auch zu Vergewaltigungen und Handgreiflichkeiten bis hin zu gefährlicher Körperverletzung der Frau.

In seinen umfassenden Angaben berichtete der Angeklagte von seiner nicht einfachen Kindheit als drittältestes unter sieben Kindern, seiner Zeit im Heim, dem Hauptschulabschluss bei der Einrichtung Adolf Aich und seiner Zeit als Maurer. Als er eines Tages von seinem Arbeitgeber ungerechtfertigt des Diebstahls bezichtigt und entlassen worden war, hatte er keine Lust mehr auf einen festen Job. Er war zeitweise arbeitslos, arbeitete immer wieder einmal für ein paar Monate und übernahm neun Monate lang einen Ein-Euro-Job.

Eines Tages – es war Weihnachten 2007 – lud ihn die verheiratete aber getrennt von ihrem Mann lebende Frau ein, die ihn jetzt wegen Vergewaltigung angezeigt hat. Sie nahm ihn mit in ihre Wohnung nach Weissenau. Dort habe man Sex gehabt bis in den nächsten Morgen. Die Bindung sei fester geworden, man habe keine Probleme miteinander gehabt. Als wegen Mietschulden der unter Asthma leidenden Frau eine Räumungsklage und die Kündigungder Wohnung ins Haus flatterte, wohnte sie zeitweise bei ihrer Mutter.

Zusammen mit dem Angeklagten zog die Frau später zu ihrer Tochter nach Aulendorf, wo sie einige Monate lebten, ehe die den 42-Jährigen aus ihrer Wohnung warf. Warum? Der Angeklagte weiß es angeblich nicht. Mit seiner Partnerin zog er Ende November 2008 in eine gemeinsame Wohnung in Aulendorf. Anfangs sei es „recht gut“ gelaufen, jeder hatte sein eigenes Zimmer, offiziell lebte man -wegen der dann gewährten Zuwendungen vom Amt – in einer Wohngemeinschaft.

Mit der Beziehung sei es mit der Zeit immer mehr bergab gegangen. „Man hat sich öfter in die Haare gekriegt“, berichtet der Angeklagte, oft seien Kleinigkeiten der Anlass gewesen. Seine Partnerin habe ihn „terrorisiert“, sei eifersüchtig gewesen, vor allem, als er auch mal andere (jüngere) Frauen mit in die Wohnung gebracht habe, die dann bei ihm im Zimmer schliefen – aber nicht mit ihm im Bett.

Die Auseinandersetzungen nahmen zu. Als seine Partnerin einmal „ihre Ruhe haben“ wollte und ihr Schlafzimmer verriegelte, habe er die Tür eingetreten. Er half ihr aber auch, wenn sie wieder einmal ihre Asthma-Anfälle hatte, nach Luft rang und er ihr das Spray brachte. Oder, wenn er ihr half, nach gemeinsamen Kneipenbesuchen und Alkoholgenuss nach Hause zu kommen. Seine Partnerin vergewaltigt zu haben sei „unwahr“. Der Sex, den man gehabt habe, habe nichts mit Gewalt, Fesselungen oder Schlägen zu tun gehabt, er sei vielmehr einvernehmlich erfolgt. Und sie habe nie gesagt sie wolle nicht mehr. Er wollte angeblich ausziehen und sich eine eigene Wohnung suchen, doch die waren alle zu teuer. Trotz der Probleme in der Partnerschaft habe man immer wieder Sex gehabt.

Wie von „einem Bus gestreift“

Es hagelte auch Schläge in der Beziehung. Einmal musste die Frau einen Arzt aufsuchen, nachdem das Auge blau, das Gesicht voller Prellungen und einige Rippen gebrochen waren. Sie habe ausgesehen, als sei sie „von einem Bus gestreift“ worden, berichtete die Zeugin, die dennoch dem Arzt weismachen wollte, sie sei gefallen, was der ihr allerdings nicht glaubte. Ob die körperlichen Attacken häufig vorkamen, wollte das Gericht wissen? Der Angeklagte will keine Ahnung davon haben, räumt aber ein: „sie hat mir eine reingehauen und ich ihr“.

Das vermutliche Opfer, das nach wie vor in Aulendorf lebt, bestätigte im Zeugenstand die Angaben des Angeklagten bezüglich des gemeinsamen Wohnens, tat sich in der Folge aber schwer, ihre Vorwürfe – die vor der Polizei sehr konkret waren – in dieser Deutlichkeit zu wiederholen. Die angezeigte Vergewaltigung an Silvester 2008/09, als der Angeklagte alleine unterwegs war, bei der Rückkehr „ausrastete“ und sie angeblich mit der Hand und der Faust ins Gesicht schlug, bestätigte sie zwar. Und auch, dass er Sex wollte, sie aber nicht, doch ruderte sie etwas zurück, indem sie gestern meinte, sie habe damals „das Empfinden gehabt, er macht’s gegen ihren Willen“. Denn eigentlich fragte er, ob ich’s auch will. Früher habe er akzeptiert, wenn sie gesagt habe, sie wolle nicht.

Vor der Polizei hatte die Frau noch berichtet, er habe sie geschlagen, an den Haaren durch die Wohnung geschleift, sie auf’s Sofa gepresst und sich an ihr vergangen. Dass er sie am Hals gepackt habe erklärte sie gestern damit, er sei besoffen gewesen und musste sich irgendwo abstützen.

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