Heute erstmals runder Tisch zu Glasverbot in Konstanz

Widerstreitende Interessen: Randale kontra Ruhebedürfnis, zerschlagene Flaschen und Freiheitsrechte

Konstanz. Heute treffen sich erstmals Mitglieder verschiedener Interessengruppen, darunter junge Konstanzer und Anwohner, sowie Vertreter der Konstanzer Stadtverwaltung und der Polizei zu einem „runden Tisch“. Thema ist die Situation in der Seestraße und im Herosépark. Beides sind öffentliche Plätze, die sich an Sommerabenden zu beliebten Treffpunkten vor allem der Jugend-Szene entwickelt haben. Konfliktlinien laufen quer durch die Bevölkerung und ziehen sich durch die Stadt.

Glasverbot gilt seit gut einer Woche

Seit gut einer Woche gilt am Konstanzer Seerhein ein Glasverbot. Die Stadtverwaltung hat es erlassen und mit der Gefährdung durch Glasscherben begründet. Besonders der Herosépark ist nicht nur ein weitläufiger, öffentlicher Park, in dem sich an schönen Tagen und Abenden Hunderte Menschen aufhalten, sondern tagsüber auch ein beliebter öffentlicher Badeplatz. In den Abendsstunden verwandelt sich der Park dann in eine Partyzone. Im Herosépark und in der Seestraße treffen sich in den Stunden vor Mitternacht oft mehrere hundert Jugendliche sowie junge Erwachsene. Die Bewohner der Stadt am Seerhein haben bereits seit längerem eine private Security engagiert, die Randale und Sachbeschädigungen sowie Ruhestörungen verhindern soll.

Kein Konflikt zwischen Jugendlichen und Erwachsenen

Die Konfliktlinien verlaufen im Herosé-Park und in der Seestraße zwischen Feiernden und Anwohnern, die ihr Recht auf Nachtruhe einfordern, zwischen Bierflaschenwerfern und Badenden, zwischen Vernünftigen und Rücksichtslosen, zwischen jenen, die auf Polizeigesetze und die Einhaltung von Verboten pochen und jenen, die für Freiheitsrechte eintreten – aber sie verläuft nicht ausschließlich zwischen der Jugend-Szene und Erwachsenen.

Dosenbier-Partys ja, Bierflaschen nein

Bewohner beklagten sich in diesem Sommer massiv nicht nur über die Hinterlassenschaften der Feiernden wie Müll und Scherben – sondern immer auch über nächtliche Ruhestörungen. Einzelne berichteten, dass sie sich nachts im Park und in der Seestraße unsicher fühlten. Einigen Anwohnern sind Menschenmassen vor ihren Häusern und auch Dosenbier-Partys, die neuerdings stattfinden, ein Dorn im Auge. Einigen reicht auch deswegen das sowieso befristete Glasverbot nicht aus – viele, die ihre Namen auf Unterschriftenlisten gesetzt haben, fordern auch deshalb ein Alkoholverbot, das aus rechtlichen Gründen aber kaum durchsetzbar sein dürfte.

Ansässige Betriebe murren

In einem Schreiben vom 29. Mai an den OB heißt : „Das ausgesprochene Glasverbot ist sicher ein erster Schritt in die richtige Richtung zu kontrollierende Regeln aufzustellen. Allerdings hat dieses Verbot genau das Gegenteil gezeitigt. 250 bis 300 Jugendliche feierten bis 0.30 Uhr auf der Seestraße.“ Beschwerden kommen auch von in der Seestraße ansässigen Betrieben. Hotelgäste könnten nachts nicht schlafen. An einem geparkten Auto sei ein Außenspiegel abgerissen worden – das kommt aber auch an in anderen Straßen geparkten Autos vor.

Polarisierung in der Seestraße

Weiter heißt es in einem Brief an den OB: „Ein kurzer Spaziergang durch die feiernde Menge machte das Motto sehr schnell klar: ,Denen zeigen wir’s, da halten wir dagegen!‘ Glasflaschen und Schnäpse in kleinen Flaschen wurden in Plastiktüten getarnt, Alkohol in PET-Flaschen umgefüllt. (Das Umfüllen von Alkohol in Plastikflaschen ist allerdings nicht verboten. d. R.) Darüber hinaus dient das nicht überwachte Büdingareal als Reservelager und ,Kühlschrank‘. Weiter steht in dem Schreiben zu lesen: „Wir können uns des Eindrucks nicht erwehren, dass immer mehr neue Personen zur Fangemeinde ,Ballermann an der Seestraße‘ hinzukommen.“

Junges Konstanz gegen Alkoholverbot

Gleichzeitig hat sich eine Facebookgruppe „Junges Konstanz gegen Alkoholverbot gegründet.“  720 Facebook-Mitgliedern, unter ihnen auch die Konstanzer Jusos, von denen auch die Initiative ausging, gefällt das und sie unterstützen die Initiative. Der Widerstand gegen ein Alkoholverbot hat eine breite Basis: Um bürgerliche Freiheitsrechte und öffentliche Plätze in Konstanz zu verteidigen, sind nicht nur Jugendliche und junge Erwachsene angetreten. Zu Wort meldeten sich zum Beispiel auch die Grünen: Der Grünen Kreisverband Konstanz sprach sich bereits mehrheitlich gegen ein Alkoholverbot am Seerhein aus. Auch auf Twitter und Facebook wird heftig gestritten.

Diskussionen bei Twitter

„Nach dem Glasverbot drohen das Alkoholverbot und das Verbot der Zusammenrottung. So geht das aber nicht weiter“, war zum Beispiel schon vor gut einer Woche auf der Timeline bei Twitter zu lesen. „Scherben auch da nicht, wo kein Badestrand ist, Glasschmeißen ist überall verboten. Inzwischen geht es leider um mehr“, heißt es in einem anderen Tweet. Auf der Timeline zu lesen war auch: „Das Herumgehacke auf der Jugend geht mir enorm gegen den Strich!“ oder „Der Trinkerstreit zu Konstanz ist ein Kampf mit Reichen um öffentliche Freiräume. #Freiheitaushalten!“

Nachtwanderer und Betroffenen-Initiative

Neben den Nachtwanderern, die an Brennpunkten unterwegs sind, hat sich jetzt auch ein weiterer Verein, die „BI Betroffenen Initiative“, die sich ansonsten vorrangig um die Interessen Wohnungsloser und Armer kümmert und gegen Ignoranz kämpft, zu Wort gemeldet. Nach Angaben der Initiative sind Mitglieder des Vereins am Bismarckturm, im Herosépark, in Stromeyersdorf und seit wenigen Wochen auch in der Seestraße unterwegs. Bei einer Feier beim Bismarckturm sei es einem Vereinsmitglied gelungen, „einen stark angetrunkenen Jugendlichen nach Hause zu bringen“ .

Aus Protokoll eines Vereinsmitglieds

Mitglieder des Vereins hätten am selben Tag in der Seestraße einen Streit geschlichtet und „Ausschreitungen“ seien verhindert worden. In einem Schreiben an den OB, das auch an mehrere andere Personen ging, heißt es: „Da sich die Jugendlichen auf dem Privatgrundstück eines Hotels befanden, wurden diese aufgefordert das Gelände umgehend zu verlassen. Es wurde festgestellt, dass es sich um Jugendliche aus Konstanz, Allensbach und der Insel Reichenau handelte. An diesem Abend befanden sich über 200 Jugendliche in der Seestraße.“ Dabei hatte die Initiative nach eigenen Angaben auch einen Hund.

Auch Betroffeneninitiative erhebt Forderungen

In dem Schreiben der Betroffenen-Initiative heißt es: „Wir schließen uns voll und ganz der Forderung eines Glasverbotes in der Seestraße an, plädieren allerdings dafür an den Wochenenden mehr Müllbehälter aufzustellen.“ Und weiter: „Mit dieser Problematik dürfen die Anwohner, Hotelinhaber und Hotelgäste der Stadt Konstanz nicht länger alleine gelassen werden.“

Glasverbot noch bis 27. Juni

Das von der Stadt Konstanz verhängte Glasverbot für die öffentlichen Flächen der Seestraße, des Heroséparks und der Promenade am Rheinufer gilt erst einmal bis zum 27. Juni. Jeweils von 19 Uhr abends bis 6 Uhr morgens dürfen Parknutzer und Besucher der Seestraße keine Flaschen mehr mitbringen. Tagsüber sind Glasflaschen erlaubt. Das Glasverbot gilt ausnahmslos für alle – vor einer Woche hatten Polizeibeamten die Einhaltung des Verbots kontrolliert: Mehr als 50 Park- und Seestraßenutzer, die Flaschen dabei hatten, sollen jetzt ein Bußgeld zahlen.

Am heutigen Montagabend treffen sich Interessenvertreter zu einem „runden Tisch“. Das Treffen ist nicht-öffentlich.

5 Kommentare to “Heute erstmals runder Tisch zu Glasverbot in Konstanz”

  1. Dani
    6. Juni 2011 at 14:01 #

    Das die Polizei für den ausnahmnslosen einhalt dieser Regeln sorgt wag ich zu bezweifeln. Erst vor ein paar tagen bin ich nach einer Kontrolle der Polizei am Herosé den Uferweg entlanggelaufen, welcher davor auch von den Beamten abgegangen wurde, und was sehe ich? Erwachsene, zwischen 20 und ende 30 mit Glaßflaschen. Wird diese Regelung wirklich gerecht auf alle Parknutzer angewannt wird oder ist sie nur ein Mittel um die Jugend von dort zu vertreiben?

  2. TB
    6. Juni 2011 at 16:33 #

    Aber wählen wollen sie bereits mit 16.

  3. TB
    6. Juni 2011 at 17:30 #

    Wirklich lustig. „Gerechtigkeit“ anmahnen. Sozusagen noch Forderungen stellen. Als sei dort bisher nichts vorgefallen. Auf dieses pubertäre Trotzgefasel kann ich verzichten. Sowas sollen sich die Nachtwanderer und weltbewegte Allesversteher anhören. Die, die mit ihrer Laisser-Faire-Haltung solche Zustände zu Verantworten haben. Wenn „die Jugend“ sich dort benimmt, wird sie auch nicht vertrieben. So einfach ist das. Ob sich die Mitarbeiter der TBK wohl auch jeden Morgen fragen, ob das „gerecht“ ist, daß sie für einen bescheidenen Lohn den Dreck wegräumen und Bänke reparieren müssen, während das verwöhnte Party- und Randalevölkchen gemütlich bei Mutti daheim ausschläft und sich auf den nächsten Zechabend vorbereitet?

  4. Dennis
    6. Juni 2011 at 19:46 #

    Was ist denn ein „Glasverbot“ bitte genau?
    – Sind Weingläser aus Glas auch verboten?
    – Ist eine Mineralwasserflasche im geschlossenen Rucksack verboten?
    – Sind Brillen aus Glas auch verboten?
    – Was ist mit Fahrrädern die Spiegel aus Glas haben?
    – Darf die Polizei mit Ihrem Auto mit Glasscheiben da entlang fahren?
    – Darf ich mein I-Phone 4 mit Glas-Display mitnehmen?

    Fragen über Fragen…

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