Historischer Mesmer in Meersburg begraben

Im März liest Alissa Walser aus ihrem Roman „Am Anfang war die Nacht Musik“

Meersburg (wak) Alissa Walser liest im März in Lindau und Überlingen aus ihrem ersten Roman „Am Anfang war die Nacht Musik“. Kritiker loben den erst vor wenigen Wochen erschienenen Roman. Auch wenn „Am Anfang war die Nacht Musik“ in Wien spielt, dürfte der wegen seines Helden Literaturfreunde vor allem in Meersburg besonders neugierig machen. Denn in Meersburg hat der Begründer der Lehre vom animalischen Magnetismus nicht nur gelebt, er ist hier auch begraben. Touristen werden selbstverständlich auch zum Mesmer Haus geführt. An den Heiler erinnert außerdem eine vom Bodmaner Bildhauer Peter Lenk gestaltete Säule auf der Meersburger Hafenmole.

Arzt, Heiler und der Begründer des animalischen Magnetismus

Wie weit ist es eigentlich von Meersburg bis nach Wien? Und was hat Mesmer mit dem Bodensee zu tun? Es sind wohl exakt 651Kilometer auf der Autostraße von Meersburg bis Wien. Die hat es so noch nicht gegeben, als der in Iznang geborene Franz Anton Mesmer die Strecke zurücklegte. Der auf der Höri geborene Mesmer war Arzt, Heiler und der Begründer der Lehre vom animalischen Magnetismus, auch Mesmerismus genannt.

Der Plot des Romans

Alissa Walser hat einen von Kritikern gelobten Roman veröffentlicht. Die Geschichte beginnt 1777 in Wien. Mesmer ist gerade der wohl berühmteste Arzt seiner Zeit, als man ihm einen scheinbar hoffnungslosen Fall überträgt: Er soll das Wunderkind Maria Theresia heilen, eine blinde Pianistin und Sängerin. Als Franz Anton Mesmer das blinde Mädchen in sein magnetisches Spital aufnimmt, ist sie zuvor von unzähligen Ärzten beinahe zu Tode kuriert worden. Mesmer ist überzeugt, ihr helfen zu können, und hofft insgeheim, durch diesen spektakulären Fall die ersehnte Anerkennung der akademischen Gesellschaften zu erlangen. Auch über ihre gemeinsame tiefe Liebe zur Musik lernen Arzt und Patientin einander verstehen, und bald gibt es erste Heilerfolge … , soweit der Inhalt.

Kritikermeinungen

„In ihrer hochmusikalischen Sprache nimmt Alissa Walser uns mit auf eine einzigartige literarische Reise. Ein Roman von bestrickender Schönheit über Krankheit und Gesundheit, über Musik und Wissenschaft, über die fünf Sinne, über Männer und Frauen oder ganz einfach über das Menschsein“, befindet der Piper Verlag. Während der Tagesspiegel an Alissa Walsers Sprache herum mäkelt und den Roman „artistisch überanstrengt“ findet, halten andere Kritiker ihn für ein meisterliches Werk. „Ein großer Lesegenuss!“ lautet das Urteil von NDR Kultur. Die Presse, Wien schreibt: „Das vor allem macht diesen Roman zu einem großen Stück Literatur: dass er mit Worten an das streift, was mit Worten nicht zu fassen ist.“ Voilà.

Die Autorin

Alissa Walser, geboren 1961, studierte in New York und Wien Malerei. Seit 1987 lebt sie in Frankfurt am Main. Für ihre Erzählung „Geschenkt“ wurden ihr 1992 der Ingeborg-Bachmann-Preis und der Bettina-von-Arnim-Preis verliehen. 1994 erschien ihr Buch „Dies ist nicht meine ganze Geschichte“, im Frühjahr 2000 folgte der Erzählband „Die kleinere Hälfte der Welt“. Als Übersetzerin hat Alissa Walser außerdem die Tagebücher von Sylvia Plath sowie Theaterstücke u. a. von Joyce Carol Oates, Edward Albee, Marsha Norman und Christopher Hampton ins Deutsche übertragen. 2009 erhielt sie für Ihre Übersetzung der Gedichte Sylvia Plaths den Paul-Scheerbart-Preis. Ihre eigenen Erzählungen wurden in englischer Übersetzung u.a. in literarischen Zeitungen wie Open City und Grand Street veröffentlicht. Zuletzt erschien ihr Roman „Am Anfang war die Nacht Musik“ – soweit das Kurzportrait des Piper Verlags. Auch hat nicht etwa nur Mesmer einen Bezug zum Bodensee., sondern gleiches gilt auch für die Autorin. Alissa Walser ist die Tochter des in Überlingen-Nussdorf lebenden Schriftstellers Martin Walser.

Mesmer in Wien

Mesmer – nicht die Romanfigur, sondern der historische Mesmer – zog 1759 nach Wien, um Medizin zu studieren. Er wurde als Schüler des Hofarztes der Kaiserin Maria Theresia, Gerard van Swieten, akzeptiert. Beeinflusst vom katholischen Priester Johann Joseph Gaßner beschäftigte er sich mit den Auswirkungen der Planeten auf den Menschen. In Wien erhielt er 1766 den medizinischen Doktorgrad mit der Dissertation über den „Einfluss der Gestirne auf den Menschen“. Seiner Theorie nach beeinflussen die gegenseitigen Anziehungskräfte der Planeten das menschliche Nervensystem. Magnete sollten durch ihre natürlichen Strahlen ebenfalls eine heilsame Wirkung auf tierische und menschliche Organismen haben. Die Wiener Medizinische Fakultät stand den Thesen Mesmers sehr kritisch gegenüber, und als er ein Hospital für seine Methode des Heilens in Wien gründete und damit sehr erfolgreich war, formierten sich die Gegner. Sie benutzten seine erfolglose Therapie der Maria Theresia Paradis (1759-1824), die seit dem dritten Lebensjahr blind war, um seine Heilmethode als unwirksam hinzustellen. Paradis war eine bekannte Sängerin und Komponistin in Wien. Sie wurde letztendlich zum Stolperstein für Mesmer in Wien. 1777 wurde von einer durch die Kaiserin einberufenen Expertenkommission festgestellt, dass Mesmers Heilmethode nur Betrug sei. Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Anton_Mesmer

Mesmer in Konstanz und Meersburg

Von 1812 bis 1814 wohnte Mesmer in Konstanz in der Hussenstraße 17 und ab 1814 in Riedetsweiler bei Meersburg. Zuletzt lebte er in der Vorburggasse 11 in Meersburg, wo er 1815 an einem Schlaganfall starb.  Sein Todestag ist der 5. März. Begraben ist Mesmer auf dem Meersburger Friedhof, wo sein Grabmal in der Nähe der alten Friedhofsmauer zu finden ist. Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Anton_Mesmer

Der Roman + Lesungen

Alissa Walsers Roman „Am Anfang war die Nacht Musik.“ ist vor wenigen Wochen im Piper Verlag München erschienen. Er ist 253 Seiten dick und kostet 19, 95 Euro. Im Februar und März liest Alissa Walser in mehreren Städten aus ihrem neuen Roman. Am 11. März kommt sie um 20 Uhr zu einer Lesung ins Alte Rathaus nach Lindau. Am 27. März liest sie dann ebenfalls um 20 Uhr in der Buchinger Klinik in Überlingen.

Eine Leseprobe gibt es unter http://www.piper-verlag.de/media/0000460778.pdf.

Fotos: Piper/wak

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