Christoph Nix kritisiert Partnerschaft zwischen EADS Konzern und Konstanzer Gymnasium

Konstanzer Theaterintendant findet Kooperation zwischen Ellenrieder Gymnasium und Theater ethisch bedenklich – Schulleiter Peter Beckmann möchte kritischen Diskurs

Konstanz. Der Konstanzer Theaterintendant Christoph Nix hat bei einer Pressekonferenz über das Junge Theater Konstanz das Konstanzer Ellenrieder-Gymnasium wegen einer Schulpartnerschaft mit EADS in Immenstaad heftig kritisiert. Bei dem Konzern handle es sich um einen Rüstungskonzern, sagte Nix. Es sei ethisch verwerflich mit einem solchen Unternehmen eine Schulpartnerschaft einzugehen, so Nix.

Schulleiter hält Partnerschaft für richtig

Auf der Homepage des Ellenrieder-Gymnasiums informiert Oberstudiendirektor Peter Beckmann darüber, dass das Ellenrieder-Gymnasium eine Schulpartnerschaft mit der EADS-Deutschland GmbH in Immenstaad eingegangen ist. Diese Partnerschaft eröffne den Schülern neue und vielfältige Möglichkeiten, eine bedeutende Firma, ihre Anforderungen, Erwartungen und Angebote kennen zu lernen und sich mit der Firmenphilosophie auseinanderzusetzen, schreibt Beckmann. Die Ausgestaltung der Partnerschaft, zum Beispiel bei der Berufs- und Studienorientierung am Gymnasium (BOGY) oder bei Jugend forscht, sei Teil der Schulentwicklung. Wörtlich heißt es auf der Website: „Ich danke der Firma, dass sie uns so ein Angebot eröffnet.“

Nix möchte keine Kooperation mit Ellenrieder-Gymnasium

Theaterintendant Christoph Nix, der eigentlich mit dem neuen Leiter des Jugendtheaters, Bernd Schlenkrich, über den Jugendclub des Theaters, Theaterhock, jugendpolitisches Nachtcafé, die für alle Schularten offene Schultheaterwerkstatt und Schülertheatertage informieren wollte, erklärte dagegen: „Die Zusammenarbeit ist eine Grenzverletzung.“ Waffen und Raketen herzustellen, sei „ethisch verwerflich“. Er müsse da Position beziehen. Nix sagte weiter, angesichts der Schulpartnerschaft zwischen dem Ellenrieder-Gymnasium und EADS schließe er eine Kooperation mit dem Ellenrieder-Gymnasium aus.

EADS zweitgrößter Rüstungskonzern Europas

Die European Aeronautic Defence and Space Company (EADS) ist Europas größter Luft-, Raumfahrtkonzern und zweitgrößter Rüstungskonzern. Mit einem Umsatz von 42,8 Milliarden Euro ist EADS nach Boeing das zweitgrößte Luft- und Raumfahrtunternehmen der Welt. EADS beschäftigt an mehr als 70 Entwicklungs- und Produktionsstandorten in Europa und in 35 Außenbüros weltweit etwa 119.000 Mitarbeiter . Diese Zahlen waren aktueller Stand von 2009. Seit der Gründung am 10. Juli 2000 werden Aktien der EADS an der Börse gehandelt. Der Konzern ging aus einer Fusion der deutschen DASA (DaimlerChrysler Aerospace AG), der französischen Aérospatiale-Matra und der spanischen Construcciones Aeronáuticas S.A. (CASA) hervor. Der Sitz der Deutschlandzentrale des Konzerns, die EADS Deutschland GmbH, befindet sich inOttobrunn bei München. In Immenstaad sitzt EADS Defence and Security.

Beckmann von Reaktion des Theaterintendanten überrascht

Peter Beckmann zeigte sich von der heftigen Redaktion des Intendanten überrascht. Der Schulleiter erklärte, solche Kooperationen seien von der Landesregierung gewünscht und würden gefördert. EADS habe abwechseln mit der ZF in Friedrichshafen die Patenschaft für Jugend forscht übernommen. Die Konstanzer Gymnasiasten waren erfolgreich. So sei der Kontakt zustande gekommen. Wegen der Schulpartnerschaft kam offenbar EADS auf die Schule zu. Seit Juli bestehe die Partnerschaft, so Beckmann. Es sei im bewusst, dass eine von vier Säulen bei EADS Defence and Security ist. Die Philosophie des Gymnasiums sei es, dass die Schüler ein Wirtschaftsunternehmen kennen lernen und sie sich kritisch mit dem Thema auseinandersetzen. Auch von Lehrern habe es kritische Fragen gegeben. Die Reaktion von Nix wundere ihn, so Beckmann. Als der Theaterintendant in Konstanz angefangen habe, fand eine seiner ersten Veranstaltungen am Ellenrieder-Gymnasium statt, so Beckmann. Es gebe auch Kontakte zwischen Schülern und dem Jungen Theater. Ein persönliches Gespräch zwischen Nix und Beckmann über die Schulpartnerschaft hat es bisher nicht gegeben.

4 Kommentare to “Christoph Nix kritisiert Partnerschaft zwischen EADS Konzern und Konstanzer Gymnasium”

  1. Thomas Heidrich
    29. September 2010 at 15:12 #

    Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird der Schulleiter von EADS oder einem anderen Rüstungskonzern bezahlt. Es ist echt traurig, dass die Rüstungsindustrie zu einem Eckpfeiler der deutschen Wirtschaft gehört.

  2. Bruno Neidhart
    30. September 2010 at 10:44 #

    Nix macht da zur Oktoberfestzeit ein Fass auf, das so richtig zu einem Theatermann, wie er ihn gibt, passt. Sein Einwurf kann ja diskutiert werden, doch ist zu fragen, wann beginnt „Rüstung“: Beginnt sie bereits bei einem Schraubenmacher oder Stahlblechwalzer oder Mikrochiphersteller, usw.? Die Fragestellung ist so komplex, dass sich die Aussichten auf eine befriedigende Antwort vernebeln müssen. Und EADS mach ja beileibe nicht nur „Explosives“. Nix und Beckmann vom Ellenrieder sollen sich miteinander aussprechen. Gibt es sonst noch was?

  3. Cassidian
    30. September 2010 at 21:48 #

    Der Schulleiter wird von der „Rüstung“ und der Theatermensch von der „Linken“ bezahlt. Das könnte man dann doch ein natürliches Gleichgewicht nennen Herr Heidrich, oder?
    Ist doch gut, wenn sich unsere Zukunft, die Jugend für Technik begeistert und dabei von einem führenden Unternehmen der Verteidigungstechnik unterstützt wird. Vielleicht kommen ja u.U. auch dadurch ein paar Ingenieurinnen und Ingenieure mehr an den Start. Diese zahlen dann sicherlich kräftig Steuern, so dass auch weiterhin schöne kulturelle Höhepunkte, wie z.B. die Theater, Opern und deren Intendanten finanzierbar bleiben. Ich gehe jedenfalls gerne in die Oper oder ins Theater.
    Ich lese von einem Theaterintendanten, von einem Schulleiter und kritischen Fragen der Lehrerschaft. Mich persönlich würde auch besonders interessieren, was die „Betroffenen“, die Gymnasiasten zur Cassidian-Partnerschaft sagen?

  4. Dude
    14. Oktober 2010 at 16:20 #

    Schule und Rüstungsindustrie ist tatsächlich moralisch sehr fragwürdig. Genauso wie UNI und Rüstung. Beides gibt es leider weil das Geld knapp ist, das eigentlich der Staat zu liefern hat.
    Das bewegt sich auf dem selben Niveau wenn FDP nahe Stiftungen die Wirtschaftsschulbücher für Schulunterricht anbieten weil es sonst an Alternativen mangelt. Das Resultat wird eine Lobbygesteuerte Gesellschaft sein. Ich freue mich.

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