Im Namen der Kaninchen

Konstanzer Methode des Pyrogentests zur Vermeidung von Tierversuchen in Europa zugelassen

Konstanz (red) Der an der Universität Konstanz entwickelte Pyrogentest PyroDetect ist in Europa als Ersatzmethode für den Tierversuch zugelassen. Die von Prof. Thomas Hartung und Prof. Albrecht Wendel erfundene Konstanzer Methode hilft, das Leiden von zirka 200.000 Kaninchen pro Jahr in Europa zu vermeiden, teilte die Universität Konstanz mit. Damit schreibt der in-vitro-Pyrogentest als vollwertiger Ersatz von Tierversuchen in der Arzneimittelsicherheit Geschichte. „Ein großer Erfolg für die Konstanzer Entwickler und besonders für die Kaninchen“, heißt es in einer Pressemitteilung der Universität.

Die Injektion von Arzneimitteln ist Alltag. Hitzestabile Bestandteile von Bakterien, die „Pyrogene“, stellen dabei eine nicht zu unterschätzende Gefahr dar. Sie sind als Verunreinigungen der Injektionsinstrumente gefürchtet, da sie Fieber, Blutdruckabfall, Multiorganversagen und im schlimmsten Fall den Tod herbeiführen können. Deswegen wird vom Gesetzgeber weltweit die Prüfung auf Pyrogenfreiheit vorgeschrieben. Das geschieht unter anderem mit einem Tierversuch, dem Kaninchen-Pyrogentest. Den Tieren wird das zu prüfende Medikament ins Blut injiziert und daraufhin die Entstehung von Fieber gemessen.

Dr. Stefan Fennrich, der von 1997 bis 2005 die Entwicklungsgruppe am Konstanzer Lehrstuhl Biochemische Pharmakologie von Prof. Albrecht Wendel leitete, erklärt: „PyroDetect nutzt das menschliche Blut als Sensor. Mit dieser Methode wird im Blut von Blutspendern ein Fieber auslösendes Molekül in vitro, also im Labor, gemessen. Und das nicht nur ohne Tierversuch, sondern sogar in der richtigen Spezies, nämlich dem Menschen.“ Der studierte Mediziner und Biochemiker Fennrich ist inzwischen Studienleiter für Blutverträglichkeitsprüfungen/in-vitro-Pyrogenitätsstudien im Forschungslabor der Kinderherzchirurgie von Privatdozent Dr. Hans Peter Wendel am Universitätsklinikum Tübingen. Seine Expertise bildet eine sehr gute Ergänzung der dort etablierten in-vitro-Prüfungen auf Blutverträglichkeit von Implantaten und Forschungsarbeiten aus der Biomedizin.

Für die Entwicklung des PyroDetect-Tests, der mittlerweile auch für andere Anwendungsgebiete angewandt werden kann – neben Medizinprodukten auch für die Messung von Luftqualität – hat Stefan Fennrich mehrere Auszeichnungen erhalten.

Foto: Maja Dumat PIXELIO www.pixelo.de

Ein Kommentar to “Im Namen der Kaninchen”

  1. fuerTiere
    11. Mai 2010 at 13:21 #

    Allein in der Bundesrepublik Deutschland sterben jährlich noch immer mehrere Millionen Tiere im Namen der Wissenschaft. Dass man von den aus Tierversuchen gewonnenen Ergebnissen nicht auf die Wirkung beim Menschen schließen kann, ist inzwischen bekannt.
    Für Hamster ist leckere Petersilie tödlich, Meerschweinchen sterben an dem für uns lebensrettenden Penicillin, Schafe können Unmengen des Nervengifts Arsen vertilgen – wie will man da wissen, welches im Tierversuch gewonnene Ergebnis auf den Menschen übertragbar ist und welches nicht?

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