Insel Mainau arbeitet Zeitgeschichte der Insel auf

Deutsch-Französische Vereinigung fordert Stele mit Namen der verstorbenen französischen KZ-Häftlinge

Konstanz. Die Historiker Prof. Dr. Lothar Burchardt, Emeritus der Universität Konstanz, den Direktor der Städtischen Museen Konstanz, Herrn Dr. Tobias Engelsing sowie den Leiter des Stadtarchivs Konstanz, Dr. habil Jürgen Klöckler werden die Insel Mainau bei der Aufarbeitung der Geschichte der Insel zwischen 1930 und 1945 unterstützen. Das teilte die Insel Mainau mit. Zuvor hatte die Deutsch-Französische Vereinigung Konstanz e. V Gräfin Bettina Bernadotte und Graf Björn Bernadotte in einem offenen Brief aufgefordert, auf der Insel angemessen an die in einem Lazarett auf der Insel Mainau verstorbenen KZ-Häftlingen zu erinnern.

Mainau arbeitet Geschichte auf

„Weil die Darstellung vor allem einiger zeitgeschichtlicher Abschnitte der Inselgeschichte bis heute lückenhaft ist, wird die Mainau die jüngere Geschichte der Insel in den kommenden Monaten eingehend aufarbeiten, zusammen stellen und später in einem geeigneten Konzept den Besucherinnen und Besuchern der Insel näher bringen und auch auf der Homepage präsentieren“, heißt es in einer Mitteilung der Insel Mainua. Dazu gehöre insbesondere auch die Zeitspanne zwischen 1930 und 1945, sowie die frühen Nachkriegsjahre.

Verstorbene Franzosen auf der Insel begraben

Weiter heißt es in der Mitteilung: „Während der Kriegsjahre, als der damalige Verwalter Graf Lennart Bernadotte in seiner Schwedischen Heimat arbeitete, war die Insel an die Organisation Todt, eine Institution des damaligen NS-Staats, verpachtet.“ Kurz vor Kriegsende wurden französische Kollaborateure des NS-Regimes auf der Insel einquartiert. Mit dem Kriegsende in der westlichen Bodenseeregion im April 1945 übernahm die französische Militärregierung auch die Insel Mainau. Kurz darauf wurden ehemalige französische KZ-Häftlinge zu Genesungszwecken auf die Insel gebracht, von denen einige auf der Mainau verstarben und vorübergehend auf der Insel begraben wurden. Die Toten wurden später auf den Konstanzer Friedhof umgebettet und schließlich in ihre Heimat überführt.

Graf Lennart Bernadottes Engagement

Nach seiner Rückkehr aus Schweden habe der Inselherr Graf Lennart Bernadotte im Jahr 1946 ein Freizeitwerk für Jugendliche, das dem CVJM (Christlicher Verein junger Männer) zugeordnet war, gegründet Ziel sei es es gewesen, kriegsgeschädigten Jugendlichen Erholung und internationale Begegnungen mit Jugendlichen anderer Nationen zu ermöglichen.

Mainau bittet Historiker um Hilfe

Die nun anstehende „Erarbeitung eines Gesamt-Konzepts zur Inselgeschichte“, das auch eine sichtbare Form der würdigen Erinnerung an die hier gestorbenen ehemaligen KZ-Häftlinge definieren werde, solle sorgfältig und wissenschaftlich korrekt erarbeitet werden. Deshalb habe die Geschäftsführung der Insel Mainau die renommierten Zeithistoriker der Bodenseeregion, Prof. Dr. Lothar Burchardt, Emeritus der Universität Konstanz, den Direktor der Städtischen Museen Konstanz, Herrn Dr. Tobias Engelsing, sowie den Leiter des Stadtarchivs Konstanz, Dr. habil Jürgen Klöckler, gebeten, die Mainau fachlich zu unterstützen.

Offener Brief der Deutsch-Französischen Vereinigung

In dem offenen Brief heißt es, in dem jüngst von der Deutsch-Französischen Vereinigung (DFV) herausgegebenen Buch „Französische Spuren in Konstanz“ (Universitätsverlag Konstanz) seien die sichtbaren, aber auch die verschütteten französischen Spuren in Konstanz durch die vergangenen Jahrhunderte aufgezeichnet worden.

Hinweistafel vermisst

Weiter schreibt die Deutsch-Französische Vereinigung: „Die Suche nach Hinweisen auf die französischen Spuren in den 1930-iger und 1940iger Jahren auf der Insel Mainau war hierbei leider nicht erfolgreich.“ In Anknüpfung an das von Dr. Arnulf Moser verfasste Werk „Die andere Mainau“ hätten die Vereinsmitglieder insbesondere eine Hinweistafel auf den Friedhof der auf der Insel Mainau verstorbenen ehemaligen KZ-Häftlinge schmerzlich vermisst.

Lücke in der Chronik

Auffallend sei auch, dass die auf der Homepage der Mainau GmbH abgelegte Chronik der Insel die Zeit zwischen 1932 und 1961 ausspare. Während lokalgeschichtlich durchaus auch weniger relevante Ereignisse („erste Besiedlungsspuren auf der Insel Mainau reichen bis 3000 v.Chr. zurück“) ebenso wie Geschäftsführerwechsel aufgeführt würden, schweige sich die offizielle Mainau über die spannungsgeladenen 1940iger Jahre aus.

Mainau ließ sich Zeit

Weiter heißt es in dem offenen Brief: „Exakt ein Jahr nach unserem diesbezüglichen Schriftverkehr ist seither vergangen und nichts ist geschehen. Trotz mehrfacher Ankündigungen wurde weder die Website der Mainau GmbH überarbeitet noch eine Gedenktafel für die auf der Insel Mainau verstorbenen KZ-Häftlinge angebracht.“ Leider habe der Verein seit dem letzten Schriftverkehr von März 2011 auch nichts mehr von der Insel Mainau gehört. Der Verein bietet an: „Gerne wären wir dazu bereit, unter Einbindung der Deutsch-Französischen Vereinigung, an der Erstellung eines Gesamtkonzeptes zur Erinnerung an die 33 auf der Insel Mainau verstorbenen KZ- Häftlinge mitzuwirken.“

Stele für Konstanzer Juden als Vorbild

„Die an der Kreuzung von Sigismundstraße und Bahnhofstraße angebrachte Stele, auf der die Namen der nach Gurs deportierten Konstanzer Juden aufgeführt sind, könnte hierfür als Beispiel dienen“, meint die Deutsch-Französische Vereinigung. Der Verein zitiert den Künstler Gunter Demnig, der sagte: „Ein Mensch ist erst dann vergessen, wenn auch sein Name vergessen ist“. Deswegen appelliere die Deutsch-Französische Vereinigngt, an der Stelle des ehemaligen Friedhofes auf der Insel Mainau eine Gedenktafel für die auf der Insel Mainau verstorbenen ehemaligen französischen KZ-Häftlinge anzubringen. In dem Brief nennt der Verein erstmals auch die Namen der auf der Insel Mainau Verstorbenen.

Foto: Insel Mainau

Ein Kommentar to “Insel Mainau arbeitet Zeitgeschichte der Insel auf”

  1. dk
    31. Dezember 2011 at 17:19 #

    Bei der Weihnachtsfeier im kleinen Kreis wurde eine junge Frau aus der Ukraine (irrtümlich war Russland angekündigt) vorgestellt. Obwohl man die Gastfreundschaft der DDR-Bevölkerung als Besucher schätzen gelernt hat, überraschte doch, wie schnell nach dem kurzen Händedruck auch ohne Umarmung eine tiefe familiäre Beziehung entstehen kann; sicher auch noch in manchen Regionen der Neuen BL ein Erkennungsmerkmal. Die junge Frau sprach gut deutsch, hatte sehr kultivierte Umgangsformen, war sehr umgänglich, aufmerksam und auf eine ruhige beeindruckende Art zurückhaltend.
    Nach einem Au-Pair-Aufenthalt in Schleswig-Holstein macht sie hier ein soziales Jahr. Bei einer schlichten geschmackvollen Kleidung konnte man erahnen, dass unterhalb von HartzIV noch Luft ist: weitere zukünftige Reformen nicht ausgeschlossen?
    Eigentlich war ich auf eine (deftige) politische oder historische Kontroverse gefasst. Es kam ganz anders: nonverbal hat man in der Freundlichkeit und Menschlichkeit ein „rosa-rotes Deutschland-Bild“ zu spüren bekommen. Mancher würde dieses als „unglaublich naiv“ abtun, was mich aber veranlasste, einige Male dem Gespräch länger nur mit gesenktem Kopf zuzuhören bzw. öfters die Beleuchtung an Häusern und der Strasse durch die Fenster zuzuschauen.
    Auch die nächsten Tage wurde noch an diesen „schwarzhaarigen Engel“ der spirituellen Freundlichkeit gedacht. Als Ergebnis habe ich mir für andere scheinbare höchst naive Besucher erlaubt, einige Stellen aus Wikipedia mit einem eher kritischen Blick zu Deutschen unten aufzuschreiben: die statistische Wahrscheinlichkeit, hier Engel zu treffen, dürfte einiges schlechter sein.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsch-Sowjetischer_Krieg#Massenverbrechen
    http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsch-Sowjetischer_Krieg#Ergebnisse
    … bitte die Absätze direkt im Internet nachlesen: zum Kopieren einfach zu umfangreich …

    http://de.wikipedia.org/wiki/Baltikum#Okkupation_und_Zwangseingliederung_in_die_Sowjetunion_1940_bis_1990
    … Die baltischen Bevölkerungen erlebten innerhalb weniger Jahre ab 1940 drei aufeinander folgende gewaltige Liquidations- und Deportationswellen: … 1941–1944: durch das Nationalsozialistische Deutschland (Juden) …

    http://de.wikipedia.org/wiki/Bulgarien#F.C3.BCrstentum_und_Zarentum
    … Im Ersten und Zweiten Weltkrieg kämpfte Bulgarien auf der Seite der Mittel- bzw. Achsenmächte. Das Königshaus und die Bevölkerung widersetzten sich erfolgreich der Verfolgung und der Deportation jener Juden (Holocaust), die in den Grenzen von 1941 lebten. In den besetzten Gebieten wurden jedoch den Deutschen 11.343 Juden ausgeliefert. …

    http://de.wikipedia.org/wiki/Polen#Zweiter_Weltkrieg_.281939.E2.80.931945.29
    … Anders als im Westen machte Hitler schon vorher klar, dass er die „Liquidierung des führenden Polentums“ (Reinhard Heydrich) ins Auge fasste. Allein in den ersten vier Monaten der deutschen Besatzungsherrschaft wurden mehrere 10.000 Personen erschossen. Bereits Anfang der 1940er Jahre errichteten die Nationalsozialisten mehrere Konzentrationslager auf dem Gebiet Polens, unter anderen Auschwitz, Majdanek und Treblinka. Die Besatzungszeit hatte für große Teile der polnischen Zivilbevölkerung katastrophale Folgen. …

    http://de.wikipedia.org/wiki/Rum%C3%A4nien#Volksrepublik_und_Sozialistische_Republik
    … Während des Zweiten Weltkriegs beteiligte sich Rumänien 1941 am zunächst erfolgreichen deutschen Feldzug gegen die Sowjetunion, wodurch die ein Jahr zuvor verlorenen Gebiete wieder rumänisch wurden. Innenpolitisch wurden Juden und Roma vom Antonescu-Regime verfolgt und ermordet.[ …

    http://de.wikipedia.org/wiki/Russland#Russische_Revolution_und_Gr.C3.BCndung_der_Sowjetunion
    … In den ersten Kriegsmonaten verlor die Rote Armee Millionen von Soldaten, große Teile der westlichen Landesteile wurden verwüstet, später verhungerte bei der Belagerung Leningrads über eine Million Zivilisten. …

    http://de.wikipedia.org/wiki/Slowakei#1918.E2.80.931948
    … Die meisten Juden wurden in dieser Zeit in die deutschen Vernichtungslager deportiert. …

    http://de.wikipedia.org/wiki/Tschechei#Zwischenkriegszeit_und_Zweiter_Weltkrieg
    … Während der deutschen Besetzung befanden sich auf tschechischem Boden das KZ Theresienstadt sowie mehrere Außenlager des KZ Flossenbürg, darunter die „Richard“-Gruben. …

    http://de.wikipedia.org/wiki/Ukraine#Geschichte
    … Während der deutschen Besetzung im Zweiten Weltkrieg (1941–1943/44) stand das Land als Reichskommissariat Ukraine und Generalgouvernement zum größeren Teil unter deutscher Zivilverwaltung. Die Ukraine war Schauplatz zahlreicher Massenmorde an Juden und sowjetischen Kriegsgefangenen (Massaker von Babi Jar). Während der Besetzung kam es besonders im Osten und Süden der Ukraine zu Hungersnöten, da die Deutschen der Bevölkerung die Nahrung entzogen und die Ernteerträge nach Deutschland brachten. Zwischen Dezember 1941 und August 1942 verhungerten aufgrund dieser Ausplünderung allein in Charkow mehr als 12.000 Menschen. Der Zweite Weltkrieg forderte in der Ukraine etwa 6,5 Millionen zivile Todesopfer, davon etwa 750.000 bis eine Million jüdische Ukrainer. Fast die gesamte jüdische Bevölkerung, sofern nicht geflohen, wurde ausgelöscht. Viele Dörfer und Städte wurden 1943 beim Rückzug der Deutschen Wehrmacht zerstört. Es gab 1945 in der Ukraine etwa zehn Millionen Obdachlose. …

    http://de.wikipedia.org/wiki/Ungarn#Von_1918_bis_1945
    … besetzten sie ab Mitte März 1944 das Land und setzten eine Kollaborationsregierung unter Döme Sztójay ein, die sofort mit der Deportation der jüdischen Bevölkerung begann. Über 200.000 der auf dem Staatsgebiet von 1937 lebenden jüdischen Ungarn kamen in Konzentrations- und Vernichtungslagern ums Leben. Weitere über 200.000 Opfer stammten aus den Gebieten, die Ungarn nach den Wiener Schiedssprüchen besetzt hatte. …

    http://de.wikipedia.org/wiki/Wei%C3%9Frussland#Geschichte
    … Die deutsche Besatzungsherrschaft richtete große materielle Zerstörungen an und führte zum Tod von ca. 25 % der Bevölkerung, darunter fast die gesamte jüdische Bevölkerung des Landes. … Etwa 8 bis 9 % aller ermordeten europäischen Juden stammten aus Weißrussland. Fast alle Städte des Landes waren völlig zerstört. Die Industriebetriebe waren um 85 %, die Industriekapazität um 95 %, die Saatfläche um 40 bis 50 %, der Viehbestand um 80 % zurückgegangen. Es gab nach Kriegsende 3 Millionen Obdachlose. Vor dem Zweiten Weltkrieg lebten in Weißrussland 10 Millionen Menschen. Erst gegen Ende der 1980er Jahre war die weißrussische Bevölkerung wieder auf diese Vorkriegszahlen gewachsen. …

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