Jugendliche Performance reicht Jugendlichen am Bodensee nicht

Interreg IV finanzierte Studie zum Interesse Jugendlicher an Kulturangeboten

Konstanz/Friedrichshafen/Felkirch/Schaffhausen (red) Wie lassen sich Jugendliche und junge Erwachsene für das Kulturprogramm in ihren Städten begeistern. Das untersuchte jetzt eine Studie „Städte gestalten Zukunft”. Das wichtigste Ergebnis ist: Marketingstrategien oder eine neue Website allein lösen das Problem nicht. Programmgestaltung für Jugendliche ist Programmgestaltung mit Jugendlichen. Die Ergebnisse der Studie zur Kulturnutzung Jugendlicher sprechen klar für die Einbeziehung von Jugendlichen in die Arbeit der Kulturinstitutionen.

Wie Kulturinstitutionen Jugendliche erreichen

Wie weckt man bei Jugendlichen das Interesse für kulturelle Veranstaltungen? Vier Kulturinstitutionen der Bodensee-Region beschäftigen sich derzeit intensiv mit dem jungen Publikum und der Frage nach geeigneten Kommunikationsstrategien. Eine Studie, die von Interreg IV Programm finanziert wurde und Teil des grenzübergreifenden Projektes „Städte gestalten Zukunft“ ist, gab Antworten. Im Fokus der Untersuchung standen die Kulturinitiative Saumarkt in Feldkirch mit dem Theater am Saumarkt, das Kulturbüro Friedrichshafen mit dem Kiesel im K42, das junge theater Konstanz sowie die Jugendarbeit Schaffhausen.

Interviewer befragten ihre eigenen Peer Groups

Sie beauftragten das Institute for Art Education der Zürcher Hochschule der Künste im Rahmen des Gesamtprojektes damit, herauszufinden, welche Faktoren dafür entscheidend sind, dass Jugendliche und junge Erwachsene (wieder) einen sozialen und kulturellen Mehrwert in kulturellen Institutionen wie dem Theater finden und wie sich umgekehrt von den Anbietern langfristige ernsthafte Verbindungen zu jungen Milieus knüpfen lassen. Zusammen mit dem Institute for Art Education erhoben je zwei Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 15 und 23 Jahren aus jeder Stadt die Vorlieben und Bedürfnisse ihrer jeweiligen Peer Groups und halfen, die Zusammenhänge zwischen unterschiedlichen Motivations- und Interessenslagen herauszuarbeiten, die zum Kulturbesuch führen – oder ihn verhindern.

„Jugendlichen“ Performance reicht nicht

Ein Fazit der Studie ist: Marketingstrategien oder ein Überarbeiten der Website allein lösen das Problem nicht. Programmgestaltung für Jugendliche ist Programmgestaltung mit Jugendlichen. Wird einer vordergründig „jugendlichen“ Performance von einem jugendlichen Publikum misstraut, so tragen doch inhaltliche Berührungspunkte des Programms mit Lebenswelten weiterhin maßgeblich dazu bei, kulturelle Interessen zu entwickeln. Junge Programmgruppen, Jugendbeiräte oder (bezahlte) redaktionelle Projekte sind Möglichkeiten, Engagement zu ermöglichen und jugendlichen Sachverstand bei der Gestaltung der Kulturinstitutionen mit ins Boot zu holen.

Junge Menschen wollen nicht-kommerziellen Räume

Zugleich fehlen Räume, an denen kreative und politische Betätigungen ihren Platz finden, heißt es weiter. Unter den befragten Jugendlichen bestand übergreifend ein Bedürfnis nach selbst verwalteten und nicht-kommerziellen Räumen für verschiedene Szenen und Gruppen, etwa in einem Jugendkunst- oder Jugendtheaterhaus. Kulturveranstalter können demnach hier ansetzen, indem sie kulturelle Handlungsmöglichkeiten fördern und Räume für Engagement öffnen. Der Verdienst bestehender theaterpädagogischer Angebote (und in Schaffhausen: kompetenzorientierter Jugendarbeit) wurde im Übrigen von der Studie bestätigt: Das Erfolgsmodell „Jugendclubarbeit“ basiere nicht zuletzt darauf, dass es ein soziales Umfeld biete, um mit Gleichgesinnten zusammen zu kommen, Kultur selbst zu machen und hinter die Kulissen der Institution zu schauen. Um jedoch Jugendliche über die bisher meist mehrheitsgesellschaftlichen, aus bildungsbevorzugten Milieus stammenden hinaus zur Teilhabe einzuladen und Kooperationen quer zu den stark wirksamen milieubedingten Grenzlinien zu fördern, gelte es, die Form der Clubs zu überdenken. So könnten in Zukunft Tanz und Musik als maßgebliche Faktoren jugendnaher Kultur stärker einbezogen und Kooperationen mit soziokulturellen Zentren und migrantischen Organisationen eingegangen werden.

Neue Perspektive

Im Austausch der vier beteiligten Städte im weiteren Projektverlauf von „Städte gestalten Zukunft“ und wissenschaftlich begleitet durch das Institute for Art Education (IAE) könnten bald Projekte entstehen, die die Grundlagen für eine partizipatorische Entwicklung der kulturellen Bildung in der Region Bodensee-Alpenrhein-Hochrhein legen, heißt es in einer Pressemitteilung.

Mehr Informationen: http://iae.zhdk.ch, www.staedtenetzwerk.eu

Foto: Stadttheater Konstanz

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