„Jugendliche wollen an den Seerhein“

Neue Grillplätze für Jugendliche entstehen auf dem Aral Great Lakes

Konstanz (wak) „Jugendliche wollen an den See und an den Seerhein“, sagte der Konstanzer Oberbürgermeister Horst Frank am Donnerstag bei einer Sitzung des Konstanzer Gemeinderats. Ein autonomes oder halb autonomes Jugendzentrum wäre im Sommer keine Alternative zu Treffpunkten am See, so der OB. Deswegen sollen die Jugendlichen nun neue Grillplätze am Seerhein auf dem ehemaligen Great Lakes und Herose Areal nahe der Autobahnbrücke bekommen. Besorgt äußerte sich der Oberbürgermeister darüber, dass der Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen zunehme. „Das ist aber kein Konstanzer Phänomen“, so der OB.

Grillstellen als Angebot an Jugendliche

Die Jugend soll ihre Plätze im öffentlichen Raum bekommen. Der Rat beschloss noch rechtzeitig vor dem Sommer, ein Teilstück im nördlich gelegenen Areal Great Lakes sowie das städtische Grundstück im Gewann Billenweiher als neuen Treffpunkte mit Zugang zum Seerhein zur Verfügung zu stellen. Grillplätze sollen dort entstehen. Grundsätzlich dürften sich Jugendliche aber an allen öffentlichen Plätze aufhalten, erklärten mehrere Mitglieder des Konstanzer Gemeinderats. Im vergangenen Sommer war es am Seerhein immer wieder zu Konflikten zwischen feiernden oder auch nur sich draußen aufhaltenden Jugendlichen und Anwohnern gekommen. Zugespitzt hatte sich die Situation am Seerhein vor den Neubauten nahe der Fahrradbrücke. Statt mit einem Alkohol- und Glasverbot, reagiert die Stadt in diesem Sommer nun aber mit Angeboten: Entstehen sollen nicht nur neue Grillstellen, auch das Junge Theater Konstanz erhält einen pauschalen Zuschuss in Höhe von 3.000 Euro, der aus Mitteln des Sozial- und Jugendamtes überplanmäßig zur Verfügung gestellt werde.

Seerhein ist urban und keine ländliche Idylle

„Alkoholverbote sind nicht das passende Mittel“, sagte Till Seiler von der Freien Grünen Liste. Auch private Sicherheitsdienste lehnt er ab. Probleme würden so nur „weg gedrängt“. „Repression hat nicht weiter geführt“, sagte der Stadtrat. Ein Problem seien allerdings Alkohol und Glasscherben im öffentlichen Raum. Seiler stellte klar: „Der öffentliche Raum muss für Bürger frei zugänglich sein.“ Auch Jugendliche müssten sich im öffentlichen Raum aufhalten, treffen und feiern können.

Seiler sagte, am Seerhein sei ein Bereich entstanden, den die Stadtentwickler als „urbane Kante“ bezeichneten. Dort gebe es keine ländliche Idylle. Der Konflikt zwischen Jugendlichen und Anwohnern sei angelegt.

Nur wenige Jugendliche auffällig

Wolfgang Müller-Fehrenbach (CDU) sprach von „berechtigten Interessen der Betroffenen“ und regte an, Mitarbeiter von Jugendzentren könnten am Treffpunkt vorbei schauen. Sonja Hotz (SPD) wies darauf hin, dass der überwiegende Teil der Jugendlichen „unauffällig“ sei. Offenbar gibt es nur eine Gruppe von etwa 50 Jugendlichen, die auffallen. Stadträtin Gabi Weiner, die sich auch in der Bildungsinitiative „Wissen ist Zukunft in Konstanz“ engagiert, schlug vor, „Nachtwanderer“ einzusetzen. Nachtwanderer sind Erwachsene, die freiwillig zwischen 22 Uhr oder 2 und 3 Uhr in der Nacht in Gruppen unterwegs sind und für Sicherheit sorgen. Den Nachtwanderern, von denen viele auch selbst Kinder haben, geht es um Prävention. Klaus Frank wies darauf hin, dass der Treffpunkt am Seerhein nur eine Zwischenlösung sei. Er sprach sich dafür aus über autonome oder halb autonome Jugendzentren nachzudenken. Dorothee Jacobs-Krahnen (FGL) forderte ein Jugendhearing oder einen Jugendgemeinderat. Bei der gerade ausgezählten Wahl eines Jugendgemeinderats in Friedrichshafen hatten sich aber nur 16 Prozent der wahlberechtigten jungen in Friedrichshafen überhaupt beteiligt, obwohl die Jugendlichen erstmals sogar über Internet abstimmen konnten.

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