Kandidatenwatching: Sechs Websites im Wettbewerb

Werbeprofi vergleicht Kandidatenseiten im Netz – Bei fast allen stimmt das Corporate Design

Konstanz. Der Landtagswahlkampf findet auch im Netz statt. See-Online fragte den Werbeprofi Frieder Schindele nach seiner Meinung. Wie gut sind die Seiten unserer Kandidaten? Aus dem Netz gefischt hat der Werbeberater die Seiten von sechs Kandidaten.

 

Werbeprofi nimmt Seiten unter die Lupe

Frieder Schindele ist ein Werbeprofi und hat Erfahrung auch mit politischer Werbung. Zusammengestellt hat er eine Liste mit insgesamt 25 Kriterien. Checken wollte er die Erreichbarkeit der Websites genauso wie den Informationsgehalt oder die Barrierefreiheit. Eine Doktorarbeit sollte der Check dann aber doch nicht werden. Also verzichtete der Werber auf Wunsch der Redaktion auf eine tiefgreifende Analyse und begnügte sich mit einer spontaneren Betrachtung.

Content und Aktualität vor Design

Ob eine Website gefällt, sei immer auch eine Frage des Geschmacks. Ein Stück weit komme es auf die Zielgruppe an. Erst einmal schaute der Werbeberater beim Check nach dem Corporate Design. Spontan stellte er fest, dass das CD der Kandidaten-Sites mit dem der jeweiligen politischen Gruppierungen in fast allen Fällen übereinstimmte. Doch das sind Äußerlichkeiten. „Content und Substanz sind wichtiger“, sagt Frieder Schindele. Und vor allem komme es darauf an, dass eine Seite aktuell ist und dass sie gefunden wird, auch wenn ein Nutzer nicht den Namen des Kandidaten kennt, sondern nur den der Partei eingibt.

Blogs sind die Zukunft

Die Zukunft gehört dem Blog, meint Schindele. Zumindest wären Blogs wünschenswert, weil auf Blogs ein Dialog möglich sei. „Das ist die Zukunft“, so Schindele. Den Aufwand, eine Seite, die zum Diskutieren einlädt, zu pflegen, sei aber beträchtlich, gibt er zu bedenken. Das Risiko sei hoch, weil es Widersprüche gebe und eine Zensur schlecht ankäme.

Website als Infokanal

Insgesamt glaubt Schindele, dass die Bewerber außerhalb des Netzes zu wenig Lust auf den Besuch ihrer jeweiligen Seiten machen. Er vermisst einen Hinweis auf den Plakaten. „Sie könnten ein bisschen provozieren und zum Besuch animieren“, sagt Schindele. Gerade in der letzten Phase des Wahlkampfs sollten die Wähler wissen, dass sie auf der Website eine aktuelle Stellungnahme des Kandidaten finden, wenn etwas Unvorhergesehenes passiert.

Soweit das Vorgeplänkel. Jetzt geht’s zu den Sites.

Siegfried Lehmann (Bündnis 90/Die Grünen)

Die Seite von Siegfried Lehmann (Bündnis 90/Die Grünen) präsentiert Schindele gleich zu Beginn des Checks. Das Farbklima entspreche dem CD der Partei. Die Seite wirke lebendig. Es finden sich Aussagen zum Bodensee, zur Landespolitik und zum Wahlkampf auf der Seite. „Eine spannende Seite zum Durchwandern“, urteilt Schindele. Er lobt den Informationsgehalt und den Unterhaltungswert. Der Werbeprofi klickt auf die Termine – sie stehen da. Noch ein Plus: Die Seite ist sehr gut von der Landesseite der Grünen aus zu erreichen. Die Verlinkung sei gut, sagt Schindele. Dann stellt er allerdings fest, dass die Seite vom Grünen Kreisverband und von der Seite der Freien Grünen Liste Konstanz aus gar nicht anklickbar ist. Letzteres dürfte politische Gründe haben. Trotzdem erreicht die Website eine Bestnote. http://www.siegfried-lehmann.de/

Andreas Hoffmann (CDU)

Auch die Seite von Andreas Hoffmann (CDU) bewertet Schindele positiv. „Der Kandidat steht prominent im Vordergrund“, sagt der Werber. Alles ist da – Persönliches, Ziele, Initiativen, Presse, Termine und am rechten Seitenrand Infos über die CDU. „Eine Fülle an Angeboten“, sagt Schindele. Seite und Navigation wirken übersichtlich. Von der Konstanzer CDU ist die Website des Landtagsabgeordneten nur einen Mausklick weit entfernt. Obwohl sich das Wort „Barrierefrei“ auf der Website findet, ist die Seite tatsächlich nicht barrierefrei. Immerhin bietet Hoffmann Kontaktmöglichkeiten an und verspricht allen, die mit der „Lesbarkeit“ Probleme haben, Infos direkt zukommen zu lassen. Ein Minus gibt es deswegen also nicht. „Mit der Barrierefreiheit mangelt es auf allen Kandidatenseiten“, so Schindele. Dann steht da aber auch noch das Wort Blog. Ein Blog ist Hoffmanns Seite natürlich nicht, auch wenn er oder sein Team auf einer Unterseite selbst bloggen. http://www.andreas-hoffmann.info/

Zahide Sarikas (SPD)

Frieder Schindele findet die Seite von Zahide Sarikas (SPD) sehr gut. Sie sei klar strukturiert und die Texte seien mit Fotos sehr gut illustriert. Sie wirke nicht zu überladen. „Der Kopf ist prägnant“, sagt der Werbeprofi. Alles ist da – Persönliches, Themen, Termine, Service, Pressemitteilungen und Kontaktmöglichkeiten. Schindele klickt auf die Suchfunktion. Die Seite wirke professionell und sie mache Lust zu lesen. Mau sieht es allerdings aus, wenn Besucher von der Seite der Konstanzer SPD oder von der Kreisseite aus die Website der Landtagsabgeordneten besuchen wollen. Sie sind nicht mit Zahide Sarikas Seite verlinkt. Schindele klickt bei der Konstanzer SPD erwartungsvoll auf Termine und erwartet kurz vor dem Wahltag Wahlkampftermine. Tatsächlich findet er einen Hinweis auf den Lauftreff des Ortsvereins. http://www.zahide-sarikas.de/

Tatjana Wolf (FDP)

Bei Tatjana Wolf (FDP) versucht es Frieder Schindele auf einem Umweg über die Kreisseite. Er wird erst einmal umgeleitet und sagt, das sei ein Problem. Dass die Seite dem CD entspricht, ist klar. Buttons für Persönliches, Termine, Services und das Programm sind vorhanden. Frieder Schindele findet die Seite aber viel zu unruhig. Er sagt: „Das zitternde FDP-Fähnchen macht mich nervös.“ Auf den Werbeprofi wirkt die Seite auch deswegen nicht modern, sondern eher altmodisch. „Das ist aber Geschmackssache“, sagt Schindele. http://www.tatjana-wolf.de/

Bernhard Hanke (Die Linke)

Auch wenn die Linke bisher nicht im Landtag vertreten ist, mit seiner Website ist Landtagskandidat Bernhard Hanke mit den sogenannten großen Parteien auf Augenhöhe. Das CD stimmt. Der Kandidat erscheint prägnant auf der Startseite. „Termine, Suchfunktion, alles da“, so Schindele. Die Website wirkt übersichtlich. Schindele spricht von „eine sauberen Struktur.“ Die Idee, „fünf Gründe“ zu nennen, am 27. März Bernhard Hanke und die Linke zu wählen, findet der Werbeprofi gut. Lange, ausführliche Wahlprogramme dürften sich die meisten Wähler sowieso kaum anschauen. Das Video erhöhe den Unterhaltungswert der Seite, meint der Werbefachmann. Sein Urteil: „Professionell“. http://hanke.dielinke-in-den-landtag.de/

Ute Hauth (Piratenpartei)

Wieder einmal kommt Frieder Schindele durch die Hintertür. Er klickt auf die Piraten im Kreis Konstanz. Er sieht orange. Das Farbklima stimmt – es passt zum CD. Freude, die Seite zu lesen, habe der Besucher aber nicht, meint der Werbeprofi. Immerhin ist alles da: Es geht zum Wahlprogramm und auch zur Website der Kandidatin Ute Hauth. Der Werbeprofi ist irritiert. „Das Farbkilima entspricht nicht dem CD der Piratenpartei“, stellt Frieder Schindele fest, als er auf der persönlichen Seite der Kandidatin angekommen ist. Wenn das Piraten-Logo nicht wäre, würde er die Seite gar nicht als Website der Piraten erkennen. Schindele sagt: „Über diese Seite kann man streiten.“ Ihm ist sie zu „buchstabenlastig“. Persönliches, Termine, Kalender – alles ist da. Sogar Infos zur Briefwahl gibt es. Die Services seien aber zu versteckt, meint der Werbeprofi. Anders als andere Kandidaten lässt Ute Hauth Kommentare auf ihrer Seite zu. Wer „Meine Meinung“ anklickt liest Klartext und persönliche Aussagen der Kandidatin. Am Mittwoch schrieb Ute Hauth zum Beispiel „Chancengerechtigkeit für neue Parteien halten viele Veranstalter und Medien für überflüssig.“. Es ging auch – aber nicht nur – um die vom Singener „Wochenblatt“ veranstaltete Podiumsdiskussion. http://www.ute-hauth.de/

Eine Frage des Geschmacks

Wie sagte Frieder Schindele ganz am Anfang: Content und Aktualität vor Design? Und Websites seien Geschmackssache – und über Geschmack lässt sich streiten. Das Resümee des Checks: Der Werbeprofi schaute zu aller erst aufs Visuelle. Vier Websites sind sich, was das angeht, sehr ähnlich, eine machte ihn „nervös“ und über eine lasse sich „streiten“.

Werbeberater Frieder Schindele und Waltraud Kässer arbeiten projektbezogen im Bereich Public Relations zusammen.

 

2 Kommentare to “Kandidatenwatching: Sechs Websites im Wettbewerb”

  1. Dominik Bernauer
    10. März 2011 at 13:44 #

    Zum Check der Seite Siegfried Lehmanns möchte ich anmerken, dass der Kreisverband und die FGL Konstanz durchaus zu erreichen sind: Gehen Sie im Menü auf „Links“ und klicken Sie dort den entsprechenden Link an. Der KV ist auch über den Button in der rechten Kontextleiste zu erreichen. Zugegebenermaßen dauert es heute ein wenig; der CMS-Hoster der Kreisverbandsseite scheint technische Probleme zu haben. „Politische Gründe“ liegen hier jedenfalls nicht vor.
    Aber schön, dass die Seite so großen Anklang findet!

  2. wak
    10. März 2011 at 14:05 #

    @Dominik Bernauer. Umgekehrt – von der FGL und dem Kreis geht es nicht zu Siegfried Lehmann, zumindest war das gestern so.

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