Kein Geld für Bodensee-S-Bahn

Ministerin Tanja Gönner erteilt Norbert Zeller unmissverständliche Absage

Bodenseekreis/Kreis Konstanz (red) Keine schnelle Realisierungschance räumt Verkehrsministerin Tanja Gönner einer Bodensee-S-Bahn mit Halbstundentakt ein, „weil in Baden-Württemberg auf absehbare Zeit keine Mittel vorhanden sind.“ Dies ist die wenig erfreuliche Antwort auf eine parlamentarische Initiative des Landtagsabgeordneten Norbert Zeller, der von der Landesregierung wissen wollte, was diese zur Stärkung des Öffentlichen Verkehrs in der Bodenseeregion konkret beiträgt. Ausgangspunkt für die Anfrage Zellers an die Landesregierung war der Vorstoß des Städtebund Bodensee mit seinen 24 Kommunen aus Deutschland, der Schweiz und Österreich, der die Position der Bodenseeregion im Wettbewerb mit anderen Regionen stärken will. Dabei spielen der öffentliche Verkehr und eine Vereinheitlichung dessen im Dreiländereck eine entscheidende Rolle.

Wegen Finanzmangels in weiter Ferne

Bezogen auf eine angestrebte S-Bahn Bodensee erklärte die baden-württembergische Verkehrsministerin gegenüber Zeller nun aber sehr klar, dass für eine S-Bahn erhebliche Investitionen in die Infrastruktur notwendig seien, wofür kein Geld auf absehbare Zeit vorhanden sei. Da ist es für Zeller auch nur ein schwacher Trost, dass derzeit Untersuchungen laufen, die feststellen sollen, was bisher erreicht wurde, um das Konzept BodanRail 2020 (Teil davon ist die Bodensee-S-Bahn) langfristig zu verwirklichen. Vom Land bestellte Gutachter sollen entsprechende Empfehlungen ausarbeiten und dabei die S-Bahn-Pläne berücksichtigen, schreibt die Ministerin an Zeller, der allerdings das Projekt wegen Finanzmangel in weite Ferne gerückt sieht.

Ministerin macht unkonkrete Angabe

Zeller hatte die Landesregierung gefragt, wie in der Region Bodensee als Anrainerregion zur Schweiz und Osterreich stabile, langfristige Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Verkehrspolitik im grenzüberschreitenden öffentlichen Verkehr ausgebaut werden können. Darauf erklärte Gönner, dass hier das so genannte Bodenseeleitbild der Internationalen Bodeseekonferenz aus 2008 maßgeblich sei. Hier haben sich die Anrainerländer und Kantone für die „Anbindung der Bodenseeregion an den internationalen Schienenverkehr“ und für die „Verbesserung des Fahrplan- und Tarifangebots in Regional- und Schiffsverkehr“ ausgesprochen. Das Land stelle sicher, dass sich die grenzüberschreitende verkehrliche Situation ständig weiterentwickeln könne.

Forderung eines grenzüberschreitenden Bodenseetickets

Zeller hatte die Ministerin weiter angefragt, welche Schritte für eine stärkere Zusammenarbeit in der Koordination der Tarife zwischen den einzelnen Ländern und den dort tätigen Verkehrsunternehmen geplant seien und ob und bis wann mit der Einführung eines Tarifverbundes für den ÖNV auf den grenzüberschreitenden Stecken zu rechnen sei. Hier sieht Zeller das Land in der Pflicht, der eine stärkere Forcierung durch das Land für die Abschaffung unterschiedlicher und nicht abgestimmter Tarife fordert. Ein echtes Bodenseeticket auch für Monats- und Jahreskarten müsse das Ziel sein, so Zeller.

Erneut Elektrifizierung bis 2015 versprochen

Durch die Elektrifizierung der Südbahn von Ulm bis Lindau würden sich Verbesserungen auch im öffentlichen Verkehr ergeben wie eine Ausdehnung des „rail fly“-Angebots (bezogen auf den Flughafen Friedrichshafen) erklärte Gönner in der Antwort an Zeller. Es werde nach wie vor angestrebt die Elektrifizierung bis 2015 fertig zu stellen. Diese Botschaft vernahm Zeller wohl, allein ihm fehlt der rechte Glaube daran, dass in Stuttgart die Bedürfnisse der verkehrlichen Randregion Bodensee wirklich gesehen werden.

Foto: Verkehrsministerium

Ein Kommentar to “Kein Geld für Bodensee-S-Bahn”

  1. Fenedig
    16. Juni 2010 at 09:32 #

    Das Fahrradfahren rund um den See ist durch eine gut ausgebaute Vernetzung möglich, das Bahnfahren rundherum bleibt dagegen ein Torso: Möchte man etwa von Konstanz nach Bregenz -ein Katzensprung-, steigt man 3 bis 4 mal um. Stuttgart fehlt – wie man lesen kann – in diesem Zusammenhang das Verständnis für unsere Dreiländerregion. Die Förderung des Öffentlichen Verkehrs ist eine Investition in die Zukunft für Wirtschaft, Tourismus und Umwelt am See.

Schreibe einen Kommentar

Hinterlassen Sie hier Ihren Kommentar. Bleiben Sie bitte nett. Ihre E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.