Kein Ringverkehr rund um die Konstanzer Altstadt

Konstanzer Kommunalpolitiker distanzieren sich von ihrem eigenen Antrag – Mehr Stadtpolizisten an Adventssamstagen gefordert

Konstanz. Einen Ringverkehr rund um die Konstanzer Altstadt wird es nicht geben. Die Konstanzer Kommunalpolitiker haben sich bei der Sitzung des Technischen und Umweltausschusses (TUA) am Donnerstagabend von ihrer eigenen Forderung distanziert. Das Büro Modus Consult hatte ausgerechnet, dass ein Ringverkehr mehr Verkehr und mehr Emissionen bedeuten würde. Die Räte forderten deswegen keinen Ringverkehr, sondern mehr Manpower zur Überwachung des Verkehrs an den Adventssamstagen in Konstanz.

Kein Ringverkehr in Konstanz

Baubürgermeister Kurt Werner ließ nicht locker. Am liebsten hätten die Mitglieder des TUA ihren eigenen Antrag einfach in den Papierkorb geworfen. Regine Rebmann von den Freien Wählern haderte: Der Ringverkehr hätte die Verkehrssituation am Pfingstwochenende entspannen sollen – an den Adventssamstagen wolle man ihn nicht. Allerdings hatte ihr Fraktionskollege Anselm Venedey noch in der Gemeinderatssitzung im September, als der Antrag zurück in den TUA verwiesen wurde, lamentiert, die Stadt könnte den Ringverkehr dann nicht mehr bis zum ersten Advent einführen. Wollten die Räte also wirklich keinen Ringverkehr? Und wie verzweifelt sind sie angesichts der Tatsache, dass Konstanz vom Verkehr überrollt wird?

Mehr Autos, mehr Lärm, mehr Abgase

Bürgermeister Kurt Werner pochte darauf, die Fakten auf den Tisch zu legen. Schon 2009 hatte das Büro Modus Consult Zahlen ermittelt, die bewiesen, dass ein Ringverkehr Bullshit wäre. Am Bahnhof zählte das Büro 11.000 bis 12.000 Fahrzeuge in 24 Stunden. Bei einem Einbahnring rund um die Stadt – entgegen dem Uhrzeigersinn und mit Gegenläufigkeit nur auf der Laube – wären es 18.600 Fahrzeuge in 24 Stunden. In allen Straße außer auf dem Rheinsteig und in der unteren Laube würde der Verkehr stark zunehmen – im Schnitt wären es überall 17.000 bis 19.000 Fahrzeuge. Die gefahrenen Fahrzeug-Kilometer würden um 25 Prozent zunehmen, die „Reisezeit“ sogar um 30 Prozent. Modus Consult ermittelte eine „Verschlechterung der Erreichbarkeit der Innenstadt“.

Immissionswerte bei Ist-Zustand überschritten

Martin Wichmann vom Amt für Stadtplanung und Umwelt machte eine bemerkenswerte Aussage. Er sagte, dass Lärm- und Luftschadstoffe mehr würden – es gebe in Konstanz aber keine Toleranz und keine Spielräume mehr. Schon beim Ist-Zustand seien zulässige Werte überschritten. Stadtrat Holger Reile (Linke Liste Konstanz) nahm dies zum Anlass erneut eine City-Maut für Konstanz zu fordern.

Hilflose Kommunalpolitiker

Anne Mühlhäuser (Freie Grüne Liste) wies noch einmal auf das Dauerproblem Stau in der Bodanstraße hin. Jeden Samstag stauten sich dort die Autos. Sie appellierte an Bürgermeister Kurt Werner, Lösungsvorschläge zu machen. Sie verwies auch auf die AG Weihnachtsverkehr und forderte „Maßnahmen müssen greifen“. Weiter sagte die Stadträtin: „Schilder beachten die Leute nicht mehr.“ Erneut schlug sie vor, an den Adventssamstagen den Stadtbus für Fahrgäste kostenlos zu machen. P+R Parkplätze müssten attraktiver werden. Neu sind diese Forderungen aber nicht. Stadtrat Alexander Fecker (CDU) sprach sich dafür aus, Verkehrsverstöße wie falsches Abbiegen konsequent zu ahnden.

Verkehr ganzheitlich betrachten

Stadtrat Jürgen Ruff (SPD) konnte es sich nicht verkneifen, darauf hinzuweisen, dass die SPD den interfraktionellen Antrag nicht unterstützt habe. Er ärgerte sich darüber, dass der Vorschlag noch einmal kam, obwohl die verkehrlichen Folgen seit zwei Jahren bekannt sind. Ruff sprach sich noch einmal für eine Busspur in der Bodanstraße aus. Geld hierfür sei aber nicht im Haushalt eingestellt, so Ruff. Johann Hartwich (FDP) bemängelte erneut, dass nur punktuell diskutiert werde – er vermisst ein Gesamtkonzept. Hartwich ist der Meinung, dass es zu viele Tabus gebe. Er fragte: „Ist jede Einbahnstraße richtig?“

2 Kommentare to “Kein Ringverkehr rund um die Konstanzer Altstadt”

  1. Michael Schlichenmaier
    14. Oktober 2011 at 14:15 #

    „Schon 2009 hatte das Büro Modus Consult Zahlen ermitteln, die bewiesen, dass ein Ringverkehr Bullshit wäre.“

    Ist das der neue Stil auf See Online? Ich bin zumindest erstaunt.

  2. Wo.Becker
    15. Oktober 2011 at 13:13 #

    Warum wird in Konstanz bei den Wörtern Verkehr & Altstadt immer an dals heilige Blechle gedacht?

    Ist die Altstadt nicht vorrangig ein Ort zum Leben und flanieren?

    Beim Wort Ringverkehr fällt mir persönlich der Rind der Radwege incl. Fahrradstraße ein.
    Ein solcher um schließt die Altstadt. Er ermöglicht jedem Radfahrer legal an jeden Ort der Altstadt auf kürzestem Wege zu gelangen.

    Ich meine, Bahnhofsplatz und Bodanstraße sollte Begegnungszohnen und der Pkw dort nur geduldet werden, um direkt in ein Parkhaus zu verschwinden.

    Beim Bahnhofsplatz ist der Weg in diese Richtung eingeschlagen, fehlt noch die Bodanstraße.

    Aber dort stehen die Wagen doch eigentlich nur rum, leider mit laufenden Motor.

    Mal etwas warten und den Menschen wird dort das Stehen zu lästig und zu teuer und sie suchen sich andere Parkmöglichkeiten wie die da hoffentlich bald angeboten werden: Döbele, Vincencius …

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