Keine Angst vorm Schwarzen Mann an der Konstanzer Campus-Uni

Mitarbeiterinnen und Studentinnen zeigen Unsicherheitsräumen rote Karte

Konstanz (wak) Frauen an der Campus-Uni stellen sich auf. Zusammen mit dem Gleichstellungsreferat und der AG Sicherheit möchten Mitarbeiterinnen und Studentinnen – auch mit Unterstützung ihrer Kollegen und Kommilitonen – aus unsicheren Räumen sichere machen. Angst vorm Schwarzen Mann haben Studentinnen auf dem Gießberg nicht. Dass sich Exhibitionisten vor Frauen entblößten oder es in den vergangenen Wochen in Konstanz zu sexuell motivierten Übergriffen gekommen ist, bestreitet an der Uni niemand. Es sei aber keineswegs so, dass es rund um die Campus-Uni ständig zu Vergewaltigungen komme, sagte Kerstin Melzer vom Gleichstellungsreferat der Universität.

Mulmiges Gefühl am hellichten Tag

Von Panik kann auf dem Gießberg denn auch keine Rede sein. Das ist so trotz mehrerer Zwischenfälle im Hockgraben. In einem Fall war eine Frau durch den parkähnlichen Hockgraben auf dem Heimweg von der Uni in Richtung Sonnenbühl, als sie ein Mann bis zur Wohnungstür verfolgte. Die Frau wehrte sich und konnte den Mann vertreiben. Erst in dieser Woche verfolgte ebenfalls ein Mann am hellichten Tag eine Frau, die mit Hund im Hockgraben spazieren ging. Der Angreifer bedrohte die Frau mit einem Stein. Als der Frau, die sich ebenfalls wehrte, ein zufällig vorbei kommender Fußgänger zu Hilfe kam, verschwand der Mann.

Besonderheiten einer Campus-Uni

Die Campus-Uni sei einfach von Wald umgeben, sagt Kerstin Melzer. Von Montag bis Freitag haben die Unibibliothek und die ganze Hochschule rund um die Uhr 24 Stunden lang geöffnet. Wer die Uni in den Abend- und Nachtstunden verlässt, um alleine zum Parkplatz zu gehen hat zwangsläufig ein mulmiges Gefühl. Den Hockgraben meiden viele Uniangehörige lieber gleich ganz. Kerstin Melzer spricht von „Unsicherheitsräumen“. 2009 ergriff das Gleichstellungsreferat die Initiative. Seither gibt es die AG Sicherheit an der Uni.

Licht, Frauenparkplätze, Frauentreff

Licht hilft gegen Angsträume. Die Beleuchtung im Hockgraben wurde verbessert. Auf dem Nord- und dem Südparkplatz gibt es Frauenparkplätze. Im Winter ab 17 Uhr und im Sommer ab 19 Uhr sind die Stellplätze an der Busschleife ausschließlich für Frauen reserviert. Allerdings nutzen auch Männer die Plätze gern, wofür Kerstin Melzer kein Verständnis hat. Geplant ist neu eine Aktion „Safe Way“. Wer zu seinem Auto oder zur Bushaltestelle nach Egg gehen möchte, soll sich begleiten lassen können. Mitarbeiter des Facility Managements und Studenten könnten helfen. Außerdem gibt es an der Uni einen Frauentreffpunkt. Zu jeder vollen Stunde verlassen Frauen in den Abendstunden die Hochschule gemeinsam, wenn sie zu den Studentenwohnungen im Sonnenbühl oder zu einem entfernteren Parkdeck gehen wollen. Der Treffpunkt war früher vor der Bibliothek – heute ist er im belebteren Eingangsbereich auf der Ebene A5.

Frauen Infoveranstaltung am Montag

In einer E-Mail, die an weibliche Uniangehörige verschickt worden ist, heißt es  zum Thema sexuelle Übergriffe: In den letzten Monaten sei es in Konstanz mehrmals zu Verfolgungen, Überfällen bis hin zu Vergewaltigungen gekommen. Betroffen sein Frauen im ganzen Stadtgebiet gewesen – und nicht etwa nur an der Universität. Aus diesem Anlass lädt die AG Sicherheit der Universität Konstanz nun aber am Montag zu der Informationsveranstaltung mit dem Titel „Sicherheit rund um den Campus“ ein. Die Veranstaltung findet am Montag, 5. Juli, von 12 (s.t.) bis 13 Uhr in Raum R 611 statt. Die AG Sicherheit wird zusammen mit der Polizei über den Stand von Ermittlungen berichten, Fragen beantworten und Anregungen zum Thema Sicherheit auf dem Campus geben und Ideen sammeln. Fragen gibt es viele. „Was tun, wenn eine Person eine Frau verfolgt?“, sagt Kerstin Melzer zum Beispiel. „Wann sollte Sie einen Vorfall anzeigen?“. Kerstin Melzer beantwortet die Frage aber im selben Atemzug gleich auch noch selbst und sagt: „Immer.“ Polizei und andere Uniangehörige sollten informiert sein.

Subjektives Sicherheitsgefühl entscheidend

Auch, wenn es um Hochschul-Rankings, Befragungen und die Wahl der Hochschule geht, ist Sicherheit ein Thema. Was zählt sei vor allem das subjektive Sicherheitsgefühl, sagt Kerstin Melzer. Die Veranstaltung am Montag möchte auch auf das Problem von „Unsicherheitsräumen“ aufmerksam machen. Helfen könnten den Frauen übrigens auch Männer, die manchmal schon durch ihre Haltung oder ihre Art zu gehen Frauen erschrecken könnten. „Wenn ein Mann plötzlich stehen bleibt und zum Beispiel nur auf sein Handy schaut“, so Kerstin Melzer. Den Studenten und Mitarbeitern stellen sich nach Vorkommnissen im Hockgraben Fragen wie: Sollen sie zu einer vor ihnen gehenden Frau aufschließen, Abstand halten oder überholen? Panik wäre auf alle Fälle die falscheste Reaktion auch auf Zwischenfälle. Die bessere Alternative sind Selbstbehauptungs- und Selbstverteidigungskurse wie sie auch der Hochschulsport anbietet.

Foto: Uni Konstanz

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