Keine Einigung vorm Arbeitsgericht: Konstanzer VHS-Leiter fordert Wiedereinstellung

Schlappe 3.000 Euro waren entlassenem Hauptstellenleiter zu wenig – Reinhard Zahn nimmt Entlassung nicht hin

Konstanz/Radolfzell. Erwartungsgemäß nicht geeinigt haben sich die Volkshochschule Konstanz-Singen und der in der Probezeit gekündigte Konstanzer Hauptstellenleiter Reinhard Zahn. Der entlassene VHS-Chef möchte wieder eingestellt werden. Das kann aber nur geschehen, wenn das Arbeitsgericht zu der Erkenntnis gelangen sollte, dass die Kündigung sittenwidrig war.

Kündigung in der Probezeit

Die Entlassung des bei den Konstanzer Mitarbeitern und Dozenten beliebten neuen VHS-Leiters hatte für Aufsehen und Unruhe gesorgt. Selbst aus dem Konstanzer Gemeinderat waren Nachfragen gekommen. Wieder ging es um eine Kündigung, die zwar nicht direkt in den Zuständigkeitsbereich von Bürgermeister Claus Boldt fällt, aber der Bürgermeister ist der Vertreter von Konstanz in der Mitgliederversammlung der VHS.  Vor dem Kulturausschuss sollte Boldt auf Wunsch von Räten deswegen auch Auskünfte über die Umstände der Entlassung Zahns geben. Die Entlassung Zahns war aber allein Sache des VHS-Vorstands. Der Bürgermeister hatte kein Mitsprachrecht. Boldt hatte erst kurz vor dem Fall Zahn bei der fristlosen Entlassung des früheren Konstanzer Chefarztes Gert Müller-Esch keine gute Figur gemacht. Der Konstanzer VHS-Hauptstellenleiter Reinhard Zahn, der zuvor Chef der VHS in Weil am Rhein war und, als er wechselte, einen sicheren Arbeitsplatz aufgab, war noch in der Probezeit entlassen worden.

Zahn lehnte Mini-Abfindung ab

Carsten Teschner, Sprecher des Radolfzeller Arbeitsgerichts, sagte, dass sich die Parteien bei einem ersten Termin nicht einigten und sich nun erneut am 28. Februar 2012 treffen. Bei diesem zweiten Termin könne eine Entscheidung fallen. Beim erste Zusammentreffen vor dem Arbeitsgericht handelte es sich um einen Gütetermin. In mindestens der Hälfte der Fälle einigen sich die Parteien bei einem solchen Termin. Das sagte Carsten Teschner. Mit einer Abfindung in Höhe von 3.000 Euro war Reinhard Zahn aber nicht einverstanden. Er klagt auf Wiedereinstellung.

Möglicherweise sittenwidrige Kündigung

Rechtlich muss ein Arbeitgeber eine Kündigung in der Probezeit nicht begründen. Das hat auch die VHS nicht getan. Recht bekommen könnte Zahn nur, wenn es sich in seinem Fall zum Beispiel um eine sittenwidrige Kündigung gehandelt hat. Das kommt nur sehr selten vor. Zahn behauptet es. Alltäglich wenigstens dürfte die Entlassung eines engagierten, beliebten neuen VHS-Leiters, der nach seinen eigenen Angaben in Konstanz nicht einmal eingearbeitet worden ist, nicht sein. Mit Zahn hoffen auch Mitarbeiter der VHS in Konstanz auf die Rückkehr ihres Chefs. Das sagte vor wenigen Tagen ein VHS-Mitarbeiter See-Online.

Ursachen für Rauswurf systembedingt

Nicht auszuschließen ist, dass Zahn keine große Verfehlung begangen hat und einfach nur nicht kompatibel zum System VHS-Konstanz-Singen und dem VHS-Vorstand gewesen ist. Zahn steht mutmaßlich für eine VHS, die anders funktioniert und wie es sie früher, bevor das große Aufräumen und Umstrukturieren begonnen hat, auch in Konstanz gab. Das neue System repräsentieren hingegen Mittelsmann Günther Lieby sowie die Vorstandsfrauen Nikola Ferling und Dorothee Jacobs-Krahnen. Die Systeme unterscheiden sich mutmaßlich hauptsächlich in den Wirtschaftsweisen sowie im persönlichen Umgang. In einem Gespräch mit See-Online hatte Dorothee Jacobs-Krahnen vor einiger Zeit zwar keine Entlassungsgründe genannt, aber gesagt, dass sie sich sehr auf die Zusammenarbeit mit Reinhard Zahn gefreut hatte. Offenbar hat es dann doch nicht gepasst. Das alte und das neue System sind mutmaßlich nicht miteinander vereinbar.

Altes und neues System

Zahn wurde aus der VHS Konstanz-Singen hinaus gekickt – und er verlor seine berufliche Existenz. Ein ähnliches Schicksal hatte 2010 auch Reiner Schmid, den frühere VHS-Verwaltungsleiter, und seine Frau Gabi getroffen. Auch der frühere Konstanzer Hauptstellenleiter Dr. Helmut Lehner soll, bevor er in den Ruhestand ging, nur knapp an einer Entlassung vorbei geschrammt sein. Eine Abschiedsfeier für den verdienten VHS-Mann gab es nicht – sie wurde zum Entsetzen einiger Mitarbeiter wieder abgesagt. Auch die Schmids und Lehner standen für das alte System.

2 Kommentare to “Keine Einigung vorm Arbeitsgericht: Konstanzer VHS-Leiter fordert Wiedereinstellung”

  1. Satansbraten
    21. Dezember 2011 at 13:40 #

    Wenn ein Bewerber in die engere Wahl kommt und zu
    einem erweitertem Gespräch eingeladen wird, sind die
    gemeinsamen Ziele oberste Prämisse.

    Jemdanden aus einem sicheren Arbeitsverhältniss zu
    holen und innerhalb der Probezeit „Ätsch“ zu sagen
    ist nicht gut. Sprich unfair.

    Scheinbar macht dieses Verhalten in Konstanz die
    Runde.

    Das geflügelte Wort könnte in Zukunft lauten: Trau
    keinem Konstanzer ! Auch nicht wenn er zufällig aus
    Singen ist.

  2. Mocaer
    21. Dezember 2011 at 15:18 #

    Es scheint zuzugehen wie beim Bundespäsidenten: alles im bereich des legalen owbohl alle Bürger im Land den Kopf schütteln und sich in ihren Vorurteilen bestätigt sehen: die machen ja doch was sie wollen – und fallen immer weich oder statig nach oben.

    Die MItarbeiter und die Dozenten wollen den alten Chef? Und der sei bei ihnen sehr beliebt (bei nur 3 Monaten Arbeitszeit? UNd war ungekündigt erfolgreich anderso 10 Jahre VHS_Leiter? Und früheren Leitern ging es ebenso?

    Wir sprechen hier dann doch nicht von einem Fall Zahn. Da soltle man dann doch genauer sein: es ist ein Fall Claus Boldt, Herr Hämmerle, Günther Lieby sowie die Vorstandsfrauen Nikola Ferling und Dorothee Jacobs-Krahnen.

    Die gehören auf die „Anklagebank“ und ich bin gespannt, was dabei herauskommt. Vor Gericht reichen ja Kleinigkeiten,damit man verliert auch wenn man Recht hat.

    Diese VHS gehört geschlossen oder separiert in die einzelnen Bestandteile. Es kann doch nicht sein, dass die „kleinen“ Partner den Vorstand bestellen und die Konstanzer treuherzig hinterher marschieren und dann auch noch das meiste bezahlen. Kann das KOnstanz nicht alleine machen? Dann könnten alle „Akteure“ im Amt bleiben und die Zukunft zeigen, wer etwas taugt und wer nicht.

    Oder es bleibt alles beim Alten. Wer aber will, dass es bleibt wie es ist, der will nicht, dass es bleibt.

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