„Kindesmissbrauch ist Mord an einer kleinen Seele“

DVD „Pfoten weg“ soll kleine Kinder stark machen – Kino für Grundschüler und Kindergartenkinder

Pfoten weg!Konstanz/Bodenseekreis. „Pfoten weg!“ der Film kommt noch im Januar in Kinos in Überlingen und Friedrichshafen. Die DVD mit einem Figurentheaterstück von Irmi Wette geht außerdem an 83 Schulen und 149 Kindergärten im Kreis Konstanz. Das Stück erzählt die Geschichte von Katzenkindern, die sich erfolgreich gegen sexuell motivierte Übergriffe Erwachsener wehren. Unterstützt wird die Aktion auch vom Bundestagsabgeordneten Siegfried Kauder, Mitglied des Geschäftsführenden Bundesvorstandes des Weißen Rings, der sich um Verbrechensopfer kümmert. „Kinder haben einen Anspruch darauf vor Gewalt und Missbrauch geschützt zu werden“, so Kauder. „Kindesmissbrauch ist Mord an einer kleinen Seele.“ Für viele Missbrauchsopfer kommt die Kampagne und Enttabuisierung des Themas aber zu spät: Sie sind als Kinder sexuell missbraucht worden. Heute Mittwochabend gründen betroffene Frauen in Konstanz eine Selbsthilfegruppe.

Starke Kinder wehren sich gegen unangenehme Berührungen

Die Gründerin der Konstanzer Puppenbühne Irmi Wette ist sichtlich froh darüber, dass sich der Geschäftsführende Bundesvorstand des Weißen Rings des Themas angenommen und die Schirmherrschaft über das Gesamtprojekt „Pfoten weg!“ übernommen hat. Irmi Wette will Kinder stark machen. Kinder ab vier Jahre sollen sich nicht nur das Stück oder die mehrsprachige DVD anschauen können, sondern auch auch spielerisch oder beim Malen lernen, sich gegen die als unangenehm empfundene Nähe eines Menschen zu wehren und nein zu sagen.

Onkel Burschi und Tante Herzi sind Täter

Irmi Wette erzählt ihre  Geschichte mit viel Einfühlungsvermögen. Katzens bekommen Besuch. Besuche von Onkel Burschi und Tante Herzi empfinden die Kinder aber als unangenehm. Saome, Tom und Lotte lernen, sich gegen krakenartige Umarmungen und feuchte Schlabberküsse zu wehren. Mit ihrem Stück möchte Irmi Wette, die selbst einen kleinen Sohn hat, Kindern vermitteln, zwischen angenehmen und unangenehmen Gefühlen zu unterscheiden. Ihre Botschaften heißen: Ihr Körper gehört den Kindern alleine, und es gibt gute und schlechte Geheimnisse. „Kuscheln mag ich sehr, es ist ja auch gar nicht schwer, doch wenn ich mal nicht mag, ich das deutlich sag“, singt die Katzenfee im „Pfoten weg!“-Lied.

Wenn’s weh tut, ist es nicht mehr schön

Die DVD und sehr viel Informationsmaterial sollen Pädagogen unterstützen, mit dem Thema Missbrauch umzugehen und Kindern zu helfen. Irmi Wette sagt: „Wir haben doch alle gemeinsam die gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die uns anvertrauten Kinder zu schützen.“ 2003 hat sich Irmi Wette zum ersten Mal mit ihrer Puppenbühne gegen Gewalt und sexuelle Gewalt engagiert. Das passierte nicht zufällig. In ihrem ursprünglichen Beruf als Erzieherin wurde die Puppenspielerin mit dem Thema konfrontiert. Ihre Erfahrung damals: Viele Kollegen waren mit dem Thema überfordert. Als ein Kind sexuellen Missbrauch nachspielte, hätten sie es für frühreif gehalten und gelacht. Der zweite Grund, sich für Kinder stark zu machen, war eine persönliche Erfahrung: Irmi Wettes beste Freundin brachte sich um. Sie war sexuell missbraucht worden. Irmi Wettes Botschaft heute lautet: Kinder sollen lernen, widerwärtige Geheimnisse nicht für sich zu behalten. „Wenn’s weh tut, ist es nicht mehr schön“, sagt Irmi Wette – und sie lässt diesen Satz auch das Katzenkind sagen. Manchmal spielt Irmi Wette mit ihrer mobilen Bühne auch live vor Publikum. Zu jeder Theatervorstellung gehöre zwingend auch ein Elternabend und ein Erziehergespräch.

Irmi Wette

Termine und „Pfoten weg!“-DVDs

Die DVD (37 Minuten für Kinder von vier bis zehn Jahre) gibt es in Konstanz in zwei Läden, bei der „Glückseeligkeit“ in der Neugasse und in der Seebuchhandlung in Allmannsdorf, zu kaufen. Außerdem können Interessierte die DVD, die mit Unterstützung vieler Sponsoren produziert worden ist, über die Homepage von Irmi Wette beziehen.  Vom Verkaufserlös aller „Pfoten weg!“-Produkte gehen 10 Prozent an die Stiftung Hänsel und Gretel. Ein Bilderbuch und ein Brettspiel sind geplant, vorausgesetzt, es finden sich Sponsoren.

Der Film „Pfoten weg!“ kommt ins Kino. Am 23. Januar läuft er um 10 Uhr in der Cinegreth in Überlingen und am 30. Januar im Cineplex in Friedrichshafen. Beginn ist jeweils um 10 Uhr. Der Eintritt kostet einen Euro pro Kind.

Selbsthilfegruppe für Erwachse, die in ihrer Kindheit sexuell missbraucht worden sind: Treffpunkt für Frauen, die eine neue Selbsthilfegruppe gründen möchten, ist am Mittwoch, 19. Januar, ist um 19.30 Uhr das Büro für Bürgerschaftliches Engagement beim Landratsamt Konstanz, Benediktinerplatz 1 (eigener Eingang neben der BBB-Filiale). Frauen, die zu diesem Termin kommen wollen, sollten sich vorher, entweder per Mail unter: fragen@innifer.de oder telefonisch über die Selbsthilfekontaktstelle im Landratsamt Konstanz unter Telefon 07531/800-1787 melden. Mehr Informationen und Hilfe auch unter http://www.innifer.de/. Innifer.de ist eine Selbsthilfegruppe.

Hier geht es zu einem Beitrag über die Gründung einer neuen Selbsthilfegruppe in Konstanz.

Fotos: Filmplakat und wak

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