Könnte see-online jetzt bei einem Casting für Blogs und Onlinezeitungen gewinnen?

Ein Gespräch mit der Webmistress über see-online nach den Relaunch

Konstanz Ein Relaunch ist eine spannende Sache. Die Diplom Informatikerin (FH) Ute Hauth hat see-online vom Kopf auf die Füße gestellt. Wir wollten von ihr wissen, wie eine Website aussehen muss, auf der sich Besucher wohl fühlen. Am kommenden Wochenende, am ersten Samstag im September findet außerdem das BlogCamp Switzerland statt. Was könnte see-online in Zürich jetzt noch lernen?

Interview

see-online: Gibt es eigentlich Kriterien, die eine Website unbedingt erfüllen muss, wenn sie eine Art Wohlfühl-Seite sein möchte, auf der sich Besucher zurecht finden und gern ein bisschen länger verweilen?

Ute Hauth: Sie muss leicht lesbar und intuitiv bedienbar sein.

see-online: Was macht eine Website übersichtlich?

Ute Hauth: Ausreichend Freiräume und eine klare Struktur.

see-online: Wieso magst Du den Begriff „barrierefreie Website“ nicht?

Ute Hauth: Das Problem ist, Barrieren haben nicht nur mit der Optik, sondern auch mit der Bedienung einer Seite zu tun. Eine ganz barrierefreie Seite umzusetzen, ist schwierig. Spielkram, Buntes und kleine Schriften irritieren ungeübte Benutzer, die nicht mit allen technischen Möglichkeiten vertraut sind, die Seite auf ihre Bedürfnisse anzupassen. Ich meine zum Beispiel Besucher, die den Trick, die kleine Schrift einfach zu vergrößern, nicht kennen. (Cursor in den Text, Strg und + gleichzeitig drücken, d.R.) Blinden, die sich Seite vorlesen lassen, ist die Optik dagegen Wurst. Wer, einen Screenreader benutzt und die Seite vorgelesen bekommt, muss sich auf der Seite ganz anders als ein Sehender zurecht finden. Hilfreich für Blinde ist es, wenn die Schaltfläche „Weiterlesen“ mit einem Titelattribut versehen ist. Sie verlieren dann nicht so leicht die Orientierung. Blinde können die Beiträge so besser auseinander halten. Noch ein Beispiel: Nutzer, die ein Handicap haben und keine Maus verwenden können, sind auf die Tastaturnavigation angewiesen. Sie bewegen sich mit Tabschritten vorwärts. Für sie ist es besonders wichtig, dass sie sehen, an welchem Navigationspunkt sie sich gerade befinden. Er sollte so wie auf see-online optisch sichtbar sein. Wenn jemand eine Seite möchte, die zu 100 Prozent barrierefrei ist, dann müsste es zum Beispiel auch eine Alternative zu jedem Video geben. Sie müsste extra Inhalte anbieten, die das Video beschreiben. See-online ist eine barrierearme Seite. Wir haben sie so umgesetzt. Wer eine Barriere findet, kann sich gern bei uns melden.

See-online: Gibt es eigentlich bei Websites auch so etwas wie Trends oder Mode?

Ute Hauth: Klar. Im Moment ist Magazin Layout in. Das Layout sieht dann so aus wie das einer Zeitschrift. Ein Ansatz findet sich auch bei see-online. Das Magazin Layout ist auf der Seite von see-online aber nicht vollständig durchgezogen. Ein anderer neuer Trend ist ein strukturierter Hintergrund, der gerade in Mode kommt.

See-online: Könnte unsere Seite bei einem Casting gewinnen?

Ute Hauth: Kommt aufs Casting an. Sie hätte Chancen als besser lesbar, bedienbar und einfacher nutzbar durchzugehen. Ganz große Portale haben aber andere Möglichkeiten.

see-online: Wie lange geht es jetzt im besten Fall bis zum nächsten Relaunch?

Ute Hauth: Höchsten zwei Jahre, weil das Layout dann nicht mehr zeitgemäß sein wird. Es gibt andere Trends, und es lohnt sich, etwas Neues auszuprobieren. Bei einer Onlinezeitung, die viele Nutzer mehrmals am Tag besuchen und die mehr und regelmäßiger genutzt wird als andere Seiten, ist das besonders wichtig.

See-online: Wenn Du für die Lesbarkeit unserer redaktionellen Beiträge Noten von eins bis sechs verteilen solltest, welche Schulnote bekäme unsere alte Performance?

Ute Hauth: Was soll ich sagen? Kaum Struktur. Sehr mühsam. Dunkles Grau auf sehr zartem Blau. Es gab keinerlei Kontrast. Dann die fehlenden Linienführungen. Die Seite hatte nichts, woran man sich festhalten konnte. Wenn Besucher einen Beitrag gelesen haben, gab es kaum Navigationsmöglichkeiten. Auf der Seite zu navigieren, war genauso mühsam. Gestört haben mich die nicht formatierten Links. Bei der Suche landete der Besucher in einer Textwürste. Es gab kein geordnetes Archiv. Wer jetzt im Archiv sucht, muss nicht mehr durch 17 Seiten navigieren.

See-online: Warum fällt es unseren Lesern in Zukunft viel leichter, am Bildschirm auch einen längeren Artikel zu Ende zu lesen?

Ute Hauth: Weil der Artikel Platz hat. Es gibt einzelne Blöcke, an denen sich die Leser zum Beispiel in der Kolumne festhalten können. Die Zusatzinfos zu den Artikeln sind kleiner und weniger auffällig platziert. Mit einem Klick geht es am Ende eines Beitrags bequem zurück zum Seitenanfang. Noch ein Punkt: Die Artikel haben einen Mindestkontrast, also nicht mehr dunkles Grau auf zartem Blau, sondern dunkles Blau auf hellem Hintergrund. Es gibt Erfahrungswerte, Tools zum Kontrast und wer sich umschaut, findet im Web viele gelungene Beispiele.

See-online: Weshalb ist es sinnvoll, statt 15 Werbebanner nur jeweils sieben gleichzeitig zu zeigen und lieber bei jedem Seitenaufruf abzuwechseln? Und warum sind sieben Kategorien grundsätzlich besser als zehn oder zwölf?

Ute Hauth: Weil die Zahl sieben ein Richtwert ist, der etwas darüber aussagt, was jemand auf einmal aufnehmen kann. Bei den Orten haben wir jetzt noch acht Kategorien. Die vielen bisherigen Kategorien in einer Reihe waren nahezu unbenutzbar. Besucher konnten sie auf einen Blick nicht überschauen.

See-online: In Deiner Referenzliste gibt es mehrere schöne Seiten. Eine Onlinezeitung war bisher noch nicht darunter. Was war beim Relaunch von see-online anders?

Ute Hauth: Es gab deutlich mehr Datenmigration, viel mehr Artikel. Das ist der größte Unterschied. Bei einem üblichen Projekt arbeitet an der Seite zwischendurch niemand mehr. See-online konnte wir nicht drei Wochen still legen. Noch wichtiger als bei anderen Websites war uns, dass die Ladezeit akzeptabel ist.

See-online: Hast Du es zwischendurch einmal bereut, den Auftrag angenommen zu haben?

Ute Hauth: Zwischendurch schon, weil ich nicht übertrieben gern mit Word Press arbeite. Es gibt bei Word Press für alles Plugins (Zusatzprogramme, die in die Software eingeklinkt werden, d.R.). Plugins machen Probleme. Bei stark genutzten und frequentierten Seiten ist das ein großer Nachteil. Ich hätte mir statt Word Press eine andere Software gewünscht, die wir selbst erstellen. (War finanziell nicht machbar, d.R.).

see-online: Seit dem Relaunch bist Du auch unsere Webmistress. So lautet Deine E-Mail Adresse. Was ist der Unterschied zwischen einer Webmasterin, einer Admin und einer Webmistress?

Ute Hauth: Das sind alles keine geschützten Bezeichnungen. Es gibt keinen Ausbildungsberuf oder Studienabschluss. Der Begriff Webautor oder Webautorin hat sich eingebürgert, weil es nicht nur um Technik geht, sondern um das Zusammenspiel von Technik, Design und Wissen übers Web an sich. Nur wenn alles zusammenpasst, lässt sich etwas daraus machen. Als der Begriff Webmaster eingeführt wurde, gab`s noch keine Designs. Er ist sogar älter als das Web. Ich bin kein Mann (lacht) und deshalb auch kein Master. Der englische Begriff für die weibliche Form ist Webmistress. Ich ziehe aber Webautorin vor. Die Bezeichnung umfasst alle Bereiche.

See-online: Du hast während des Relaunch viele eigene Ideen eingebracht. Woher weiß eigentlich eine Informatikerin wie eine Onlinezeitung aussehen soll?

Ute Hauth: Es gibt Grundregeln wie wir im Web sinnvoll mit etwas umgehen. Ich habe mich im Studium auf Web spezialisiert und mir mittlerweile vieles angeeignet. Hinzu kommt permanentes Weiterlernen, selber lesen, auch„Papierbücher“ über Design oder Usability. Wichtig ist es für mich auch, mich auf Barcamps über Aktuelles auszutauschen. Wenn man informiert ist, ist es fast egal, welche Art von Auftritt man hinterher macht, eine Website für ein Versanddepot oder eine Onlinezeitung. Außerdem ist es immer hilfreich, den gesunden Menschenverstand einzusetzen, bei anderen Onlinezeitungen zu gucken und zu schauen, was schön, einfach und klar ist.

See-online: Am Samstag, 4. September, findet zum fünften Mal das BlogCamp Switzerland statt. Dieses Mal treffen sich die Teilnehmer zu den Sessions im Technopark Zürich. Du bist dabei. Ist es eher ein Camp für Techies oder eines für Medienmenschen?

Ute Hauth: Ein Blogcamp geht in Richtung Medienmenschen. Nicht nur Profis werden da sein. Es geht ja um Blogs. Das heißt aber nicht, dass wir für uns keine Techiesessions machen können.

See-online: Weißt Du schon, welche Session Du anbieten möchtest?

Ute Hauth: Wir bauen eine Onlinezeitung – worauf haben wir geachtet.

See-online: Was können wir für see-online beim BlogCamp Switzerland lernen?

Ute Hauth: Sicherlich quer durch Gemüsegarten: Wie sieht ein ansprechender Artikel aus? Worin unterscheidet er sich von Print? Das ist gerade für Leute wie Dich, die aus den Printmedien kommen, wichtig. Oder, wie muss der Titel sein, wie die Zwischenüberschriften? Es gibt Erfahrungswerte zum Beispiel darüber, wie eine Onlinezeitung Anreize zu kommentieren schaffen kann. Wenn sich Besucher wie jetzt auch bei see-online nicht registrieren müssen, ist es einfacher. Der Austausch beim Blogcamp ist wichtig und zu erfahren, was sind die Trends, was ist spannend und was aktuell? Alle haben mit Blogs zu tun.

Ute Hauth ist Diplom-Informatikerin (FH) und Fremdsprachenkorrespondentin. Ihre Softwarefirma miradlo Informatikdienstleistungen und Webdesign  hat see-online relauncht. Ute bloggt über Technisches unter und über alle nicht-technischen Themen in uteles Blog. Die Fragen stellte Waltraud Kässer.

4 Kommentare to “Könnte see-online jetzt bei einem Casting für Blogs und Onlinezeitungen gewinnen?”

  1. Matthias
    31. August 2010 at 10:30 #

    Schön ist es geworden, wenn man berücksichtigt, dass ihr ja irgendwann auch mal Geld verdienen müsst und Werbung deshalb nun mal sein muss.
    Die Ute kanns halt, gell!!
    Weiterhin viel Glück und ich freue mich auf spannende Artikel.
    Matthias

  2. heinzkamke
    31. August 2010 at 13:14 #

    Gefällt. War ja auch nicht anders zu erwarten.

  3. heinzkamke
    31. August 2010 at 13:19 #

    Was ich doch noch sagen wollte: mir persönlich ist die Schrift einen Tick zu klein. Und jedes „w“ wirkt blasser als die anderen Buchstaben, allerdings nur, wenn ich Chrome verwende. Beim IE sind’s die „l“ und „i“, die blasser sind. Beim Firefox ist alles gut.

  4. Ute
    2. September 2010 at 11:02 #

    @Matthias danke, @heinzkamke an der Schrift habe ich nochmal gebastelt, ich hoffe es ist jetzt überall soweit ok.

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