Kommende Woche Diskussion über Konstanzer Alt-OB und „Gutachten zur Tätigkeit von Dr. Bruno Helmle“

Debatte im Konzil am kommenden Dienstag – Drei Gutachter auf dem Podium beantworten Fragen von Bürgern

Bruno HelmleKonstanz. Bei einer Podiumsdiskussion am kommenden Dienstag, 20. März 2012, um 19 Uhr im Unteren Konzilsaal diskutieren die der Gutachter über das Gutachten zur Vergangenheit des ehemaligen Oberbürgermeisters und Ehrenbürgers Dr. Bruno Helmle. Die Stadt hat sich bewusst für eine breite öffentliche Diskussion entschieden. Die veröffentlichte Meinung und die Mehrheit des Gemeinderats haben sich aber bereits klar dafür ausgesprochen, dass Helmle nicht Ehrenbürger in Konstanz bleiben darf.

Wissenschaftler beantworten Fragen

Im ersten Teil der Podiumsdiskussion werden die Ergebnisse der Untersuchung von den Verfassern des Gutachtens Prof. Dr. Lothar Burchardt (Universität Konstanz), Prof. Dr. Wolfgang Seibel (Universität Konstanz) und Priv.-Doz. Dr. Jürgen Klöckler (Stadt Konstanz) vorgestellt. Im Anschluss stellen sich die Wissenschaftler den Fragen der Bürgerinnen und Bürger. Die Podiumsdiskussion soll, so heißt es in einer Mitteilung der Stadt, den Bürgern und Bürgerinnen die Möglichkeit geben, sich mit der Causa Helmle auseinanderzusetzen und ihre Auffassungen und Meinungen darzustellen. Moderiert wird die Podiumsveranstaltung von Prof. Dr. Rainer Wirtz (Universität Konstanz).

Die Menschen getäuscht und die Stadt regiert

Anlass des Gutachtens war der Zufallsfund eines Dokuments aus dem Bestand des Stadtarchivs Konstanz im Herbst 2010. Dieses offenbarte Unstimmigkeiten in den biografischen Angaben des ehemaligen Oberbürgermeisters zu seiner Berufstätigkeit. Ein Schreiben des Finanzamtes an die Konstanzer Stadtverwaltung vom 22. Februar 1945 weist Dr. Helmle als Leiter des Sachgebiets „Verwaltung des jüdischen und rechtsfeindlichen Vermögens“ beim Finanzamt Konstanz aus. Die Stadt Konstanz sprach sich daraufhin für eine umfangreiche Aufklärung der Vergangenheit Helmles aus, um sein Verhalten adäquat bewerten zu können. Mittlerweile steht fest, dass Helmle die Öffentlichkeit über seine Verstrickungen in der NS-Zeit bis in die 90-er Jahre getäuscht hat. Bis 1980 war der CDU-Politiker Oberbürgermeister in Konstanz.

Wer war Helmle?

Jüngere Konstanzer hätten sich gewünscht, dass auch Zeitzeugen zu Wort gekommen wären. Da Helmle bis 1980 Oberbürgermeister in Konstanz gewesen ist, kennen ihn einige Gemeinderatsmitglieder noch persönlich. Ältere Mitarbeiter der Stadtverwaltung dürften bereits für die Stadt Konstanz gearbeitet haben, als Helmle noch Verwaltungschef gewesen ist. Wie hat sich Helmle damals verhalten? Wirkte er authentisch? Welche Haltungen nahm er ein? Welche Rolle spielte er in der Zeit, als Rechte im Konstanzer Gemeinderat saßen? Zeitzeugen beschrieben Helmle im Nachhinein eher als unangenehm und arrogant. Bei gesellschaftlichen Anlässen habe man eher nicht bei ihm am Tisch sitzen wollen, sagten ältere Gemeinderatsmitglieder. Andere beschrieben ihn als wenig authentisch, er habe stets die Rolle des Stadtoberhaupts „gespielt“.

Welche politische Verantwortung hat Helmle für Gammler-Mord?

Am 29. August 1970, einem Samstag, erschoss der Arbeiter Hans O. den damals 17 Jahre alten Lehrling Martin K. Das Mordopfer hatte sich am Nachmittag mit Freunden auf dem Blätzle-Platz nahe des heutigen Kaufhauses Karstadt getroffen. Die drei jungen Männer saßen auf der Rückenlehne einer Bank. Der Täter, der behauptet haben soll, der „Bürgerwehr“ anzugehören, forderte die jungen Männer auf zu verschwinden. Dann drückte er ab und erschoss Martin K. Mit einem Hasentöter. Der Schuss traf ihn mitten ins Herz. Zuvor war in der Stadt Stimmung gegen „Langhaarige“ und Hippies gemacht worden. Helmle war damals Oberbürgermeister.

Entscheidung über Ehrenbürgerschaft

Die Ergebnissen der öffentlichen Diskussion sind dann auch Thema, wenn der Gemeinderat am 3. Mai noch einmal über Helmle diskutiert und ihm mit hoher Wahrscheinlichkeit die Ehrenbürgerwürde entzieht.

Das Gutachten steht zum Download auf der Homepage der Stadt Konstanz zur Verfügung.

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