Konstanz räumt die Innenstadt auf

Bürgermeister Kurt Werner möchte qualitätsvolle öffentliche Plätze

Konstanz. Der Konstanzer Baubürgermeister Kurt Werner wünscht sich mehr Qualität im innerstädtischen Raum. Er möchte die schönsten Plätze der Stadt neu in Szene setzen. Statt Werbetafeln will er die Architektur wirken lassen.

Neue Sondernutzungssatzung geplant

Konstanz ist dabei, in der Altstadt aufzuräumen. Bürgermeister Kurt Werner sagt, die neue Sondernutzungssatzung, der der Gemeinderat erst noch zustimmen muss, soll sitzen wie ein guter Anzug: Nicht zu eng, aber auch nicht zu weit. Werner zitiert aus Max Frischs Tagebüchern: Nur der Rahmen sei zu planen. Nicht jeder Einzelfall könne geregelt werden – aber so viel Klarheit wie möglich soll die neu aufgelegte Sondernutzung schaffen. Klar, transparent und nachvollziehbar soll sie sein. Enthalten soll sie Regeln für Produktpräsentation, Außengastronomie und die Begrünung der Stadt.

Wider Zeltvordächer, Heizpilze und Kundenstopper

Die historischen Konstanzer Gassen sollen zum Flanieren einladen und nicht zugestellt sein und einem Hindernisparcours gleichen. Der Blick auf Schaufenster soll wieder freier sein. Heizpilze und Klapptafeln möchte der Bürgermeister auf die rote Liste setzen, und Sonnenschirme sollen keine Zeltvordächer bilden. So ähnlich sagen es Baubürgermeister Kurt Werner, Stadtplaner Roland Jerusalem und Erich Böhler vom Bürgeramt. Übersetzt heißt das: Weg mit Kundenstoppern vor den Geschäften und Restaurants, weg mit den immer gleichen Kleiderständern vor dem Laden und weg mit hässlicher Außengastronomie mit Plastikmöbeln. Weniger wäre, ginge es nach Werner und Jerusalem, mehr.

Trend zu weniger Mobiliar in Städten

Jerusalem redet von mehr Qualität und davon, dass öffentlicher Raum knapp ist. Er sieht deutschlandweit aktuell einen Trend, das Mobiliar auf öffentlichen Plätzen zu reduzieren. Ein Dorn im Auge sind Werner und Jerusalem zum Beispiel ausladende Loungemöbel auf dem Bodanplatz. Gelungen sei dagegen sie Situation auf dem Münsterplatz, wo die Möbel nur am Rande stehen und am Abend zusammen geklappt würden. Am Morgen wirke der gepflasterte Platz so als Platz.

Qualität statt Ladenhüter vor der Türe

Läden sollten keine Ständer mehr mit immer dieselben alten Hosen nach draußen stellen dürfen, sagte Jerusalem. Werner missfallen besonders Socken und Unterhosen. Als Gegenbeispiel fällt ihm sofort die Zollernstraße ein. Was dort stehe,  sei geschmack- und qualitätsvoll.

Zweijährige Übergangszeit vorgesehen

Das Gesicht der Stadt wird sich aber nicht von heute auf morgen ändern. Die Übergangszeit soll zwei Jahre dauern. Sollte sich ein Gastronom gerade erst neues Mobiliar angeschafft haben, könnte er sogar von einer Härtefallregelung profitieren und zusätzlich Verlängerung bekommen.

Sparkassenflagge weht auf Privatgebäude

Keinen Einfluss nehmen kann die Stadt hingegen auf die Möblierung privater Grundstücke. Für Bierfahnen vor dem Inselhotel und der Werbefahne der Sparkasse auf dem ehemaligen Postgebäude ist die Stadt nicht zuständig – auch wenn die Sparkassenfahne vielen Konstanzern missfällt.

Politische Diskussion beginnt

Am Donnerstag dieser Woche beginnt im Technischen Ausschuss die politische Diskussion. Werner sagt, er habe gute Argumente. Vorbesprochen sind die Vorschläge bereits mit der Wirtschaft, dem Stadtmarketing, dem Einzelhandelsbverband und der Dehoga, um ein paar Beispiele zu nennen. Strittig sind offenbar vor allem Kundenstopper und Heizpilze. Verglichen haben die Konstanzer ihre Vorschläge übrigens mit Satzungen anderer Städte wie Freiburg, Tübingen oder Stuttgart.

Hier geht es zum Städtevergleich. Städtevergleich Sondernutzungssatzung

9 Kommentare to “Konstanz räumt die Innenstadt auf”

  1. Kontrolleur
    8. Februar 2011 at 06:31 #

    Heizpilze und Klapptafeln möchte der Bürgermeister auf die rote Liste setzen, und Sonnenschirme sollen keine Zeltvordächer bilden … Die Verwaltung möchte also bestimmen, ob „hässliche“ Ständer durch „schöne“ (wer bestimmt das eigentlich?) zu ersetzen sind. Wer zahlt’s?

    Auf die rote Liste. Sehr gut. Was die Stadtverwaltung so alles den Gewerbetreibenden in unserer Stadt vorschreiben möchte, klingt ja wie Dekrete aus dem roten Polititbüro. Obwohl die Betroffenen wohl am besten wissen, wie ihr Geschäft funktioniert, mischen sich die Beamten der Stadt ein und wissen es besser. Aber die Steuern trotzdem kassieren, um sich ihr monatliches Leistungsloses Gehalt bezahlen zu lassen! Anscheinend ist denen ziemlich langweilig.

    Warum zu Teufel muss sich eine Verwaltung um sowas kümmern? Gab es etwa einen Bürger- oder Touristenaufstand, daß die Innenstadt vor Hässlichkeit nicht mehr begehrbar ist? Die gleiche Verwaltung, die die Straßen verrotten lässt, schwingt sich also jetzt auf, um die Innenstadt neu inSzene zu setzen.

    Wieso lässt der Gemeinderat solche Gedankenfürze überhaupt zu und schickt solche fleißigen Stadtbedienstete mit ihren tollen Ideen nicht einfach wieder an den Schreibtisch zurück und gibt ihnen vernünftige Aufgaben? Und die Spezialisten für heiße Luft und Schaumschlägerei vom Stadt“Flohmarkt“marketing machen da noch mit?

  2. Lothar Herzog
    8. Februar 2011 at 08:43 #

    Auf Anhieb hörte es sich vernünftig an. Beim zweiten lesen merkt
    man dann was es ist:
    Die sozialistische Lenkung der Touristenströme unter besonderer
    Berücksichtigung der Innenstadtrelevanten Erlebnisgastonomie.
    Wieviel Beamtenschweiss ist hier vergossen worden?
    Dazu passend! Laut T-online vom 04.02.2011. Der Binnenstaat
    Malawi in Afrika will das Furzen in der Öffentlichkeit verbieten.

  3. Ankarudi
    8. Februar 2011 at 09:45 #

    Prima, dann haben wir wenigstens Einen, der über Geschmack u. Qualität entscheidet !

  4. Bruno Neidhart
    8. Februar 2011 at 10:18 #

    Kommentare bereits im Vorfeld politischer Diskussionen in den entsprechend dafür vorgesehenen Ratsgremien enthalten nicht selten vorprogrammierte Einwände „einschlägiger“ Zielrichtung: Städtische Verwaltung, bestimmte Parteien, usw. („sozialistische Lenkung“). Ein probates Merkmal ist zudem die Vermischung unterschiedlicher Inhalte („Strassen verrotten“).

  5. Lothar Herzog
    8. Februar 2011 at 11:05 #

    Ja mein lieber Herr Neidhart. Die Zeiten sind vorbei in denen sich
    der Bürger alles gefallen lassen hat.
    Auch wenn Sie dies nicht wahrhaben wollen. Manche wollen ja
    Ägypten. Ich bleibe lieber hier und bringe meine Kritik an.

  6. Lothar Herzog
    8. Februar 2011 at 13:04 #

    Und bevor die Nr. 4 hier rummosert ,sollte er den Südkurier lesen.
    Die Faltblätter sind schon gedruckt. Ohne die Zustimmung des
    Rates einzuholen.
    1 : 0 Gegen Sie. Oder ein sogenanntes Eigentor. Ha Ha Ha Ha.

  7. Dr. Walter Rügert
    8. Februar 2011 at 15:57 #

    Nein, gedruckt sind die Faltblätter noch nicht. BeimPressegespräch am Montag wurden lediglich Entwürfe vorgelegt. Gedruckt werden die Faltblätter selbstverständlich erst, wenn der Rat die entsprechende Satzung beschlossen hat.

  8. wak
    8. Februar 2011 at 17:06 #

    Besser See-Online lesen. Da steht, dass es den Entwurf eines Faltblatts gibt.

  9. Papuga
    9. Februar 2011 at 11:16 #

    Der Herr Werner wünscht mehr Qualität, aha.

    Wer war es nochmal mit der tollen, und ästhetischen Fußgängerbrücke?
    Auch der Herr Werner.

    Hmmm.

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