Konstanz „übt“ Begegnungszone am Bahnhofsplatz

Stadt möchte Provisorium für 137.000 Euro bauen – Aktionsgemeinschaft kritisiert Verwaltung wegen Verzichts auf Stellplatzablöse

Ausfahrt Parkhaus Lago KonstanzKonstanz. Wer früher stirbt, ist länger tot. Totgesagte wie die Begegnungszone am Konstanzer Bahnhofsplatz leben aber länger. Als die Stadt die 2,5 Millionen Euro teure Umgestaltung der Zone aus Kostengründen weiter in die Zukunft verschoben hat, unkten die Ersten, das sei der Todesstoß für die Begegnungszone. Das war aber falsch. Bis das Geld für die „echte“ Begegnungszone da ist, möchte die Stadt eine provisorische schaffen und mit Tempo 20 den Verkehr entschleunigen.

Lago-Investoren finanzieren Tempo 20 Zone

Wenn der Technische und Umweltausschuss in dieser Woche zusammenkommt, soll er das Provisorium beschließen. Bezahlen möchte es die Stadt mit privatem Geld, das der geschäftsführender Gesellschafter der Investorengruppe Büll & Dr. Liedtke GmbH, Cornelius Liedtke, den Konstanzern versprochen hatte. Hintergrund: Die von den Investoren gewünschte Erweiterung des Lago-Parkhauses. Sie gibt es nicht ohne weniger Verkehr.

Tempo-20-Zone Voraussetzung für Lago-Parkhauserweiterung

Um das Lago-Parkhaus um 230 Stellplätze erweitern zu können, muss die Stadt den bereits vorhandenen Verkehr verringern, weil der Bahnhofsplatz und die Bodanstraße nicht noch mehr Autos vertragen würden. So kam es zu dem Deal: Liedtke machte den Konstanzern ein Angebot: Wenn die Stadt die Begegnungszone baut, schießen die Investoren Geld zu. Liedtke sagte, die Investoren würden den Umbau des Bahnhofsvorplatzes mit einem hohen sechsstelligen Betrag unterstützen. Das war im September 2010. Die Begegnungszone hätte bis 2013 fertig sein sollen. Jetzt kommt erst einmal ein Provisorium – und die Investoren geben statt eines hohen sechsstelligen Betrags erst einmal einen niedrigen.

Mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer

Der provisorisch umgestaltete Bahnhofsplatz solle ein „Vorgriff“ auf die spätere, bereits geplante Begegnungszone sein. Entstehen soll zunächst ein Geschäftsbereich mit Tempo 20. Das Provisorium sieht so aus: Nur noch zwei Fahrspuren, breitere Gehwege, weniger Parkplätze, weniger Taxistandplätze, Neuordnung der Bushaltestellen, die teilweise verlegt würden und barrrierefrei wären, und zum Beispiel auch eine Querungsinsel, damit Fußgänger gefahrlos von der Marktstätte zur Ladenzeile auf der anderen Seite der Straße gelangen. Wo in Zukunft, wenn die eigentliche Begegnungszone fertig ist, Bäume stehen sollen, möchte die Stadt symbolisch Pflanzkübel aufstellen. Zwei großformatige Schilder, die zeigen wie die Begegnungszone später einmal aussehen soll, würden aufgestellt. Zusammen mit der provisorischen Begegnungszone möchte die Stadt nachts auch gleich noch Tempo 30 am Rheinsteig und in der Unteren und Oberen Laube einführen.

Fahrradverkehr profitiert von Verlangsamung

Ziel der Begegnungszone – auch der provisorischen – wäre es, den Durchgangsverkehr auf die Laube oder sogar auf die Strecke über die neue Rheinbrücke zu verlagern. Von der Entschleunigung – auch schon vom Provisorium – profitieren würden Fußgänger und Fahrradfahrer. Bisher endet der Fahrradweg an der Konzilstraße vor dem Fischmarkt. Eine Weiterfahrt zum Bahnhof oder Lago ist nicht möglich. Neben der Verlangsamung des Verkehrs möchte die Stadt mit einem neuen, attraktiven Platz am Bahnhof auch städtebaulich Akzente setzen.

Kritik vom „Besseren Verkehrskonzept“

Kritik kommt vor der Sitzung des Technischen und Umweltausschusses bereits von der Konstanzer Aktionsgemeinschaft „Das bessere Verkehrskonzept“, das erbittert gegen eine Erweiterung des Lago-Parkhauses kämpft. Hinter der Aktionsgemeinschaft stehen Sabine Seeliger, Günther Schäfer und Marco Walter. Sie sprechen von einem „verfehlten und unwirksamen Parkhauskonzept“. Anscheinend möchte die Stadt, dass neue Geschäfte an der Bodanstraße statt eine fällige Parkplatzablöse an die Stadt zu bezahlen, lieber Stellplätze im Lago-Parkhaus schaffen. Die Konstanzer Aktionsgemeinschaft „Das bessere Verkehrskonzept“ würde dagegen lieber das Geld eintreiben und ein Park&Ride-Kozept um setzen. Die Stadtverwaltung wolle trotz klammer Finanzen auf etwa eine Million Euro Einnahmen aus Stellplatzablösen verzichten, heißt es in einem Schreiben, das an die Medien sowie an den OB und die Gemeinderatsfraktionen ging. „Der Verzicht auf diese Mittel zur Realisierung eines Shuttlebusses zur Entlastung der Innenstadt an verkehrsreichen Tagen wäre die Kapitulation der Stadtverwaltung vor ihrer Aufgabe zur Reduzierung der Verkehrsbelastung auf dem Innenstadtring“, schreibt „Das bessere Verkehrskonzept“.

Hier geht es zu dem dreiseitigen Schreiben. 110606-pm-TUA-3-1

Foto: wak

 

Ein Kommentar to “Konstanz „übt“ Begegnungszone am Bahnhofsplatz”

  1. TB
    7. Juni 2011 at 09:57 #

    Man kann schon den Überblick verlieren. So stellt sich die Situation bez. der Parkplätze dar:

    Aktuell werden im Lagoparkhaus 710 Stellplätze genutzt. (290 weniger, als ursprünglich geplant). Diese sind an Samstagen und Brückentagen (60 Tage im Jahr) vollständig belegt. Dann wird die Ausweichfläche hinterm Lago geöffnet. Dort finden sich zusätzlich 225 Parkplätze.

    Das bestehende Lago-Parkhaus soll um 250 öffentliche Parkplätze erweitert werden. Es entstehen also netto gerade mal 25 Parkplätze mehr. Warum sich eine Initiative dagegen wehrt, erschließt sich mir überhaupt nicht. Die Parkplätze sind im Vergleich zum derzeitigen Zustand umbaut und auf mehreren Ebenen verteilt. Versehen mit zwei zügigen Zu- und Abfahrtsmöglichkeiten.

    Im erweiterten Lago-Parkhaus werden dann auch noch die 99 notwendigen Stellplätze für das Kaufhaus Bodanstraße und das Sporthaus Gruner nachgewiesen.

    Dazu sagt die Landesbauordnung:
    „Die notwendigen Stellplätze oder Garagen sind herzustellen auf dem Baugrundstück, auf einem anderen Grundstück in zumutbarer Entfernung oder mit Zustimmung der Gemeinde auf einem Grundstück in der Gemeinde.“
    Und:
    „Lassen sich notwendige Stellplätze (…) nicht (…) herstellen, so KANN die Baurechtsbehörde (…) zulassen, dass der Bauherr einen Geldbetrag an die Gemeinde zahlt. (…) Die Gemeinde legt die Höhe des Geldbetrages fest.“

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